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[Rezension] Die Stadt der Seelen – Christoph Lode

Pandaemonia II

Verlag: Goldmann | Leseprobe (.pdf)
ISBN: 978-3442471744
Seiten: 476
Ausgabe: Broschiert
Preis: € 12,00
ET: 02.2011
Wer Macht über die Träume der Menschen besitzt, gebietet auch über ihre Gedanken. Lady Sarka, die allgewaltige Herrscherin von Bradost, weiß das und will sich die Gabe des Traumwanderers Jackon dafür zunutze machen. Doch sie hat viele Feinde: Liam ist einer von ihnen. Er will den Tod seines Vaters rächen und ihre Macht brechen. Aber er ist im Pandæmonium gefangen, dem dunklen Reich der verdammten Seelen und Dämonen. Seine Freundin Vivana ist verzweifelt. Sie liebt Liam, doch reicht das aus, um ihn zu retten?

Meine Rezension

Christoph Lodes Roman „Der letzte Traumwanderer“ endete mit einem Angriff auf Lady Sarkas Palast.
Bei diesem Angriff werden mehrere Palastmitglieder schwer verletzt und der junge Liam Santander wird von einem Incubus sogar ins legendäre Pandæmonium verbannt.
Seine Freundin Vivana mag gar nicht daran glauben, dass es keinen Weg aus dem Pandæmonium für Liam geben soll und daher macht sich die kluge und tapfere Manusch auf den Weg ihren Geliebten zu retten…Doch wird ihr dies gelingen?

„Die Stadt der Seelen“ ist der zweite Teil der Pandæmonia-Trilogie von Christoph Lode auf das ich lange gewartet habe, denn ich musste nach dem wunderbaren Auftakt im ‘letzten Traumwanderer’ unbedingt wissen, wie es mit Liam und seinen Freunden weiter geht.

Als ich das Buch dann endlich in der Hand hielt flogen die Seiten nur so dahin, denn der Einstieg in den zweiten Band fällt sehr leicht, auch wenn die Lektüre des Vorbandes ein wenig zurück liegt. Das liegt zum einen an der leichten Feder des Autors, aber auch daran das zu Beginn geschickt noch mal Hinweise auf die Ereignisse des ersten Bandes gegeben werden.

Die Handlung selbst nimmt in „Die Stadt der Seelen“ noch mal an Fahrt auf, was natürlich daran liegt, dass Christoph Lode sich in diesem Band wesentlich stärker auf die Handlung konzentrieren kann, nachdem die Charaktere uns im ersten Band vorgestellt hat.
Was mir besonders gefallen gut gefallen hat, ist, dass die Helden in diesem Band immer wieder in – zum Teil lebensbedrohliche – Bedrängnis kommen aus der sie ja wieder heraus müssen. Im Gegensatz zu vielen anderen Autoren hat sich Christoph Lode hier wirklich Gedanken über mögliche Lösungen gemacht, denn er arbeitet zu keiner Zeit mit bloßen Zufällen und wirklich fragwürdigen Fügungen.

Es ist natürlich schwer den 2.Teil einer Trilogie zu besprechen, ohne zu viel vom Inhalt zu verraten.
Daher sei zum Schluss nur angemerkt, dass mich „Die Stadt der Seelen“ absolut begeistern konnte und ich diese spannende Geschichte sehr genossen habe. Für mich ist dieser Band der Reihe sogar ein wenig besser als der erste Teil.
Ich bin jetzt richtig gespannt auf den letzten Teil der Trilogie „Phönixfeuer“, der aber leider erst im Oktober erscheinen wird.

[Rezension] Die Dichterin von Aquitanien – Tereza Vanek

Verlag: Goldmann | Leseprobe (.pdf)
ISBN:
978-3-442-47226-0
Seiten: 704
Ausgabe:
Taschenbuch
Preis:
9,95 €
ET:
07.2010

Mitte des 12. Jahrhunderts, nahe Paris

Die junge Marie wächst in einfachen Verhältnissen auf. Kurz nach dem Tod ihres trinkfreudigen Vaters erhält sie die Nachricht, sie sei die illegitime Tochter von Geoffrey VI, dem Bruder des englischen Königs Henri II, und wird nach England an den Hof gebracht. Es fällt ihr schwer, sich in der neuen Umgebung zurechtzufinden, und um ihre Einsamkeit zu vertreiben, beginnt Marie schließlich, heimlich zu dichten. Als Königin Eleonore von Maries Gedichten erfährt, wird diese bald zu einer ihrer Lieblingsdamen. Aber Marie zieht nicht nur Bewunderung, sondern auch viel Neid auf sich …

Meine Rezension

Marie wird bei ihrem Stiefvater groß, der ihr Interesse an Geschichten fördert und unterstützt. Als dieser jedoch bei einem tragischen Unfall ums Leben kommt, wird Marie an den Hof von Alienor von Aquitanien gebracht.
Dort wird es ihr jedoch bald zu langweilig und sie gibt sich ihren Geschichten hin – und soll mit diesem bald als Marie de France in die Geschichte eingehen.

