Krimis und Thriller
[Rezension] Schattenkuss – Inge Löhnig
Verlag: Arena
ISBN: 978-3401065410
Seiten: 252
Ausgabe: Broschiert
Preis: € 09,95
ET: 08.2010
Lena hat eigentlich keine Lust, ihre Mutter in das verschlafene Dörfchen Altenbrunn zu begleiten. Doch dann taucht plötzlich immer öfter der Name Ulrike in den Gesprächen auf und Lena hört zum ersten Mal, dass sie eine Tante hat, die vor 20 Jahren spurlos verschwand. Als sie beginnt, Nachforschungen anzustellen, stößt Lena schnell auf eine Mauer aus Schweigen, Misstrauen, Aggression und … Angst.
Meine Rezension
Als Lena 16 Jahre als ist, stirbt ihre Oma plötzlich. Der Teenager ist nicht gerade begeistert davon ihre Mutter in das verschlafene Dörfchen Altenbrunn zu begleiten, um die Beerdigung der Frau zu organisieren, die zwar ihre Oma war, aber nie eine Rolle in ihrem Leben gespielt hat.
Doch schnell erkennt Lena, dass sie nicht nur ihre Oma nicht kannte, sondern auch Ulrike.
Ulrike ist ihre Tante, die vor 20 Jahren spurlos verschwunden ist und nie von ihrer Mutter erwähnt wurde.
Lena beschließt eine Art Dokumentation über ihre Tante zu drehen, um ihr so näher zu kommen. Dabei ahnt sie nicht, was sie in dem kleinen Dorf wach rüttelt….
Nach ihren beiden Dühnfort-Romanen „Der Sünde Sold“ und „In weißer Stille“ legt die in München lebende Autorin Inge Löhnig mit Schattenkuss ihren ersten Jugendthriller vor.
Und dieser steht dem charmanten Ermittler Dühnfort in nichts nach.
Das Buch beginnt sehr rasant ohne Zeit zu verlieren: man hat kaum Lena und ihre Familie kennengelernt, als man schon mit ihnen auf den Weg nach Altenbrunn ist.
Kaum dort angekommen trifft man zusammen mit Lena bereits alle Personen, die für den weiteren Verlauf wichtig sind.
Und fast im selben Moment gehen Lenas Recherchen nach ihrer Tante Ulrike los….
Die Recherchen fördern viel zu Tage und geben viel Anlass für Spekulationen und doch hatte ich bis zum Schluss nur Vermutungen wer der Täter sein könnte.
Inge Löhnig schreibt spannend und vor allem mit viel Gefühl. Mich hat es wirklich positiv überrascht, wie gut sich die Autorin in Jugendliche einfühlen konnte.
Alle von Lena über Florian bis Daniel waren absolut glaubhaft und mir wirklich sympathisch.
Auch positiv fand ich die eingestreuten Rückblenden, die aus Ulrikes Sicht geschildert werden und kurz vor ihren Verschwinden spielen. So baut sich langsam die Geschichte ihres Verschwindens auf und man rät gleichzeitig mit allem was Lena erfährt, ob es wirklich so oder doch anders passiert ist.
Schattenkuss ist ein unblutiger, aber dennoch bis zur letzten Seite spannender Jugendthriller, den ich innerhalb von 2 Tagen verschlungen habe und dem ich nicht nur Jugendlichen, sondern auch Erwachsenen empfehlen kann.
Ein paar spannende Lesestunden sind damit garantiert!
Der Sünde Sold – Inge Löhnig
Verlag: Ullstein
ISBN: 978-3548268644
Seiten: 432
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: € 08,95
ET: 10.2008
Mariaseeon, im Süden Münchens: Nach tagelanger Suche findet man den fünfjährigen Jakob nackt, gefesselt und verstört auf einem Holzstoß im Wald. Wenig später wird seine Erzieherin zu Tode gemartert. Eine biblische Opferszene, ein Mord nach Art der Inquisition – unter den Dorfbewohnern geht die Angst um. Einer von ihnen ist ein sadistischer Mörder und Kommissar Konstantin Dühnfort muss ihn finden, bevor er wieder zuschlägt.
Meine Rezension
Der Sünde Sold ist der Tod. So steht es auch schon in der Bibel geschrieben.
Kommissar Dühnfort steht vor einem Rätsel: der fünfjährige Jakob ist spurlos verschwunden. Und keiner weiß, was mit ihm passiert sein könnte.
Das Ermittlungsteam um Dühnfort tappt im Dunkeln und kann nur hoffen, Jakob noch lebend zu finden. Und tatsächlich: durch einen glücklichen Zufall findet die gerade erst ins Dorf gezogene Agnes den Jungen gefesselt im Wald und kann ihn so zu seiner Mutter zurück bringen.
Doch eine Spur des Täters fehlt immer noch und Dühnfort ermittelt auf Hochtouren.
Doch dann passiert es: Jakobs Erzieherin verschwindet….
Ein Kriminalroman. Skeptisch stand ich diesem Buch als absoluter Krimimuffel gegenüber. In der Vergangenheit machte ich beim Lesen eines Krimis immer und immer wieder die Erfahrung, dass man bereits nach 20 Seiten den Täter kennt, einen unsympathischen und egomanen Ermittler ertragen muss und das Buch nicht von einem ausgefeilten Plot getragen wird, sonder von Effekthascherei durch Mord und Totschlag frei nach dem Motto „Je oller, je toller“.
