Rezensionen

[Rezension] Die Bruderschaft des Schwertes – Christoph Lode

Verlag: Goldmann | Leseprobe (.pdf)
ISBN: 978-3442473762
Seiten: 496
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: € 09,99
ET: 04.2011

Konstantinopel 1309. Das byzantinische Reich wird von Unruhen erschüttert. Während Raoul von Bazerat, kaiserlicher Hauptmann und einstiger Gesandter von Papst Bonifatius VIII., in Kleinasien gegen die Osmanen kämpft, wird seine Tochter Naje von beunruhigenden Visionen heimgesucht. Raoul ahnt, dass in den labyrinthischen Gärten und Palästen der Kaiserstadt eine unvorstellbare Gefahr heraufdämmert. Als Barzin Ardeshir, ein geheimnisvoller persischer Kaufmann, Naje mithilfe des fanatischen Schwertbrüderordens entführt, beginnt eine Jagd, die Raoul bis an die Grenzen der bekannten Welt führt …

Meine Rezension

Wir schreiben das Jahr 1309: Der kaiserliche Hauptmann Raoul von Bazerat lebt mit seiner Frau Jada und seiner Tochter Naje in Konstantinopel. Die Drei sind eine glückliche Familie, die ihr Leben gemeinsam genießt.
Doch Naje ist kein gewöhnliches fünfjähriges Kind: Sie hat Visionen, die großes Unheil ankünden.
Als Naje und Jada von dem persischen Kaufmann Barzin Ardeshir verschleppt werden, beginnt für Raoul eine Verfolgungsjagd. Er hofft, seine Familie lebend wieder zu finden und hofft eine Antwort auf die Frage zu finden warum der Kaufmann gerade an seiner Familie Interesse hat….

„Die Bruderschaft des Schwertes“ ist mittlerweile der vierte Roman von Christoph Lode, der seinen Vorgängerromanen in Nichts nachsteht. Auch hier erwarten den Leser wieder Abenteuer und Spannung, aber auch die emotionale Komponente kommt nicht zu kurz.

Zu Beginn des Roman lernt man neben dem Vorsitzenden des Ordens direkt den persischen Kaufmann Barzin Ardeshir kennen. Dieser macht direkt einen harten und unnahbaren Eindruck auf den Leser, der direkt in eine Abwehrhaltung gedrängt wird und ähnlich wie der Ordensvorsitzende Segewold eine starke Abneigung gegenüber dem Kaufmann empfindet. Der Prolog endet dann ziemlich schnell und eher unvorhergesehen und entlässt den Leser direkt nach Konstantinopel, wo er auf alte Bekannte trifft: Denn Raoul von Bazerat und Jada sind dem Leser bereits in Lodes Debutroman „Der Gesandte des Papstes“ begegnet. Im weiteren Verlauf des Romans trifft man auch noch auf Figuren aus dem Roman „Das Vermächtnis der Seherin“. Wenn man diese Romane kennt, ist es ein schönes Gefühl, diese Figuren wieder zutreffen und die ein weiteres Stück ihres Lebens zu begleiten. Diejenigen, die die ersten Romane nicht kennen, brauchen diese auch nicht vor der Lektüre von „Die Bruderschaft des Schwertes“ zu lesen (wobei beide Romane eine Empfehlung wert sind!), da alles was für den vorliegenden Roman wichtig ist, auch noch mal kurz im Roman selbst erwähnt wird.
Nachdem man also einmal in Konstantinopel angekommen ist, bleibt einem nicht viel Zeit und man findet sich schnell auf der Verfolgungsjagd wieder. Aber diesem Zeitpunkt geht die Handlung ihren Lauf und es findet schnell Ortswechsel, aber auch Personenwechsel statt, wenn Raoul und sein Freund Narses eine weitere Station ihrer Jagd erreicht haben.

Trotz der rasanten Handlung bleibt genug Zeit die Charaktere weiter kennen zu lernen. Da man Raoul und seinen Freund Narses die meiste Zeit begleitet, liegt der Fokus eindeutig auf den beiden Gefährten. So erfährt man als Leser, wie es Raoul in den letzten Jahren ergangen ist, was ganz aktuell seine Ängste und Befürchtungen sind und was er sich noch in seinem weiteren Leben wünscht. Auch Narses gibt einiges von sich Preis und so avanciert auch der Byzantiner zum geliebten Helden des Romans.

Wie auch in seinen beiden ersten Romanen verbindet der Autor auch in „Die Bruderschaft des Schwertes“ historische Elemente mit fantastischen Elementen. Doch wie auch schon zuvor, nehmen diese auch hier nicht überhand: Sie ziehen sich wie ein Faden durch den Roman, werden dabei aber nie so dominant, dass man als Leser das Gefühl hat, keinen historischen Roman, sondern einen Fantasyroman in der Hand zu halten. Es ist vielmehr so, dass die fantastischen Elemente sich so gut in die Geschichte fügen, dass man eher den Eindruck hat, dass es sie genauso auch wirklich jetzt und hier geben könnte.