Ich schätze Chrétien de Troyes Roman „Perceval“ sehr. Daher ist es für mich ja fast eine logische Konsequenz, dass ich einen Roman über Chrétiens wichtigste Kollegin lese.

Daher hat mich zu Beginn vor allem Marie selbst interessiert. Diesem Interesse kam auch zu Beginn stark zu Gute das der Fokus der Geschichte auf ihr als Hauptcharakter liegt.
Schnell habe ich Marie in mein Herz geschlossen und ich bin mir sicher, dass wir beide gute Freundinnen geworden wären. Das Gefühl einer Verbundenheit liegt nicht unwesentlich an dem schriftstellerischen Talent der Autorin Tereza Vanek. Diese schafft es, Marie eine eigene Stimme zu geben und Jahrhunderte nach ihrem Tod wieder zum Leben zu erwecken.
Besonders gut gelungen ist, dass Marie durchaus zwei Seiten hat. Sie ist nicht wie es oft in den typischen „Die … – in“- Romane der Fall ist einfach nur eine starke und unbezwingbare Frau. Die ist ebenso sehr verletzlich und macht ihre Fehler, die durchaus auch ihre Konsequenzen haben.

Mit voranschreiten der Geschichte begann aber eine zweite Frau mein Interesse zu wecken: Alienor von Aquitanien.
Tereza Vanek hat es geschafft mich für eine Frau zu begeistern, die mir vorher eher kein Begriff war und mich für sie zu interessieren. Auch hier liegt es vor allem daran, dass die Herzogin, wie alle anderen historischen Persönlichkeiten auch, dynamisch und glaubwürdig zu beschreiben.
Ich hatte wirklich das Gefühl, dass Alienor wirklich so gewesen sein könnte, denn auch hier verzichtet die Autorin nicht darauf, die Herzogin von zwei Seiten zu schildern.
In dem Zusammenhang fand ich es sehr toll von der Autorin, dass sie Alienors Sohn, Richard Löwenherz, nicht verklärt hat, sondern auch eine Seite an ihm zeigt, die zum kritischen Nachdenken über ihn anregt.

Mit „Die Dichterin von Aquitanien“ lässt Tereza Vanek das 12. Jahrhundert wieder auferstehen. Sie erzählt plausibel, wohlüberlegt, gefühlvoll und spannend das Leben einer in der Geschichte mysteriösen Schriftstellerin: Marie de France.

[Rezension] John Boyne – The Boy in the Striped Pyjamas

Verlag:Random House UK
ISBN: 978-1849920438
Seiten: 216
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: € 08,80
ET: 04.2010
Where is ‘Outwith’ and who is Bruno? How is he connected? Soon he will meet the boy in striped pyjamas and befriend him. But why must the boy stay behind the wire?

Meine Rezension

Zu diesem Buch möchte ich keine Rezension schreiben, wie ich es ‘sonst’ immer tue. Diesmal möchte ich viel mehr einfach ein paar Gedanken festhalten, die mir während des Lesens und danach gekommen sind aber auch immer noch durch meinen Kopf geistern….

Ich bin mit hohen Erwartungen an das Buch gegangen, aber diese wurden bei Weitem nicht erfüllt. Ich will zwar nicht direk von Enttäuschung reden, aber mein Empfinden grenzt sehr stark an diese Empfindung.

Inhaltlich finde ich die Idee, die der Autor hatte nicht schlecht. Ich möchte zwar nicht von der Neuerfindung des Rades sprechen, aber für mich hatte die Idee einen neunjährigen Jungen eine Freundschaft mit einem Juden pflegen zu lassen, der in einem KZ sitzt, etwas sehr reizvolles.
Und auch das Ende der Geschichte war für mich eigentlich nur folgerichtig und passt zu der Geschichte.