Allerdings werde ich ihn letzter Zeit immer wieder eines besseren belehrt: unter anderem auch von Inge Löhnig und ihrem ersten Dühnfort Roman Der Sünde Sold.
Der Sünde Sold erzählt eine ausgefeilte Geschichte eines Täters, der die Welt verbessern will und dem jedes Mittel dabei recht ist. Nicht zuletzt auch, weil er selbst nicht erfahren hat wie es ist geliebt zu werden.
Der Täter bleibt auch unbekannt bis zum Schluss.
Gut, hier sei vielleicht die Einschränkung gemacht, dass die Autorin sehr wohl im Vorfeld wohl ein paar Hinweise auf den Täter gestreut hat, allerdings muss ich gestehen: dass ich sie als solche nicht erkannt habe oder einfach drüber weg gelesen habe, weil ich im Eifer des Gefechts einfach nur wissen wollte, wie die Geschichte endet. Und trotzdem: die Hinweise sind nicht zu offensichtlich, sodass bis zum Schluss der Überraschungseffekt gewahrt bleibt.
Die Geschichte selbst wird gleich aus drei Perspektiven erzählt: einmal aus der Sicht Dühnfort´s, aus Agnes` Sicht und aus der Sicht des Täter´s.
So gewinnt man einen guten Überblick über die verschiedenen Ereignisse, aber man erfährt auch sehr viel über die Protagonisten. Man erfährt vieles über ihre Vergangenheit, ihre Wünsche und Sehnsüchte. So schafft es die Autorin, dass eine menschliche Komponente den Roman mit Leben füllt und das Verbrechen und seine Grausamkeit nicht alles überschattet.
Der Sünde Sold ist der Debutroman der aus München stammenden Autorin Inge Löhnig und bietet alles was man sich von einem guten Krimi wünscht: ein Verbrechen, Ermittlerspaß und menschliche Charaktere, die dafür sorgen, dass das Verbrechen ein Gegengewicht erhält.
Der Sünde Sold ist ein Kriminalroman den selbst ich – als eher versierte nicht Leserin des Genres – bedenkenlos empfehlen kann, denn er lebt nicht nur vom Verbrechen.
Gespannt warte ich auf Dühnfort´s zweiten Fall!
Mit der Flut kommt der Tod – Kari Köster-Lösche
Hansenkrimis Teil 1
Verlag: Knaur
ISBN: 978-3426633533
Seiten: 400
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: € 09,95
ET: 05.2006
Husum 1894. Als der junge Wasserbauinspektor Sönke Hansen den Auftrag erhält, sich auf der Hallig Langeneß für die Errichtung eines Steindeiches samt Leuchtfeuer einzusetzen, ahnt er nicht, welchen Wirbel sein Besuch bei den liebenswert-störrischen Halligmenschen auslösen wird. Dann wird die Leiche eines Mannes gefunden, der Sönke wie aus dem Gesicht geschnitten ist, und er sieht sich unversehens in einen Fall verwickelt, der immer weitere Kreise zieht. Im sensiblen politischen Umfeld von Friesen, Dänen und Preußen und immer auf der Hut vor dem unberechenbaren Oberdeichgraf, macht sich Sönke an die Lösung seines ersten Falls …
Meine Rezension
Sönke Hansen reist im Auftrag des Wasserbauamts auf die Hallig Langeness, um dort Schutzmaßnamen bei der Bevölkerung durchzusetzen.
Doch schon bald kommt Hansen ungereimtheiten auf die Spur: was hat das Rum-Kontor von Stefan Nielsen mit dem verschwinden seiner Verlobten Gerda zu tun? Wer ist der Tote der auf der Hallig angespült wird? Und welches Geheimniss verbirgt das Schiff Olivia?
Kari Köster-Lösche hat einen wunderbar historischen Krimi geschaffen, den selbst nicht Krimi begeisterte wie ich verschlingen werden, denn die kriminal Geschichte verläuft nicht nach Schema F: wir haben nicht sofort auf Seite 3 eine Leiche und einen augeklügelten Ermittler der alles aufklärt. Auch steht das Verbrechen nicht umittelbar im Mittelpunkt. Es dreht sich nicht alles ununterbrochen um die Leiche.
Protagonist Sönke Hansen wird eher vielmehr in das Geschehen hineingezogen, ohne dabei seine eigentliche Mission – den Schtz der Halligbewohner- aus den Augen zu verlieren.
Dabei zeichnet die Autorin wunderbare Charaktere: Sönke Hansen ist ein typischer „Mann von neben an“ und wirkt nicht unnahbar.
Auch die Halligbewohner versprühen ihren Charm, da sie authentisch wirken, denn die Autorin versucht das typische Vokabular zu integrieren.
Und das ist hier auch nicht weiter schlimm, denn der Knaur Verlag gestattete die Ausstattung mit einem Glossar: Begriffe sind kurz und knapp erklärt und so kann der Leser entspannt authentischem Seemansgarn lauschen ohne in Bedrängnis mangels bekannter Wörter zu geraten
Auch versteht sich die Autorin darauf immer wieder Fährten zu legen und den Leser in eine Richtung zu ziehen, ohne dass sofort klar wird, ob diese Fährten auch der Wahrheit entsprechen.
Ein Kriminalroman den sogar ich als „Krimigegner“ genossen habe und der Lust auf die weiteren Fälle von Sönke Hansen gemacht haben!