Fazit: „Die Bruderschaft des Schwertes“ ist wieder einmal ein spannender, abenteuerreicher Roman, der mich für mehrere Stunden in seine Welt mitgenommen hat. Der Roman verzaubert den Leser nicht nur mit seinen Charakteren, seiner Atmosphäre und seiner Handlung, sondern auch durch die Handlungsorte, an die er entführt.
Leider war der Roman wie immer viel zu schnell zu Ende und jetzt bleibt wieder nur das Warten auf den nächsten Roman von Christoph Lode.

[Rezension] Das Mädchen und der Leibarzt – Sina Beerwald


Verlag: Heyne | Leseprobe (.pdf)
ISBN: 978-3453471016
Seiten: 462
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: € 08,95
ET: 03.2011

Hebamme, Heilerin, Vertraute: Wie weit kann sie gehen, um andere zu retten?

Quedlinburg im 18. Jahrhundert. Die Hebamme Helena sieht den Schwarzen Blatterntod um sich greifen. Angesichts des Leids schwört sich die wissbegierige junge Frau, ein Gegenmittel zu finden. Am Kloster darf sie auf Geheiß der Fürstäbtissin bei dem Stiftsarzt in die Lehre gehen. Dieser wehrt sich gegen eine Frau als Medicus. Als Helena fast am Ziel ist, muss sie dafür nicht nur das Leben ihrer großen Liebe aufs Spiel setzen, sondern auch ihr eigenes.

Meine Rezension

Helena ist jung, intelligent und nicht zuletzt dank ihres Berufes als Hebamme sehr an der Medizin interessiert. Ihr Fähigkeiten werden bald im Quedlinburg des 18. Jahrhunderts gefordert, als die Blattern beginnen um sich zu greifen. Sie denkt über ein mögliches Heilmittel gegen die Krankheit nach uns sieht sich leider schnell gezwungen, aus ihrem Heimatdorf zu fliehen.
Auf ihrer Flucht begegnet Helena der Fürstäbtissin eines Damenstifts und hat die Möglichkeit bei deren Leibarzt in die Lehre zu gehen. Doch Helena ahnt noch nicht, wie dies ihr Leben grundlegend verändern wird.

Der Einstieg in den Roman fällt dem Leser relativ leicht: Man lernt Helena in einer ruhigen Minute kennen und erhält gleich einen kleinen Einblick in ihr Leben. Man lernt Helena sofort kennen und fühlt sich ihr irgendwie verbunden und diese Verbundenheit wird im Verlauf des Romans noch stärker, als sie aus ihrem Dorf flieht und im Stift unterkommt.
Dort geht sie bei dem beinah zickigen Leibarzt der Äbtissin in die Lehre und verlebt so Tage in denen sie versucht etwas zu lernen und sich bestmöglich um die Patienten zu kümmern und gleichzeitig versucht sich gegen den Leibarzt zu wehren und sich gegen ihn durchzusetzen.
Gegen Ende nimmt die Handlung noch einmal richtig an Fahrt auf, als einige Behandlungen augenscheinlich schief gingen und Helena durch den Leibarzt als Mörderin bezeichnet wird. Ab da kämpft Helena gegen die Vorwürfe und muss hoffen, dass es doch noch jemanden gibt, der ihr helfen kann.

Die Figuren selbst sind der Autorin sehr gut gelungen. Jeder Charakter, sei es nun Helena oder der griesgrämige Dottore, ist ein Unikat für sich und bleibt dem Leser im Gedächtnis. Auch sind alle Figuren in ihrem Handeln authentisch und für den Leser nachvollziehbar.

Besonders gut haben mir die medizinhistorischen Fakten gefallen. Man lernt viel über die damaligen gesundheitlichen Ansichten der Zeit und findet sich im Umschwung zur modernen Medizin wieder. Für mich war es hoch interessant zu lesen, wie man sich damals gewissen Krankheiten erklärte und mit welchen Mitteln man versucht hat diese zu bekämpfen.

Die einzige Schwachstelle des Romans ist meiner Meinung nach der Schluss. Dafür, dass man sich lange Zeit mit Helena und ihren Freunden beschäftigt, kommt der Schluss dann doch leicht abrupt und vor allem schnell daher. Doch der Schluss schafft es nicht, den insgesamt positiven Eindruck des Romans zu schmälern.

Insgesamt ist „Das Mädchen und der Leibarzt“ ein spannender und unterhaltsamer Roman, der mich in eine Zeit entführt hat, in der die Medizin noch in den Kinderschuhen steckte. Gleichzeitig vermittelt der Roman einen Einblick in das Leben eines Frauenstifts, eine Welt, die sonst hinter verschlossenen Toren geblieben ist.
„Das Mädchen und der Leibarzt“ hat mir gut gefallen und ich bin daher auf die weiteren Romane der Autorin gespannt.

[Rezension] Himmelsdiebe – Peter Prange


Verlag: Pendo
ISBN: 978-3866122741
Seiten: 499
Ausgabe: Hardcover
Preis: € 19, 95
ET: 08.2010

Als Laura Paddington Harry Winter das erste Mal begegnet, glaubt sie, dem »großen Zauberer« gegenüberzustehen – jenem Mann, von dem sie seit Kindertagen träumt, damit er sie in eine andere Welt entführt. Es ist der Beginn einer großen Leidenschaft – zwischen ihr, der kaum zwanzigjährigen Malerin, und ihm, dem großen Außenseiter der Kunst. Gegen den Willen ihrer Eltern folgt Laura Harry ins Paris der Dreißigerjahre. Als sich auch dort die Welt gegen die beiden verschwört, fliehen sie nach Sainte-Odile, ein Dorf in den Pyrenäen, das zum Paradies ihrer Liebe wird. Einem Paradies, aus dem sie schon bald vertrieben werden. Denn die Zeiten sind dunkel. Und so muss sich in einer Odyssee, die sie quer durch Europa führt, zeigen, was stärker ist: die Wirklichkeit oder die Fantasie. Die Barbarei oder die Liebe.