Aber da gibt es ein, naja mehrere, großes Aber: mir hat die Umsetzung der Idee während des ganzen Romans nicht gefallen.
Und ich kann glaube ich zum Teil immer noch nicht genau sagen, was mich alles stört und in welchen Dimensionen es mich stört.
Zum einen hat mich Brunos Naivität gestört.
Es hat mich sehr gewundert, dass der Sohn eines Nazioffiziers keine Ahnung haben wollte, wie es sich mit den Juden verhält. Das ist etwas, was ich mir nur schwer vorstellen kann. Klar, ich erwarte nicht, dass er von der Aufgabe oder Existenz von KZs wusste, aber das Juden aus der Gesellschaft ausgestoßenen sind…?
Dann: Wenn ich einen Roman über den Nationalsozialismus schreibe, dann nenne ich die Dinge auch beim Namen. So hat es mich schon sehr gestört, dass um gewisse Dinge drum herum geredet wurde, anstatt sie direkt zu benennen. So z.B. beim Hitlergruß – wieso muss man es mit fast 6 Sätzen umschreiben? Das macht auf mich einen irgendwie zögerlichen und unsicheren Eindruck.

Das Buch wird viel in die Sparte „Jugendbuch“ gesteckt. Dort kann es meiner Meinung nach gerne bleiben, aber ich denke, dass es wirklich eher für ältere Jugendliche geeignet ist, die vielleicht schon mehr in der Lage sind das zu reflektieren, was sie lesen.

[Rezension] Der Minnesänger – Tim Pieper


Verlag: Heyne | Leseprobe (.pdf)
ISBN: 978-3453470996
Seiten: 477
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: € 08,95
ET: 01.2010

Es ist ein Privileg, als Sohn eines unfreien Lehnsherrn in einem Kloster ausgebildet zu werden. Hartmann von Aue weiß das zu schätzen. Als sich der junge Mann in die Nachbarstochter Judith verliebt, lernt er das Harfespielen nur, um seiner Angebeteten ein Lied zu singen. Bis der Minnesänger sie wiedersieht, vergehen Jahre voller Sehnsucht und Gefahren. Jahre, die den Ritter auf den Kreuzzug führen und die zu Unrecht des Giftmordes beschuldigte Heilerin in den Kerker. Wird er ihr je von seiner Liebe singen können?

Meine Rezension

Hartmann von Aue wird Anfang des 13.Jahrhunderts als zweiter Sohn eines unfreien Lehnsherrn geboren. Also solchem bietet seine Zukunft nicht viele Möglichkeiten und doch schafft es sein Vater ihn in eine Klosterschule zu schicken und dort ausbilden zu lassen.
Nicht zuletzt dank seiner Liebe zur Nachbarstochter Judith, widmet sich Hartmann immer mehr der Musik und schreibt Lieder für seine Angebetete.
Doch den beiden steht ein langer, steiniger Weg bevor…

Mit seinem Debutroman „Der Minnesänger“ entführt der Autor Tim Pieper den Leser in das Mittelalter und lässt ihn am Leben eines großen deutschen Epikers teilhaben.
Der Einstieg in den Roman fällt sehr leicht: Man lernt direkt Hartmanns Vater kennen und erlebt ihn und seine Familie ab der Geburt des Sohnes.
Auf den ersten Seiten des Romanes ist es vor allem die Familie des jungen Hartmann, die im Vordergrund steht und so einen Einblick in das damalige Leben vermitteln. So lernt man auch sehr leicht zu verstehen, wieso der kleine Dichter in eine Klosterschule gehen muss und so fernab von der Familie groß wird.

Nebenbei, in einem zweiten Handlungsstrang, erfährt man immer mehr von Judith, die zusammen mit Hartmann aufwuchs und sich selbst einen Weg ins Leben erkämpfen muss.
Es kommt immer wieder zu Zusammentreffen der beiden Liebenden und man spürt selbst, wie sich die beiden nacheinander verzehren, aber Hindernisse ihnen ein Zusammensein verbauen: Judiths Ehe und seine Verpflichtungen am Hofe des Herzogs.

So hätte sein Leben verlaufen können…
Es gibt nur wenige Quellen zum Leben des Epikers Hartmann von Aue. Tim Pieper hat diese Quellen genutzt und ein lebendiges Leben eines Dichters entworfen, der wegweisend für die deutsche Dichtung war. Es ist ein Leben, so wie es hätte sein können und auf jeder Seite des Romans glaubhaft erscheint.
Es ist dem Autor vor allem gut gelungen, Themen aufzunehmen, die auch in der Epik Hartmanns immer wieder aufkommen: Liebe, Ehre und Treue. So schafft er einen wunderschönen Bogen zu den Werken des Dichters.

Ich bin gespannt, was wir als nächstes vom Autor lesen dürfen, aber egal, was es sein wird: ich bin mir sicher, dass er diese Geschichte genau so spannend und liebevoll gestallten wird, wie diesen Roman.

