Die Frau mit den Regenhänden – Wolfram Fleischhauer
Verlag: Knaur | Leseprobe
ISBN: 978-3426617274
Seiten: 496
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: € 09,95
ET: 02.2001
Paris im Frühjahr 1867: Aus den dunklen Gewässern der Seine wird die Leiche eines Kindes geborgen. Für die Polizei steht fest: Die Mutter des Babys ist schuldig und muss zum Tode verurteilt werden. Aber warum verschwinden plötzlich Zeugen und Beweismaterial? Warum interessieren sich auf einmal die höchsten Regierungskreise für den Vorfall? 100 Jahre später beginnt eine geheimnisvolle junge Frau über die Hintergründe zu recherchieren. Was verbindet sie mit dem Fall?
Meine Rezension
Paris im Jahre 1867: die Leiche eines kleinen Kindes wird aus der Seine gezogen. Die Mutter wird festgenommen und des Mordes an ihrem kleinen Kind beschuldigt.
Damals zu der Zeit ist dies nichts ungewöhnliches: viele Mütter sehen keinen anderen Weg ihren Kindern ein schönes Leben zu schenken, außer sie zu töten und somit nicht der Armut und dem täglichen Kampf ums Überleben preis zugeben.
Der Mutter wird ein Pflichtverteidiger zugewiesen: Antoine Bertaut.
Antoine hat gerade seine Ausbildung zum Juristen abgeschlossen und muss nun ein Jahr lang als Pflichtverteidiger fungieren, ehe er seine Zulassung bekommt.
Für ihn scheint der Fall klar: ein Fall von Kindesmord wie so viele dieses Jahr. Er hofft, dass die Mutter bald ein Geständnis ablegt und der Fall bald vorbei ist…
Doch schon bald wird Antoine klar, dass es in diesem Fall um mehr geht, als nur um den Mord an einem Kind.
Denn wieso sollte sich sonst die Geheimpolizei mit dem Fall befassen?
Paris im Jahre 1992: der Aachener Bruno Tucher will in Paris dank einen Stipendium seine Doktorarbeit in Architektur schreiben. Bei seinen Arbeiten in der Nationalbibliothek trifft er auf die hübsche Gaetane. Sie recherchiert gerade dieses Fall.
Bruno ahnt noch nicht, dass die Geschichte um die Weltausstellung in Paris im Jahre 1867, der Mordfall an dem Kind und das Schicksal von Gaetane nah bei einander liegen……..
Mit diesem Buch tritt der Autor einmal mehr den Beweis an, zur Elite der deutschen Schriftsteller zugehören.
Viele Autoren versuchen sich daran, zwei Handlungen parallel laufen zu lassen und wollen diese dann sinnvoll zusammen führen. Aber nicht allen gelingt dies mit so viel Geschick.
Während es bei anderen eher holprig wirkt, geschieht die Zusammenführung beider Handlungen hier fließend. Der Leser bemerkt beinahe gar nicht, dass er in beiden Welten gleichzeitig ist.
Wolfram Fleischhauer lässt in seine Erzählung viele historische Details in die Erzählung einfließen. Der Leser bemerkt gar nicht, dass er ein wenig Geschichtsunterricht erhält. Alle Fakten sind kunstvoll in die Erzählung ein geflochten worden.
Neben all diesen Kunstgriffen, gelingt es Fleischhauer eine historische Tragödie – die Cholera – mit der neuzeitlichen Tragödie – HIV – in Verbindung zu bringen und Parallelen auf zu zeigen.
Das Buch regt zum Nachdenken an und hält noch lange nach.
Mit diesem Buch hat Wolfram Fleischhauer nicht nur einen guten historischen Roman geschrieben, sondern auch ein Buch, dass das – heute immer noch als solches gehandhabte- Tabuthema Aids dem Leser vor die Augen führt und ihm klar macht, dass man dieses Thema nicht totschweigen darf und vor allem nicht vergessen sollte, dass der Virus existiert…. Auch wenn viele ihn lieber für Tod erklären würden.