Meine Rezension

Laura ist zarte 19 Jahre als sie auf einer Vernissage den wesentlich älteren Harry Winter kennen lernt, der in Deutschland zu den entarteten Künstlern zählt.
Sie verliebt sich Hals über Kopf in den charismatischen Maler und ist flieht mit ihm in ein kleines Dorf in Frankreich, um dort ihre Liebe zu zelebrieren, gegen die alle Welt zu sein scheint.
Dort sind die beiden nur mit sich, ihrer Liebe und der Malerei beschäftigt.Was im übrigen Europa, und vor allem Deutschland vor sich geht, ist ihnen egal, denn für sie gibt es nur ihre geschaffene Welt.
Doch als der zweite Weltkrieg ausbricht droht ihre Welt Risse zu bekommen und es muss sich zeigen, was stärker ist: die Liebe, die Malerei oder doch die Wirklichkeit?

Mit „Himmelsdiebe“ habe ich meinen zweiten Roman von Peter Prange gelesen und ich hatte große Erwartungen an den Roman, da mir „Der letzte Harem“ von ihm ausgesprochen gut gefallen hat. Und diese Erwartungen sind nicht enttäuscht worden.

Allerdings war ich, wie ich zugeben muss, zu Beginn etwas enttäuscht von dem Buch. Denn letzten Endes habe ich so etwas in der Art wie „Der letzte Harem“ erwartet, aber „Himmelsdiebe“ ist anders. Würde auf dem Cover nicht der selbe Autorenname stehen, hätte ich wohl daran gezweifelt, dass beide Bücher von Peter Prange geschrieben wurden.

In „Himmelsdiebe“ entführt der Autor den Leser in die Zeit des 2.Weltkriegs. Eine Zeit, in der es vor körperlicher Bedrohung nur so stinkt und viele Menschen die Hoffnung auf ein friedliches, sicheres Leben aufgegeben haben.
Mitten in der unsicheren Lage versuchen sich Laura und Harry ein friedvolles und harmonisches Leben aufzubauen, ein Leben, das sie selbst gestalten und in dem die eigentliche Wirklichkeit keinen Platz hat. Die beiden gehen sogar soweit und versehen ihr Haus mit Schutzgeistern, die die Welt aus ihrer fernhalten sollen.
Es ist faszinierend zu lesen, wie die beiden in ihrer eigenen Welt leben, was sie beschäftigt und bewegt und immer wieder stellt man sich die Frage: wann wird die Wirklichkeit die beiden einholen?

Als es dann passiert, bangt man mit beiden und hofft, dass sie diese Situation gemeinsam überstehen werden und ihr Glück kein jähes Ende findet. Doch hier muss man sich unweigerlich die Frage stellen: Reicht Liebe, reicht die Malerei um zwei Menschen zu vereinen?

Die Charaktere in „Himmelsdiebe“ sind liebenswert, fragwürdig, sympathisch und ablehnenswert zugleich, sie sind einfach authentisch und sorgen dafür, dass ich zu jedem Zeitpunkt das Gefühl hatte, dass die Geschichte genauso hätte verlaufen können.

Letzten Endes fehlen mir selbst nach 2 Wochen immer noch die Worte um diesen außergewöhnlichen Roman zu beschreiben. Man muss ihn einfach selbst lesen, um seinen Zauber zu erliegen.
„Himmelsdiebe“ ist ein Gemälde für sich und lädt zum träumen und mitfiebern ein. Ich habe den Roman sehr gerne gelesen und denke immer noch gerne daran zurück.

Eingereicht für die Challenge “Der Geschichte auf der Spur” für die Station: Nationalsozialismus & Zweiter Weltkrieg

[Rezension] Die Ludwig Verschwörung – Oliver Pötzsch


Verlag: Ullstein
ISBN: 978-3548282909
Seiten: 553
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: € 9, 95
ET: 03.2011

Steven Lukas, ein Antiquar aus München, findet in seinen Regalen ein ihm unbekanntes altes Buch. Schon bald merkt er, dass es sich dabei um das Tagebuch eines engen Vertrauten von Ludwig II. handelt, den Assistenten des königlichen Leibarztes Max Schleiß von Loewenfeld. Das über hundert Jahre alte Buch ist in einer geheimen Kurzschrift verfasst, die Lukas nur Stück für Stück entziffern kann. Der ungeheuerliche Fund könnte die wahren Umstände des Todes von Ludwig II. verraten! Doch offenbar haben verschiedene Parteien ein Interesse daran, die Veröffentlichung des Tagebuchs zu verhindern. Und ein Fanatiker geht dabei über Leichen. Gemeinsam mit der Kunstdetektivin Sara Lengfeld gelingt es Lukas, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen – eine Rätselreise, die die beiden zu sämtlichen Schlössern des Märchenkönigs führt.

