[Rezension] Die Dichterin von Aquitanien – Tereza Vanek

Verlag: Goldmann | Leseprobe (.pdf)
ISBN:
978-3-442-47226-0
Seiten: 704
Ausgabe:
Taschenbuch
Preis:
9,95 €
ET:
07.2010

Mitte des 12. Jahrhunderts, nahe Paris

Die junge Marie wächst in einfachen Verhältnissen auf. Kurz nach dem Tod ihres trinkfreudigen Vaters erhält sie die Nachricht, sie sei die illegitime Tochter von Geoffrey VI, dem Bruder des englischen Königs Henri II, und wird nach England an den Hof gebracht. Es fällt ihr schwer, sich in der neuen Umgebung zurechtzufinden, und um ihre Einsamkeit zu vertreiben, beginnt Marie schließlich, heimlich zu dichten. Als Königin Eleonore von Maries Gedichten erfährt, wird diese bald zu einer ihrer Lieblingsdamen. Aber Marie zieht nicht nur Bewunderung, sondern auch viel Neid auf sich …

Meine Rezension

Marie wird bei ihrem Stiefvater groß, der ihr Interesse an Geschichten fördert und unterstützt. Als dieser jedoch bei einem tragischen Unfall ums Leben kommt, wird Marie an den Hof von Alienor von Aquitanien gebracht.
Dort wird es ihr jedoch bald zu langweilig und sie gibt sich ihren Geschichten hin – und soll mit diesem bald als Marie de France in die Geschichte eingehen.

Ich schätze Chrétien de Troyes Roman „Perceval“ sehr. Daher ist es für mich ja fast eine logische Konsequenz, dass ich einen Roman über Chrétiens wichtigste Kollegin lese.

Daher hat mich zu Beginn vor allem Marie selbst interessiert. Diesem Interesse kam auch zu Beginn stark zu Gute das der Fokus der Geschichte auf ihr als Hauptcharakter liegt.
Schnell habe ich Marie in mein Herz geschlossen und ich bin mir sicher, dass wir beide gute Freundinnen geworden wären. Das Gefühl einer Verbundenheit liegt nicht unwesentlich an dem schriftstellerischen Talent der Autorin Tereza Vanek. Diese schafft es, Marie eine eigene Stimme zu geben und Jahrhunderte nach ihrem Tod wieder zum Leben zu erwecken.
Besonders gut gelungen ist, dass Marie durchaus zwei Seiten hat. Sie ist nicht wie es oft in den typischen „Die … – in“- Romane der Fall ist einfach nur eine starke und unbezwingbare Frau. Die ist ebenso sehr verletzlich und macht ihre Fehler, die durchaus auch ihre Konsequenzen haben.

Mit voranschreiten der Geschichte begann aber eine zweite Frau mein Interesse zu wecken: Alienor von Aquitanien.
Tereza Vanek hat es geschafft mich für eine Frau zu begeistern, die mir vorher eher kein Begriff war und mich für sie zu interessieren. Auch hier liegt es vor allem daran, dass die Herzogin, wie alle anderen historischen Persönlichkeiten auch, dynamisch und glaubwürdig zu beschreiben.
Ich hatte wirklich das Gefühl, dass Alienor wirklich so gewesen sein könnte, denn auch hier verzichtet die Autorin nicht darauf, die Herzogin von zwei Seiten zu schildern.
In dem Zusammenhang fand ich es sehr toll von der Autorin, dass sie Alienors Sohn, Richard Löwenherz, nicht verklärt hat, sondern auch eine Seite an ihm zeigt, die zum kritischen Nachdenken über ihn anregt.

Mit „Die Dichterin von Aquitanien“ lässt Tereza Vanek das 12. Jahrhundert wieder auferstehen. Sie erzählt plausibel, wohlüberlegt, gefühlvoll und spannend das Leben einer in der Geschichte mysteriösen Schriftstellerin: Marie de France.

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