Eingereicht für die Challenge “Der Geschichte auf der Spur” für die Station: Hochmittelalter (11. – 13. Jahrhundert)

[Rezension] Das Geheimnis des Frühlings – Marina Fiorato


Verlag: Limes Verlag | Leseprobe (.pdf)
ISBN: 978-3809025740
Seiten: 588
Ausgabe: Hardcover
Preis: € 19,99
ET: 09.2010

Die bezaubernde Luciana Vetra verdingt sich als Straßenmädchen und gelegentliches Künstlermodell. So posiert sie auch für Botticelli und dessen Bild »Primavera«. Als der Maler sie dafür jedoch nicht entlohnen will, entwendet sie eine Miniatur des »Frühlings«, nur um kurz darauf entsetzt festzustellen, dass jemand offenbar über Leichen geht, um an dieses Gemälde zu gelangen. Doch was hat es mit diesem Bild auf sich? – Verzweifelt sucht Luciana den einzigen Mann auf, der gegen ihre Reize immun zu sein scheint: den Novizen Guido. Gemeinsam mit dem klugen jungen Mönch flieht sie durch Italien und kommt dem brisanten Geheimnis des Bildes auf die Spur …

Meine Rezension

Die junge Luciana Vetra arbeitet als Dirne, als sie für den aufstrebenden Maler Botecelli Model sitzen soll.
Bei dieser Gelegenheit stiehlt sie eine Miniatur des Gemäldes, dass von ihr gemalt wurde. Doch schnell wird ihr klar, dass sie sich durch diesen Diebstahl in große Gefahr gebracht hat.
Sie sucht Zuflucht in einem Kloster und zieht dabei den jungen Novizin Guido mit hinein – und beide versuchen das Rätsel des Gemäldes zu lüften, um sich so der scharfen Messer ihrer Feinde zu entledigen.

„Das Geheimnis des Frühlings“ ist ein außergewöhnlicher historischer Thriller, der mich staunen ließ, in seinen Bann zog und mir hin und wieder ein Lächeln auf die Lippen zauberte.
Auf fast 600 Seiten entführt die Autorin den Leser in das Italien des 15.Jahrhunderts.
Der Einstieg in die Geschichte fällt sehr leicht, weil man direkt in die Geschichte gezogen wird, und man nicht mit vielem Vorgeplänkel Zeit verliert. So wird schnell klar, dass Luciana in Gefahr schwebt und diese Gefahr ihr im Nacken sitzt, bis sie es schafft das Geheimnis ihres Diebesgutes zu lüften.

Der lockere Schreibstil trägt dazu bei, dass der Roman schnell zu einem Page-Turner wird. Kurze, prägnante Sätze und pfiffige Dialoge wechseln sich ab und ziehen den Leser mitten ins Geschehen hinein. Manchmal hat man sogar das Gefühl, dass man mit Bruder Guido und Luciana im Raum sitzt und nachdenkt.
Das einzige was mich gerade auf den ersten 100 Seiten gestört hat, war der Sprachstil, der Luciana verpasst wurde: Das junge Mädchen lebt nun mal als Prostituierte. Ein Leben, dass ihr ganzes Sein prägt. Als vielleicht logische Konsequenz schmeißt die junge Frau nur so mit Anzüglichkeiten um sich, dass es wirklich hart an der Grenze zum Ertragbaren kratzt. Allerdings legt sich dies sehr schnell und man kann den Rest des Romanes ohne schlechte sexuelle Andeutungen genießen.

Die Charakter von Bruder Guido und Luciana tragen ihr übriges dazu bei, „Das Geheimnis des Frühlings“ zu einem wirklich gelungenen Roman werden zu lassen.
Mit viel Liebe hat die Autorin sich diesen beiden Personen gewidmet und sie zum Leben erweckt. Während des Lesens hatte ich öfter das Gefühl über ‘echte’ Freunde zu lesen und habe, als die letzte Seite dann doch gekommen war, nur sehr widerwillig Abschied von ihnen genommen.

„Das Geheimnis des Frühlings“ ist ein spannender Schmöker, der gerade jetzt, in der kalten Jahreszeit, dazu einlädt sich stundenlang in eine andere Zeit und Welt zu träumen und auf ein Abenteurer zu gehen.
Mich hat der Roman positiv überrascht und ich kann ihn wirklich empfehlen!

Eingereicht bei Der Geschichte auf der Spur für die Station Spätmittelalter.