Meine Rezension

Ludwig II von Bayern ist beinahe jedem ein Begrifft – und das nicht nur auf Grund seiner Schlösser wie Neuschwanstein. Denn auch sein Tod ist bis heute nicht ganz aufgeklärt.

Das ist auch in etwa das, was der Antiquar Steven Lukas von legendären König weiß.

Als er dann in seinem Laden plötzlich das Tagebuch eines Vertrauten Ludwigs findet, ändert sich plötzlich sein ganzes Leben. Nicht nur, dass er die schöne Kunstdedektivin Sara Lengfeld kennen lernt, nein, er schwebt auch plötzlich in Lebensgefahr: Es gibt jede Menge Menschen, die für dieses Tagebuch töten wurden….

 

Oliver Pötzsch schreibt in seinem Nachwort zum Roman, dass man schier selbst meint verrückt zu werden, wenn man sich mit Ludwig II befasst und selbst ein Buch über den Monarchen verfassen möchte.

Doch der Autor scheint zum Glück bei seinen Recherchen alles andere als verrückt geworden zu sein, denn sonst würde man als Leser nicht in die Welt seines Romans „Die Ludwig Verschwörung“ eintauchen können.

 

Dieser historische Krimi wartet wie so einige andere aus dem Genre mit zwei Erzählebenen auf: Zum einen begleitet man Sarah und Steven, die mit dem Tagebuch vor ihren Verfolgern fliehen und dabei versuchen, dem Geheimnis des Tagebuchs auf die Schliche zu kommen.

Auf der anderen Seite haben wir das Tagebuch selbst, dass man wie die Protagonisten lesen kann. Das ist natürlich sehr spannend, da man beginnt mitzurätseln: Ist Ludwig II wirklich ermordet worden? Wenn ja, von wem? Oder musste sein Vertrauter ein anderes Geheimnis Ludwigs wahren?

 

Die Jagd nach dem Geheimnis wird natürlich von allen möglichen Zwischenfällen begleitet. Diese fügen sich jedoch perfekt in die Geschichte ein, man hat nie das Gefühl, dass plötzlich Probleme auftauchen nur um die Auflösung zu verzögern.

Der Handlungsverlauf selbst ist somit sehr authentisch – alles könnte genau so auch wirklich passieren.

 

Sehr gelungen fand ich auch die Charaktere.

Da ist zum einen der ‘bayerische Kini’, den viele für wahnsinnig hielten. Oliver Pötzsch schafft es, den legendären Monarchen erneut lebendig werden zu lassen. Beeindruckt hat mich dabei vor allem, dass er es schafft, den König nicht eindeutig als wahnsinnig oder ‘normal’ wirken zu lassen. Jedem bleibt es so selbst überlassen sich seinen eigenen Teil zu denken: War er wahnsinnig oder doch nur ein Exzentriker, der nicht in seine Zeit gehörte?

Auch die Protagonisten der Gegenwart, Sara und Steven, sind Originale für sich. Beide haben ihre Geschichte, ihre Makel, ihre Stärken und alle kommen sehr gut zur Geltung ohne überspitzt zu wirken. Auch die Beziehung zwischen den beiden ist im Roman immer wieder Thema, doch der Autor schafft es, diese sehr gut in den Roman einzuflechten und dabei nie sein Ziel aus den Augen zu verlieren.

 

Ich jedenfalls hatte sehr großen Spaß mit „Die Ludwig Verschwörung“ und habe jetzt nicht übel Lust noch mal nach Neuschwanstein zu fahren.

Wer diesen Roman liest, hat für ein paar Stunden sehr gute und spannende Unterhaltung, die gerade zum Schluß noch mit ein paar Überraschung aufwarten kann.

Für mich eines der besten Bücher dieses Jahres!

[Rezension] Das Affenhaus – Sara Gruen


Verlag: Kindler
ISBN: 978-3463406022
Seiten: 406
Ausgabe: Hardcover
Preis: € 19, 95
ET: 03.2011

Isabel Duncan ist Wissenschaftlerin an einem Institut für Menschenaffen. Sie arbeitet mit Bonobos, einer Schimpansenart, die eine große Begabung für Sprache besitzt. Menschen bleiben Isabel oft ein Rätsel. Wohler als unter ihresgleichen fühlt sie sich bei den ihr anvertrauten Affen. Als eines Tages im Institut eine Bombe explodiert, wird Isabel schwer verletzt. Die Affen flüchten in Panik. Eine dramatische Suche beginnt …

Meine Rezension
Isabel Duncan hat ihr Leben den Bonobos verschrieben. Ihr größtes Glück ist daher das Labor, in dem sie nah mit den Menschaffen zusammen sein kann und eine nahe Beziehung zu ihnen aufbauen konnte.
Alles ist perfekt – bis zu dem Tag, an dem das Labor in die Luft gejagt wird. Isabel wird schwer verletzt, aber ihre größte Sorge ist nicht sie selbst, sondern die Affen: Denn wo diese sind und was auch ihnen geworden ist, scheint lange nicht klar zu sein.
Verzweifelt sucht sie mit der Hilfe des Journalisten John Thigpen nach den Affen.

