[Rezension] Die Hexe vom Niederrhein – Sebastian Thiel

Verlag: Gmeiner Verlag
ISBN: 978-3839210765
Seiten: 273
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: € 12,90
ET: 07.2010

Kempen, im Winter 1642. Am Niederrhein tobt der Dreißigjährige Krieg.
Nach einem Kirchgang rettet der junge Schmied Lorenz die Tochter des Statthalters vor zwei durchgehenden Pferden. Die schöne Elisabeth macht ihrem Retter von der ersten Minute an eindeutige Avancen. Doch nicht sie ist seine Auserwählte, sondern ihre schüchterne und geheimnisvolle Adoptivschwester Antonella. Als hessische Söldner Kempen belagern und einnehmen, bricht das Chaos aus. Und die kräuterkundige Antonella wird von der gesamten Stadt als Hexe denunziert …

Meine Rezension

Es ist Winter im Jahre 1642: Europa steht im Krieg und dass schon seit mehreren Jahren.
Doch die Gräuel haben Kempen bislang verschont und so war es dem Schmied Josef Cox möglich, seinen Söhnen eine schöne Kindheit zu ermöglichen.
Sein zweitältester Sohn Lorenz verliebt sich in eben jenen Winter in die Adoptivtochter des Bürgermeisters, Antonella.
Doch die beiden haben nicht lange Zeit ihr Liebesglück zu genießen, denn plötzlich holt der Krieg das kleine Dorf ein und Lorenz und sein Bruder Max ziehen in eben jenen Krieg, um zu beschützen, was sie lieben.

Die Hexe vom Niederrhein ist der Debütroman von Sebastian Thiel, der mich bereits nach den ersten Seite für sich eingenommen und überzeugt hat.

Der Einstieg in den Roman fällt sehr leicht: man lernt direkt die beiden Hauptcharaktere, die Brüder Lorenz und Maximilian, kennen, die beide mitten auf einem Schlachtfeld stehen. Das Ende des Prologs deutet nur etwas an und man fragt sich, welche Richtung diese Andeutung nehmen wird.
Doch bis man des Rätsels Lösung erfährt, springt man in der Zeit ein paar Tage zurück und lernt die beiden Männer kennen, bevor sie in den Krieg ziehen.

Die Charaktere selbst sind alle liebevoll und farbenfroh beschrieben. Jeder Charakter hat seine eigene Persönlichkeit und absoluten Wiedererkennungswert. So schafften es selbst Nebenfiguren, die ich oft neige schnell wieder zu vergessen, in mein Leserherz und ich fand es wirklich schade, dass sie ‘nur’ Nebenfiguren waren.
Vor allem die so gegensätzlich wirkenden Brüder Maximilian und Lorenz haben es mir angetan und ich denke jetzt noch gerne an sie zurück.

Besonders gut gefallen hat mir der Schreibstil von Sebastian Thiel: er schafft es immer die richtigen Worte zu finden und so eine Atmosphäre zu schaffen, die für mich greifbar war. So habe ich mit auf dem Schlachtfeld gestanden, konnte die Kälte des Schnees spüren.
Ich war in der Geschichte so gefangen und habe mit allen mitgelitten und am Ende habe ich mit ihnen geweint.

Für die Skeptiker, die eigentlich keinen weiteren Hexenroman lesen können / wollen, sei gesagt, dass dies nicht in erster Linie ein Roman über die Hexenverfolgung ist (und ja, auch ich dachte dies anfänglich). Die Hexe dient den Bewohnern der Stadt Kempen als Sündenbock, als diejenige, die Schuld an der Belagerung der Stadt ist.
Doch eigentlich geht es in diesem Roman um die Liebe und die Schrecken eines Krieges, der fast ganz Europa in die Knie zwang.

Die Hexe vom Niederrhein ist ein spannender, gut geschriebener historischer Roman. Der Roman ist eine Liebesgeschichte und ein Drama zugleich und lässt einen nicht mehr los, bis man weiß, wie es ausgeht.
Mit großer Freude habe ich gelesen, dass der Autor in Erwägung zieht, einen Nachfolgeroman zu schreiben. Das würde ich sehr begrüßen und freue mich schon, lieb gewonnene Freunde wieder zutreffen.
Für mich ist der Roman eine unbedingte Leseempfehlung!

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