[Rezension] Der letzte Traumwanderer – Christoph Lode


Verlag: Goldmann | Leseprobe (.pdf)
ISBN: 978-3442471737
Seiten: 382
Ausgabe: Broschiert
Preis: € 12,00
ET: 11.2010

Das Gelbe Buch von Yaro D’ar zu finden ist Liam Satanders einziges Ziel. Es war die letzte Bitte seines Vaters, bevor dieser von den gefürchteten Spiegelmännern ermordet wurde. Auf seiner Suche schleicht sich Liam in den Palast der mächtigen Herrscherin von Bradost ein – ein Ort voller Gefahren und dunkler Geheimnisse. Doch Liam kennt keine Furcht. Um herauszufinden, warum sein Vater sterben musste, würde er es mit jedem Feind aufnehmen. Selbst mit jemandem, der Macht über die Träume der Menschen besitzt …

Meine Rezension

Jackon ist ein Schlammtaucher und wohnt in den Kanälen von Bradost. Er hat früh seine Familie verloren und ist ganz auf sich allein gestellt. Zusätzlich machen ihm die anderen Schlammtaucher das Leben schwer, denn er macht ihnen Angst: Die Schlammtaucher behaupten, dass Jackon sie nachts in ihren Träumen besucht…
Zur selben Zeit verliert der junge Liam Santander seinen Vater, der von den Lakaien der Ministerin getötet wird. Ab da kennt der Jugendliche nur ein Ziel: Das gelbe Buch von Yaro D’ar zu finden und so endlich zu erfahren, wieso sein Vater sterben muss.
Zwei Schicksale, die unterschiedlicher nicht sein könnten und die sich dennoch bald begegnen werden….

„Der letzte Traumwanderer“ ist der Auftakt zur Pandaemonia-Trilogie von Christoph Lode. Dieser Auftakt ist einfach grandios und lässt mich schon jetzt nach dem nächsten Band schmachten.

Der Autor entführt den Leser nach Bradost, einer Stadt mit einer Geschichte, die faszinierend und beklemmend zugleich ist.
Man lernt in diesem Band vor allem die Hauptcharaktere Liam und Jackon kennen, lernt ihre Geschichten, Aufgaben und Schicksale kennen.
Dabei wirft der Autor natürlich einige Fragen auf, wie es für einen Serienauftakt üblich ist. Jedoch lässt er nicht zu viele Fragen offen, sondern beantwortet auch einige. Daher hat man als Leser nie das Gefühl, dumm da zu stehen, weil man meint nur die Hälfte verstehen zu können.

In einer klaren und präzisen Sprache, die den Lesefluss unterstützt, zieht der Autor den Leser in ein Abenteuer hinein und beschreibt dabei vor allem die Örtlichkeiten so plastisch, dass ich die Umgebungen immer vor meinem geistigen Auge sehen konnte. Meiner Meinung nach ist so etwas ganz großes Kopfkino.

Für mich ist „Der letzte Traumwanderer“ ein Page-Turner, der leider viel zu schnell zu Ende gelesen war. Nun beginnt das leidige Warten auf den nächsten Teil.

[Rezension] Frühstück mit Proust – Frédérique Deghelt


Verlag: Rütten & Loening
ISBN: 978-3352007927
Seiten: 286
Ausgabe: Hardcover
Preis: € 16,95
ET: 09.2010

Das Schicksal führt die achtzigjährige Mamoune und ihre umtriebige junge Enkelin Jade unter einem Pariser Dach zusammen. In ihrer merkwürdigen Zweier-WG lernen Großmutter und Enkelin sich neu kennen. So entdeckt Jade, die am liebsten Schriftstellerin wäre, eines Tages, wie ihre scheinbar ungebildete Großmutter heimlich hochliterarische Bücher verschlingt – über die gemeinsame Leidenschaft fürs Lesen kommen sich die beiden Frauen immer näher.

Meine Rezension
Familie keinen Platz hat oder aber, weil der lästige Angehörige, der immer mehr Hilfe braucht abgeschoben werden soll…
Ein ganz ähnliches Schicksal droht Mamoune nach einem Schwächeanfall: Ihre Töchter wollen sie in ein Hospiz geben.
Doch ihre Enkelin Jade holt ihre Mamoune aus dem kleinen Dorf in die Großstadt Paris. Dort lernen sich Großmutter und Enkelin ganz neu kennen.

Der Roman „Frühstück mit Proust“ von Frédérique Deghelt greift ein Thema auf, dass in unserer Gesellschaft immer wichtiger wird: Wie wollen wir mit unseren älteren Mitbürgern umgehen? Welche Rolle wollen wir ihnen in der Gesellschaft zuweisen? Wirklich nur die der Störfaktoren, die in ein Heim abgeschoben werden müssen?

An dem Beispiel von Mamoune und ihrer Enkelin Jade zeigt die Autorin, dass es auch anders gehen kann: Die beiden Frauen beginnen ein neues, gemeinsames Leben in dem es zu Beginn natürlich ein paar Schwierigkeiten gibt. Allerdings gelingt es den beiden durch gemeinsame Gespräche diese aus dem weg zu räumen.
Es ist herrlich zu sehen, wie die beiden sich annähern und eine Gemeinschaft werden und ihr Leben zusammen meistern.