Der Debutroman der Autorin hat mir seiner Zeit sehr gut gefallen. Ich habe die Atmosphäre, die zum greifen dicht war, geliebt, die Charaktere waren mit viel Liebe zum Detail gestaltet und die Welt des Zirkus ist vor meinen Augen auferstanden.
Es war ein so detailreicher und lebensfroher Roman, dass ich mich auf ihren neuen Roman „Das Affenhaus“ richtig gefreut habe.

Aber für mich läuft der Roman fast ein wenig in der Kategorie „Außer Spesen nix gewesen“.
Mir erschien es fast so, als sei sich die Autorin nicht ganz sicher, was sie mit ihrem Roman möchte: Über die Bonobos berichten, oder das us-amerikanische Medienverhalten kritisieren?

Das Buch fängt ganz beschaulich mit einem Besuch des Journalisten John Thigpen und seinen Kollegen im Haus der Bonobos an. Dieser wird lebhaft geschildert und man bekommt einen sehr plastischen Eindruck vom Charakter dieser Affen. Vor allem merkt man der Autorin an, dass sie selbst von diesen Tieren unglaublich beeindruckt ist.
Allerdings vermittelte mir dieser Anfang bis zu einem gewissen Grad einen falschen Eindruck, denn mit voranschreitender Handlung sind die Affen zwar immer noch Thema und ziehen sich wie ein roter Faden durchs Buch, aber irgendwie scheinen sie nur noch „Mittel zum Zweck“ zu sein.
So geht es immer wieder um die persönlichen Probleme von Isabel Duncan und um die Ehe des Journalisten.
Die Affen kamen mir da wesentlich zu kurz.

Die Handlung selbst ist grade zu Beginn ziemlich beschaulich und kommt erst mal nur langsam in Fahrt. 50 Seiten vor Schluß galten meine Gedanken der Frage, wie man das nun ordentlich zu Ende bringen könnte. Aber wie ich leider feststellen musste gab es wohl nur die Antwort: Gar nicht?!
Das Ende kam mir dann im Vergleich zum Rest des Romans doch sehr plötzlich daher. Zwar werden keine wichtigen Fragen offen gelasssen und alles beantwortet, aber dies nur irgendwie unscheinbar und beinah wie nebenbei.

Das Buch habe ich dann doch eher enttäuscht zugeklappt. Vor allem, da ich mich nicht gegen einen Vergleich mit „Wasser für die Elefanten“ wehren konnte, das meiner Meinung nach um Längen besser ist.
Schade, denn „Das Affenhaus“ hätte ein so toller Roman werden können. Ich hoffe nun auf den nächsten Roman der Autorin.

[Rezension] Im Labyrinth der Fugger – Rebecca Abe


Verlag: Gmeiner Verlag
ISBN: 978-3-8392-1144-1
Seiten: 453
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: € 12,90
ET: 03.2011

Augsburg, Ende des 16. Jahrhunderts. Nach dem Tod des mächtigen Anton Fugger wird dessen Millionenvermögen gleichmäßig auf alle Nachkommen verteilt. Christoph Fugger, ein Egoist und Frauenfeind, will die Kinder seines Bruders Georg Fugger ins Kloster bringen lassen, um die Zahl der Erben zu dezimieren. Dazu verbündet er sich mit dem Jesuiten Petrus Canisius. Nur Georg Fuggers Tochter Anna ahnt, welch perfides Spiel der Augsburger Domprediger treibt …

Meine Rezension

Die Fuggerfamilie ist die wohl berühmteste und einflussreichste Familie in Augsburg. Bei ihr stehen sogar Adelige und Kleriker in der Schuld.

Als das Familienoberhaupt stirbt, versucht Christoph Fugger die Anzahl der möglichen Erben zu verringern, damit für ihn mehr übrig bleibt. Dazu schmiedet er einen Plan mit dem Jesuiten Petrus Canisius: Christophs Nichten und Neffen sollen allesamt im Kloster verschwinden.

Darunter auch Anna Jacobäa Fugger….

Der Klappentext verspricht einen spannenden Renaissance-Thriller. Während ich den „Thrill“ vergeblich gesucht habe im Roman, traf ich auf einen durchaus lesenswerten und bei Zeiten auch spannenden Roman, aber ich wäre vorsichtig, auf Grund dieser Bezeichnung auch eine Art Thriller zu erwarten.

Rebecca Abe erzählt die Geschichte von Anna Fugger, die tatsächlich mit ihren Geschwistern auf Grund einer Intrige ihres Onkels im Kloster landet. Dies wird durchgängig aus Annas Sicht geschildert und lässt den Leser eine besondere Beziehung zu ihr aufbauen. Die Erzählweise hat natürlich zur Folge, dass man als Leser nur wenig mehr weiß als Anna wissen kann.

Und genau das hat mich zuweilen wirklich gestört, denn wenn ich nicht gewusst hätte durch den Klappentext, dass es bei der Klostergeschichte um Manipulation handelt, hätte ich wirklich fragend vor dem Buch gesessen, denn das Thema Intrige durch Christoph Fugger findet kaum bis gar keine Erwähnung. Daher hatte ich nicht selten das Gefühl, dass ich so vor mich hinlese und keinen blassen Schimmer hatte, wohin die Geschichte führen soll. Irgendwie fehlte mir eine Art roter Faden. Daher war ich zum Ende des Buches hin auch etwas enttäuscht, dass es schon zu Ende ging, denn während vieles im Vorfeld sehr ausführlich beschrieben wurde, geriet das Ende doch irgendwie eher kurz und mir fast zu plötzlich.