Einziger Wermutstropfen: Mir hat stellenweise die Umsetzung dieser durchaus herrlichen Idee nicht gefallen.
Die Geschichte wird sowohl aus der Sicht Jades als auch aus der der Großmutter erzählt. Dies ist auf der einen Seite schon vorteilhaft, da man die Gedanken und Gefühle beider Parteien kennenlernt, aber: Die Autorin wiederholt sich gerade bei den Gedanken von Mamoune sehr häufig. Die alte Dame hat immer wieder die Sorge, dass sie ihrer Enkelin zur Last fällt und das, obwohl sie doch unbedingt nützlich für ihre Enkelin sein möchte.
Ich hatte ständig irgendwie das Gefühl, dass sich gewisse Gedankengänge wiederholen und man nicht vom Fleck kommt.
Das führte dazu, dass ich das Buch erst sogar eher langweilig fand und ein wenig enttäuscht war.

Aber „Frühstück mit Proust“ ist ein Buch, dass erst wirkt, wenn man es zu Ende gelesen hat und eine Kleinigkeit im Prolog erfährt. Diese Kleinigkeit, die ich hier nicht verraten möchte, verhilft einem zu einer ganz anderen Ansicht und sorgt dafür, dass das Buch einen wirklich zum Nachdenken anregt.

Fazit: „Frühstück mit Proust“ ist sicherlich ein Buch, dass von der Umsetzung her nicht hundertprozentig überzeugen kann, aber die Idee, die hinter diesen Seiten steckt ist aktuell und lesenswert.
Daher lohnt sich ein Blick in dieses Buch!

[Rezension] Alterra: Im Reich der Königin – Maxime Chattam


Verlag: Pan Verlag | Leseprobe
ISBN: 978-3426283066
Seiten: 389
Ausgabe: Hardcover
Preis: € 16,99
ET: 08.2010

Eine unbekannte Macht hat die Welt über Nacht in eine andere verwandelt – in einen Ort voller Gefahren und Abenteuer, in der Jugendliche jeden Tag ihren Mut beweisen müssen. Auf der Flucht vor einem unheimlichen Schattenwesen verschlägt es die drei besten Freunde Matt, Ambre und Tobias in den Blinden Wald, wo riesige Pflanzenwesen auf sie lauern, an Bord eines Luftschiffes und schließlich in das Reich der schrecklichen Königin Malronce, die ein ganz besonderes Interesse an Matt zu haben scheint …
Ist die Gemeinschaft der Drei stark genug, um dieses Abenteuer zu überstehen?

Meine Rezension

Matt, Ambre und Tobias sind „Die Gemeinschaft der Drei“ und zusammen haben sie bereits viele Geheimnisse, die die neue, veränderte Welt mit sich bringt, gelöst.

Und das nächste Geheimnis muss gelüftet werden, doch diesmal wird es Gefährlich: Die Drei müssen sich in das Gebiet ihrer Feinde wagen, um Antworten zu finden.

Doch erst müssen sie durch den blinden Wald, einen Wald, den wohl noch keiner überlebt hat.

Wer Teil 1 nicht kennt, sollte die Rezension zu Teil 2 eher nicht lesen, da sie Spoiler enthält!

„Im Reich der Königin“ ist der zweite Teil der Alterra-Trilogie, der ohne Weiteres an den ersten Teil anknüpfen kann.

Während man sich im ersten Teil an die Charaktere gewöhnen könnte und mit ihnen die veränderte Welt kennen lernte, geht es in diesem Teil eher darum, die Gemeinschaft der Drei bei ihren Abenteuern fernab der sicheren Gemeinschaft der Pans zu begleiten: Ambre, Matt und Tobias dringen in die Welt der Zyniks vor, die bereits im ersten Teil die Pans angegriffen haben. Das Trio möchte herausfinden, warum gerade Matt von den Zyniks gesucht wird und wieso diese den Pans den Krieg erklären wollen.

Das Augenmerk liegt dabei in erster Linie auf der Handlung und die Auseinandersetzung mit den Charakteren ist hier nicht mehr so stark. Dennoch findet sie immer noch statt und während man im ersten Teil vor allem Matt kennen lernen konnte, kann man nun seine beiden besten Freunde Ambre und Tobias kennen lernen.

Maxime Chattam baut hier auch seine Welt weiter aus und gewährt tiefere Einblicke in die Veränderungen, die Flora und Fauna, aber auch die Tierwelt nach dem Sturm durchgemacht haben. Gut fand ich, dass Chattam den grünen Finger, den er permanent im ersten Band erhoben hat, in diesem ruhen lässt. Man liest also nicht immer und immer wieder, dass die Welt sich gegen den Parasiten Mensch gewährt hat, obwohl diese Theorie natürlich weiterhin eine Rolle spielt.

Positiv sei auch die Gestaltung des Buches erwähnt: Die Cover beider Teile leuchten kräftig in einem schönen orange und blau und die gezeigten Illustrationen passen auch wunderbar zum Inhalt.

Im Buch selbst wird jedes Kapitel noch mit einem schönen Ornament eingeleitet und jeder Buchabschnitt bekommt seine eigene passende Illustration. Daher macht alleine schon die Aufmachung der Romane diese zu Schmuckstücken jedes Bücherregals.

Ich kann eigentlich nur noch eines tun: allen, die Band 1 mochten, auch diesen ans Herz zu legen. Er ist meiner Meinung nach sogar noch stärker wie sein Vorgänger!

[Rezension] Alterra: Die Gemeinschaft der Drei – Maxime Chattam


Verlag: Pan Verlag | Leseprobe
ISBN: 978-3426283004
Seiten: 390
Ausgabe: Hardcover
Preis: € 16,95
ET: 09.2010

Ein Orkan bricht über New York herein. Innerhalb weniger Stunden versinkt die Stadt in Eis und Schnee. Aus der Dunkelheit, die folgt, schießen blaue Blitze hervor. Als sie verschwunden sind, ist die Welt eine andere geworden: gefährlich und wild, ohne Technik und Zivilisation – und ohne Erwachsene. Übrig sind nur die Kinder, unter ihnen Matt, Tobias und Ambre. Gemeinsam machen sie sich auf in ein unglaubliches Abenteuer …

Meine Rezension

Es ist Weihnachten, ein Fest, auf das sich alle Kinder freuen. Doch dieses Jahr wird das Fest für Matt und seinen Freund Tobias nicht so wie immer.
Denn die Erde stellt sich gegen die Menschheit und ein großer Sturm bricht über die Welt herein, an dessen Ende nur die Jugendlichen und einige wenige Erwachsenen überleben.
Und jetzt beginnt der Kampf ums Überleben: Die Natur bringt Tiere hervor, die es vorher nicht gab und auch die Erwachsenen stellen plötzlich eine Gefahr für die Jugendlich dar.
Matt und Tobias machen sich auf die Suche nach anderen Überlebenden, in einer Welt, der man nicht mehr ohne Weiteres trauen sollte….

„Die Gemeinschaft der Drei“ ist der Auftakt der Alterra-Trilogie des französischen Autors Maxime Chattam.
In dieser Trilogie geht es mehr oder minder um den Weltuntergang, dass die Erde sich gegen ihre Kinder stellt und sie vor ein komplett neues Leben stellt. Diese Idee an sich ist nicht wirklich neu, wenn man z.B. an Bücher wie „Die Straße“ von Cormac McCarthy denkt.
Aber das, was der Autor aus dieser Idee macht, ist so wohl noch nicht da gewesen und macht diese Trilogie zu etwas besonderem.

Denn nach dem Sturm ist die Welt nicht einfach nur grau, leer und unwirtlich. Sie bietet immer noch genug Flora und Fauna, um überleben zu können. Doch mit dieser veränderten Welt müssen die überlebenden erstmal lernen umzugehen: Farne und Bäume, die so groß sind wie Häuser, Hunde so groß wie Ponys und Gefahren, die es so vorher nicht gab.
Der Autor beweist hier wirklich Einfallsreichtum.

In diesem Teil der Trilogie lernt der Leser aber nicht nur die veränderte Welt kennen, sondern auch „Die Gemeinschaft der Drei“: Matt, Tobias und Ambre. Alle drei Jugendlichen sind sehr unterschiedlich und ergänzen sich super.
Man lernt vor allem Matt kennen, dessen Gedanken und Gefühle häufig im Vordergrund stehen.
Das verleiht dem Roman wirklich Tiefe.
Die Gruppe begleitet man auf ihren Abenteuern und entschlüsselt mit ihnen die Rätsel der neuen Welt.

Die Geschichte ist spannend, flüssig geschrieben und zieht nicht nur Jugendliche Leser, sondern auch Erwachsene Leser in seinen Bann: Ich habe diesen Roman an nur einem Tag regelrecht verschlungen, weil ich mich einfach nicht mehr davon lösen konnte. Ich wollte, nein, ich musste unbedingt wissen, was die Gemeinschaft der Drei als nächstes herausfindet.
Eine Geschichte, die ich also unbedingt empfehle!