Trotz dieses Kritikpunktes hat mir das Buch unterm Strich gut gefallen, denn ich habe einen Einblick in eine Familie bekommen, die mir schon sehr oft in anderen Romane begegnet ist und mich wirklich interessierte. So regte mich dieser Roman sogar dazu an, mir ein Sachbuch über die Familiengeschichte der Fugger zu kaufen.

Besonders gut gefallen haben mir die Charaktere.

Die Autorin hat es geschafft aus allen Personen, die schon so lange tot sind, wieder lebendige Persönlichkeiten zu schaffen und diese in all ihren Facetten zu beleuchten. So ist Anna nicht unbedingt nur die Gute, während ihr Bruder Phillip durch und durch Böse ist. Sie schafft Zwischenräume in ihren Charakterbeschreibungen und lässt die Familie Fugger authentisch erscheinen.

Abgerundet wird der Roman durch eine wie immer liebevolle Gestaltung durch den Gmeiner Verlag.

Auch wenn mich „Im Labyrinth der Fugger“ nicht absolut überzeugen konnte, so hatte ich doch ein paar schöne Lesestunden mit dem Roman und ich hoffe wirklich, dass Rebecca Abes nächster Roman wieder ein historischer sein wird, denn trotz Kritikpunkte hatte ich das Gefühl von der Autorin mit auf eine kleine Zeitreise genommen worden zu sein.

[Rezension] Die Stadt der Seelen – Christoph Lode

Pandaemonia II

Verlag: Goldmann | Leseprobe (.pdf)
ISBN: 978-3442471744
Seiten: 476
Ausgabe: Broschiert
Preis: € 12,00
ET: 02.2011
Wer Macht über die Träume der Menschen besitzt, gebietet auch über ihre Gedanken. Lady Sarka, die allgewaltige Herrscherin von Bradost, weiß das und will sich die Gabe des Traumwanderers Jackon dafür zunutze machen. Doch sie hat viele Feinde: Liam ist einer von ihnen. Er will den Tod seines Vaters rächen und ihre Macht brechen. Aber er ist im Pandæmonium gefangen, dem dunklen Reich der verdammten Seelen und Dämonen. Seine Freundin Vivana ist verzweifelt. Sie liebt Liam, doch reicht das aus, um ihn zu retten?

Meine Rezension

Christoph Lodes Roman „Der letzte Traumwanderer“ endete mit einem Angriff auf Lady Sarkas Palast.
Bei diesem Angriff werden mehrere Palastmitglieder schwer verletzt und der junge Liam Santander wird von einem Incubus sogar ins legendäre Pandæmonium verbannt.
Seine Freundin Vivana mag gar nicht daran glauben, dass es keinen Weg aus dem Pandæmonium für Liam geben soll und daher macht sich die kluge und tapfere Manusch auf den Weg ihren Geliebten zu retten…Doch wird ihr dies gelingen?

„Die Stadt der Seelen“ ist der zweite Teil der Pandæmonia-Trilogie von Christoph Lode auf das ich lange gewartet habe, denn ich musste nach dem wunderbaren Auftakt im ‘letzten Traumwanderer’ unbedingt wissen, wie es mit Liam und seinen Freunden weiter geht.

Als ich das Buch dann endlich in der Hand hielt flogen die Seiten nur so dahin, denn der Einstieg in den zweiten Band fällt sehr leicht, auch wenn die Lektüre des Vorbandes ein wenig zurück liegt. Das liegt zum einen an der leichten Feder des Autors, aber auch daran das zu Beginn geschickt noch mal Hinweise auf die Ereignisse des ersten Bandes gegeben werden.

Die Handlung selbst nimmt in „Die Stadt der Seelen“ noch mal an Fahrt auf, was natürlich daran liegt, dass Christoph Lode sich in diesem Band wesentlich stärker auf die Handlung konzentrieren kann, nachdem die Charaktere uns im ersten Band vorgestellt hat.
Was mir besonders gefallen gut gefallen hat, ist, dass die Helden in diesem Band immer wieder in – zum Teil lebensbedrohliche – Bedrängnis kommen aus der sie ja wieder heraus müssen. Im Gegensatz zu vielen anderen Autoren hat sich Christoph Lode hier wirklich Gedanken über mögliche Lösungen gemacht, denn er arbeitet zu keiner Zeit mit bloßen Zufällen und wirklich fragwürdigen Fügungen.

Es ist natürlich schwer den 2.Teil einer Trilogie zu besprechen, ohne zu viel vom Inhalt zu verraten.
Daher sei zum Schluss nur angemerkt, dass mich „Die Stadt der Seelen“ absolut begeistern konnte und ich diese spannende Geschichte sehr genossen habe. Für mich ist dieser Band der Reihe sogar ein wenig besser als der erste Teil.
Ich bin jetzt richtig gespannt auf den letzten Teil der Trilogie „Phönixfeuer“, der aber leider erst im Oktober erscheinen wird.