Einziger Kritikpunkt: Der Autor ist mir an einigen Stellen etwas zu „grün“ – natürlich rätseln alle, wieso es den Sturm geben konnte, der alles veränderte. Die Erklärung zieht sich jedoch fast Gebetsmühlenartig durch den Roman. Das hat zur Mitte des Buches langsam aber sicher doch ein wenig genervt….

Nichtsdestotrotz bin ich wirklich begeistert von diesem Serienauftakt und freue mich ungemein auf die nächsten Bände!

[Rezension] Die Seele der Wüste – Jane Johnson


Verlag: Page & Turner | Leseprobe (.pdf)
ISBN: 978-3442203444
Seiten: 500
Ausgabe: Hardcover
Preis: € 16,99
ET: 08.2010

London: Die erfolgreiche Steuerberaterin Isabelle Fawcett führt ein zufriedenes, aber wenig aufregendes Leben. Doch eines Tages macht Isabelle auf dem Dachboden ihres Elternhauses eine Entdeckung: In einer alten Schachtel findet sie ein silbernes Tuareg-Amulett mit einer geheimen Inschrift. Das Geheimnis des Amuletts lässt Isabelle nicht mehr los. Und so reist sie in die Sahara, um dem Rätsel auf den Grund zu gehen. Bei ihren Nachforschungen stößt sie immer wieder auf den Namen Mariata.

Marokko, etwa fünfzig Jahre früher: Die junge Tuareg Mariata verliebt sich in den Krieger Amastan. Doch ihr Vater zwingt sie, mit ihm und seiner neuen Frau in ein Haus im Süden von Marokko zu ziehen. Als er sie auch noch gegen ihren Willen verheiraten will, flieht Mariata in die Wüste. Voller Sehnsucht begibt sie sich auf eine lange, beschwerliche Reise quer durch die Sahara – immer auf der Suche nach Amastan.

Je mehr Isabelle über die Geschichte von Mariata erfährt, umso deutlicher wird, dass ihr Leben und das der Tuareg untrennbar miteinander verbunden sind.

Meine Rezension

Isabelle hatte schon als Kind kein gutes Verhältnis zu ihren Eltern. Als dann ihr Vater stirbt, scheint sich für die erfolgreiche Steuerberaterin nichts zu verändern. Doch sie folgt, wenn auch etwas widerwillig, einer Spur ihres Vaters: Mit einem Tuareg-Medaillon und ihrer besten Freundin fährt sie nach Marokko, um heraus zu finden, welche Bedeutung dieses Schmuckstück in ihrem Leben hat…

Jane Johnson erzählt die Geschichte des Medaillons in zwei Erzählsträngen: Man lernt zuerst Isabelle kennen und erfährt, wie sie zu dem Medaillon kommt. Danach nimmt die Autorin den Leser mit nach Marokko und stellt ihr die junge Mariata vor.
Und so geht es auch abwechselnd immer und immer weiter, den ganzen Roman durch. So kommt man in jedem Handlungsstrang nur langsam voran.
Auf der einen Seite erzeugt dieses versetzte erzählen für jede Handlung eine gewissen Spannung, aber es wird auch hin und wieder lästig. Man bleibt nie wirklich lange bei Isabelle oder Mariata. Hat man sich daran gewöhnt, mit einer der beiden Frauen seine Phantasie zu teilen, muss man sich auch schon wieder auf die andere einlassen. An einigen Stellen fand ich das Buch daher sehr unruhig und zerstückelt.
Auch lernt man die beiden Frauen meiner Meinung nach nicht richtig kennen, weil man zu wenig Zeit mit ihnen am Stück verbringen kann. Zwar schafft es die Autorin genug Hinweise zu geben, so dass man sich denken kann, wie diese Frauen sind, aber für mich war es fast zu wenig. Ich hätte mir das mehr Tiefe gewünscht.

Die Geschichte selbst fängt sehr ruhig an. Doch bis die Geschichte richtig in Schwung kommt, dauert es fast 150 Seiten. Das ist meiner Meinung nach einfach zu viel, da ich mich auf diesen ersten 150 Seiten beinah gelangweilt habe, da weder Isabelles Geschichte noch die von Mariata bis dahin vermag zu fesseln. Ich habe daher ernsthaft überlegt, ob ich das Buch wirklich zu Ende lesen mag.

Was ich hingegen sehr gelungen fand, war die Verknüpfung der beiden Erzählstränge: Natürlich war von Anfang an klar, dass sie irgendwie miteinander verbunden sein müssen, aber wie sie letzten Endes verbunden sind, hat mich dann doch sehr überrascht und war für mich nicht vorhersehbar.

Auch wenn mich „Die Seele der Wüste“ nicht komplett für sich einnehmen konnte, ist es ein sehr solider Roman, der einen doch gut unterhalten kann, wenn man ihm eine Chance gibt.

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