[Rezension] Die Dichterin von Aquitanien – Tereza Vanek

Verlag: Goldmann | Leseprobe (.pdf)
ISBN:
978-3-442-47226-0
Seiten: 704
Ausgabe:
Taschenbuch
Preis:
9,95 €
ET:
07.2010

Mitte des 12. Jahrhunderts, nahe Paris

Die junge Marie wächst in einfachen Verhältnissen auf. Kurz nach dem Tod ihres trinkfreudigen Vaters erhält sie die Nachricht, sie sei die illegitime Tochter von Geoffrey VI, dem Bruder des englischen Königs Henri II, und wird nach England an den Hof gebracht. Es fällt ihr schwer, sich in der neuen Umgebung zurechtzufinden, und um ihre Einsamkeit zu vertreiben, beginnt Marie schließlich, heimlich zu dichten. Als Königin Eleonore von Maries Gedichten erfährt, wird diese bald zu einer ihrer Lieblingsdamen. Aber Marie zieht nicht nur Bewunderung, sondern auch viel Neid auf sich …

Meine Rezension

Marie wird bei ihrem Stiefvater groß, der ihr Interesse an Geschichten fördert und unterstützt. Als dieser jedoch bei einem tragischen Unfall ums Leben kommt, wird Marie an den Hof von Alienor von Aquitanien gebracht.
Dort wird es ihr jedoch bald zu langweilig und sie gibt sich ihren Geschichten hin – und soll mit diesem bald als Marie de France in die Geschichte eingehen.

Ich schätze Chrétien de Troyes Roman „Perceval“ sehr. Daher ist es für mich ja fast eine logische Konsequenz, dass ich einen Roman über Chrétiens wichtigste Kollegin lese.

Daher hat mich zu Beginn vor allem Marie selbst interessiert. Diesem Interesse kam auch zu Beginn stark zu Gute das der Fokus der Geschichte auf ihr als Hauptcharakter liegt.
Schnell habe ich Marie in mein Herz geschlossen und ich bin mir sicher, dass wir beide gute Freundinnen geworden wären. Das Gefühl einer Verbundenheit liegt nicht unwesentlich an dem schriftstellerischen Talent der Autorin Tereza Vanek. Diese schafft es, Marie eine eigene Stimme zu geben und Jahrhunderte nach ihrem Tod wieder zum Leben zu erwecken.
Besonders gut gelungen ist, dass Marie durchaus zwei Seiten hat. Sie ist nicht wie es oft in den typischen „Die … – in“- Romane der Fall ist einfach nur eine starke und unbezwingbare Frau. Die ist ebenso sehr verletzlich und macht ihre Fehler, die durchaus auch ihre Konsequenzen haben.

Mit voranschreiten der Geschichte begann aber eine zweite Frau mein Interesse zu wecken: Alienor von Aquitanien.
Tereza Vanek hat es geschafft mich für eine Frau zu begeistern, die mir vorher eher kein Begriff war und mich für sie zu interessieren. Auch hier liegt es vor allem daran, dass die Herzogin, wie alle anderen historischen Persönlichkeiten auch, dynamisch und glaubwürdig zu beschreiben.
Ich hatte wirklich das Gefühl, dass Alienor wirklich so gewesen sein könnte, denn auch hier verzichtet die Autorin nicht darauf, die Herzogin von zwei Seiten zu schildern.
In dem Zusammenhang fand ich es sehr toll von der Autorin, dass sie Alienors Sohn, Richard Löwenherz, nicht verklärt hat, sondern auch eine Seite an ihm zeigt, die zum kritischen Nachdenken über ihn anregt.

Mit „Die Dichterin von Aquitanien“ lässt Tereza Vanek das 12. Jahrhundert wieder auferstehen. Sie erzählt plausibel, wohlüberlegt, gefühlvoll und spannend das Leben einer in der Geschichte mysteriösen Schriftstellerin: Marie de France.

[Rezension] John Boyne – The Boy in the Striped Pyjamas

Verlag:Random House UK
ISBN: 978-1849920438
Seiten: 216
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: € 08,80
ET: 04.2010
Where is ‘Outwith’ and who is Bruno? How is he connected? Soon he will meet the boy in striped pyjamas and befriend him. But why must the boy stay behind the wire?

Meine Rezension

Zu diesem Buch möchte ich keine Rezension schreiben, wie ich es ‘sonst’ immer tue. Diesmal möchte ich viel mehr einfach ein paar Gedanken festhalten, die mir während des Lesens und danach gekommen sind aber auch immer noch durch meinen Kopf geistern….

Ich bin mit hohen Erwartungen an das Buch gegangen, aber diese wurden bei Weitem nicht erfüllt. Ich will zwar nicht direk von Enttäuschung reden, aber mein Empfinden grenzt sehr stark an diese Empfindung.

Inhaltlich finde ich die Idee, die der Autor hatte nicht schlecht. Ich möchte zwar nicht von der Neuerfindung des Rades sprechen, aber für mich hatte die Idee einen neunjährigen Jungen eine Freundschaft mit einem Juden pflegen zu lassen, der in einem KZ sitzt, etwas sehr reizvolles.
Und auch das Ende der Geschichte war für mich eigentlich nur folgerichtig und passt zu der Geschichte.

Aber da gibt es ein, naja mehrere, großes Aber: mir hat die Umsetzung der Idee während des ganzen Romans nicht gefallen.
Und ich kann glaube ich zum Teil immer noch nicht genau sagen, was mich alles stört und in welchen Dimensionen es mich stört.
Zum einen hat mich Brunos Naivität gestört.
Es hat mich sehr gewundert, dass der Sohn eines Nazioffiziers keine Ahnung haben wollte, wie es sich mit den Juden verhält. Das ist etwas, was ich mir nur schwer vorstellen kann. Klar, ich erwarte nicht, dass er von der Aufgabe oder Existenz von KZs wusste, aber das Juden aus der Gesellschaft ausgestoßenen sind…?
Dann: Wenn ich einen Roman über den Nationalsozialismus schreibe, dann nenne ich die Dinge auch beim Namen. So hat es mich schon sehr gestört, dass um gewisse Dinge drum herum geredet wurde, anstatt sie direkt zu benennen. So z.B. beim Hitlergruß – wieso muss man es mit fast 6 Sätzen umschreiben? Das macht auf mich einen irgendwie zögerlichen und unsicheren Eindruck.

Das Buch wird viel in die Sparte „Jugendbuch“ gesteckt. Dort kann es meiner Meinung nach gerne bleiben, aber ich denke, dass es wirklich eher für ältere Jugendliche geeignet ist, die vielleicht schon mehr in der Lage sind das zu reflektieren, was sie lesen.

[Rezension] Der Minnesänger – Tim Pieper


Verlag: Heyne | Leseprobe (.pdf)
ISBN: 978-3453470996
Seiten: 477
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: € 08,95
ET: 01.2010

Es ist ein Privileg, als Sohn eines unfreien Lehnsherrn in einem Kloster ausgebildet zu werden. Hartmann von Aue weiß das zu schätzen. Als sich der junge Mann in die Nachbarstochter Judith verliebt, lernt er das Harfespielen nur, um seiner Angebeteten ein Lied zu singen. Bis der Minnesänger sie wiedersieht, vergehen Jahre voller Sehnsucht und Gefahren. Jahre, die den Ritter auf den Kreuzzug führen und die zu Unrecht des Giftmordes beschuldigte Heilerin in den Kerker. Wird er ihr je von seiner Liebe singen können?

Meine Rezension

Hartmann von Aue wird Anfang des 13.Jahrhunderts als zweiter Sohn eines unfreien Lehnsherrn geboren. Also solchem bietet seine Zukunft nicht viele Möglichkeiten und doch schafft es sein Vater ihn in eine Klosterschule zu schicken und dort ausbilden zu lassen.
Nicht zuletzt dank seiner Liebe zur Nachbarstochter Judith, widmet sich Hartmann immer mehr der Musik und schreibt Lieder für seine Angebetete.
Doch den beiden steht ein langer, steiniger Weg bevor…

Mit seinem Debutroman „Der Minnesänger“ entführt der Autor Tim Pieper den Leser in das Mittelalter und lässt ihn am Leben eines großen deutschen Epikers teilhaben.
Der Einstieg in den Roman fällt sehr leicht: Man lernt direkt Hartmanns Vater kennen und erlebt ihn und seine Familie ab der Geburt des Sohnes.
Auf den ersten Seiten des Romanes ist es vor allem die Familie des jungen Hartmann, die im Vordergrund steht und so einen Einblick in das damalige Leben vermitteln. So lernt man auch sehr leicht zu verstehen, wieso der kleine Dichter in eine Klosterschule gehen muss und so fernab von der Familie groß wird.

Nebenbei, in einem zweiten Handlungsstrang, erfährt man immer mehr von Judith, die zusammen mit Hartmann aufwuchs und sich selbst einen Weg ins Leben erkämpfen muss.
Es kommt immer wieder zu Zusammentreffen der beiden Liebenden und man spürt selbst, wie sich die beiden nacheinander verzehren, aber Hindernisse ihnen ein Zusammensein verbauen: Judiths Ehe und seine Verpflichtungen am Hofe des Herzogs.

So hätte sein Leben verlaufen können…
Es gibt nur wenige Quellen zum Leben des Epikers Hartmann von Aue. Tim Pieper hat diese Quellen genutzt und ein lebendiges Leben eines Dichters entworfen, der wegweisend für die deutsche Dichtung war. Es ist ein Leben, so wie es hätte sein können und auf jeder Seite des Romans glaubhaft erscheint.
Es ist dem Autor vor allem gut gelungen, Themen aufzunehmen, die auch in der Epik Hartmanns immer wieder aufkommen: Liebe, Ehre und Treue. So schafft er einen wunderschönen Bogen zu den Werken des Dichters.

Ich bin gespannt, was wir als nächstes vom Autor lesen dürfen, aber egal, was es sein wird: ich bin mir sicher, dass er diese Geschichte genau so spannend und liebevoll gestallten wird, wie diesen Roman.

Eingereicht für die Challenge “Der Geschichte auf der Spur” für die Station: Hochmittelalter (11. – 13. Jahrhundert)

Hier bin ich dabei

Buchcouch-Banner klein

Buecher-Challenges-Banner rund

In meiner Leselotte:
Bücherblogs
Bücherlinks
Autorenblogs
Autorenhps