Klassiker und Weltliteratur
Siddhartha – Hermann Hesse
Verlag: Suhrkamp
ISBN: 978-3518188026
Seiten: 192
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: € 07,00
ET: 07.1998
Hermann Hesse, am 2. Juli 1877 in Calw/Württemberg als Sohn eines baltendeutschen Missionars und der Tochter eines württembergischen Indologen geboren, starb am 9. August 1962 in Montagnola bei Lugano. Er wurde 1946 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. Nach einer Buchhändlerlehre war er seit 1904 freier Schriftsteller, zunächst in Gaienhofen am Bodensee, später im Tessin. Er ist einer der bekanntesten deutschen Autoren des 20. Jahrhunderts.
Meine Rezension
Als ich letztes Jahr Hesse´s Steppenwolf begeistert zur Seite legte, hatte ich mir fest vorgenommen mehr von Hesse zu lesen.
Bei der Auswahl einer erneuten Lektüre sprang mir zu erst Siddhartha ins Auge. Gesagt – Gelesen.
Aber: die Lektüre konnte mich bei weitem nicht so überzeugen wie Der Steppenwolf.
Hesse erzählt eine fiktive Geschichte über den späteren Buddha: Siddhartha ist auf der Suche nach sich selbst, auf der Suche nach einem Glauben.
Er eckt dabei immer wieder an, trifft Entscheidungen und äußert Meinungen, die nicht immer dazu beitragen, ihn zu mögen.
Im Gegenteil: bis zum Schluß fand ich keinen Zugang zu dem Charakter.
Insgesamt konnte ich bei diesem Buch nur die ruhige und sehr talentvolle Schreibe Hesse´s genießen.
Beim Lesen hatte ich immer den Steppenwolf im Hinterkopf und habe immer wieder verglichen.
Siddhartha ist nichts von dem was ich an jenem so geliebt habe: Siddhartha ist nicht wirklich psychologisch, nicht kontrovers, nicht provozierend; nein, Siddhartha ist einfach eine ruhige Erzählung zum zurücklehnen und genießen.
Der Steppenwolf – Hermann Hesse
Verlag: Suhrkamp
ISBN: 978-3518188125
Seiten: 312
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: € 08,00
ET: 09.1999
Hermann Hesse, am 2. Juli 1877 in Calw/Württemberg als Sohn eines baltendeutschen Missionars und der Tochter eines württembergischen Indologen geboren, 1946 ausgezeichnet mit dem Nobelpreis für Literatur, starb am 9. August 1962 in Montagnola bei Lugano.
Meine Rezension
Harry Haller mietet sich ein Mansardenzimmer und zieht dort ein. Während er der Vermieterin sehr sympatisch ist, ist der Sohn derselbigen eher skeptisch: er findet, dass es mit dem Mieter irgendetwas komisches auf sich hat.
Und in der Tat: Harry Haller ist ein Steppenwolf. Harry lebt lieber für sich und widmet sich seiner Musik und seinen Büchern. Er mag die Gesellschaft in der lebt nicht und würde gerne jeglichen Kontakt zu ihr abbrechen. Trotz seiner Abneigung merkt Haller aber auch, dass sein Verhalten so nicht tragbar ist.
Doch scheint er den Weg aus seiner Einsamkeit nicht selbst zu finden. Er braucht Hilfe, die er in einem kleinen Büchlein findet, dass sich Tractat vom Steppenwolf nennt. Allerdings hilft ihm nicht nur das Tractat wieder ins Leben, sondern auch die junge Hermine…
Ich bin sehr skeptisch an dieses Buch herangegangen. Hört man doch im Vorfeld: Für Hesse müsse man noch jung sein, denn sonst könnte man mit seinen Themen nichts mehr anfangen.
Kann man wirklich nicht?
Ich sage: Man kann!
Natürlich: Themen wie „Wer bin ich?“ und „Was ist mein Platz in der Gesellschaft?“ stellt man sich natürlich am intensivsten in der Jugend, man entdeckt erst jetzt, dass es noch eine Welt außerhalb des Kinderzimmers gibt.
Doch auch als Erwachsener stellt man sich durchaus noch diese Fragen und reflektiert und beantwortet diese anders, als vielleicht als Teenager.
Daher lautet mein Fazit dahingehend eher: schade, dass ich Hesse nicht schon vor Jahren gelesen habe, denn sein Steppenwolf gehört zu jenen Werken, die man immer wieder lesen kann und jedes Mal anderes darüber denkt.
Hesse versteht nicht nur auf eine spielerische Art mit ernsten Themen umzugehen, sondern ist auch wahrleich ein Meister des geschriebenen Wortes: er scheint sich jedes Wort ganz genau überlegt zu haben und baut dabei Endlos-Sätze, die 25 Zeilen und mehr lang sind.
Fazit: Hesse hat einen wirklich tollen Roman geschrieben, der inhaltlich und sprachlich überzeugt, auch wenn ich mit dem abstrakten Schluss meine Problemchen hatte.
Dennoch hat mir der Roman wirklich sehr gut gefallen und möchte auch noch mehr von Hesse lesen!
Stolz und Vorurteil – Jane Austen
Verlag: Reclam Leipzig
ISBN: 978-3150217290
Seiten: 479
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: € 08,90
ET: 08.2008
Elisabeths Mutter, eine geldgierige Dame, sähe nichts lieber, als die Verheiratung ihrer Tochter und den damit verbundenen gesellschaftlichen Aufstieg. Vater Bennet, in langjährigem Ehepandämonium zum Zyniker geworden, hält sich aus allem raus. Darcy wiederum verachtet die Bennets ihrer Vulgarität und ihres niedrigen Standes wegen. Ein Happy-End scheint ausgeschlossen — doch es kommt anders.
Meine Rezension
It is a truth universally acknowledged, that a single man in possession of a good fortune must be in want of a wife.
Dies ist vermutlich der berühmteste erste Satz eines Romans in der englischne Literatur. Er gehört zu Austen´s 1813 veröffentlichen Roman Stolz und Vorurteil, der zu ihrem Frühwerk zählt.
Der Roman erzählt die Geschichte der Geschwister der Familie Bennet: Jane verliebt sich in den Wohlhabenen Mr Bingley und kämpft um seine Gunst, während ihre jüngere Schwester Elizabeth von Bingley´s Freund Mr Darcy absolut abgeschrecket ist.
Und dennoch scheint Mr Darcy seine ganz eigene Anziehungskraft auf Elizabeth zu haben…
Mit Pride and Prejudice habe ich meinen ersten Roman von Jane Austen gelesen und ich habe mich so in dieses Buch verliebt!
Austen schreibt eine herzallerliebste Liebesgeschichte über zwei Menschen, die eigentlich perfekt zusammen passen, aber alles dafür tun damit sie sich anfänglich hassen und nur langsam begreifen, dass sie eigentlich perfekt zusammen passen.
Neben dieser Liebesgeschichte spielt Austen mit so vielen verschiedenne Charakteren, dass es einem nie langweilig wird und verzaubert den Leser mit einer präzisen und doch zugleich poetischen Sprache, die dieses Buch zu einem echten Leseerlebnis werden lassen!
Ich muss unbedingt mehr von Jane Austen lesen!
Homo Faber – Max Frisch
Verlag: Suhrkamp
ISBN: 978-3518368541
Seiten: 208
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: € 08,00
ET: 03.1977
Der Zusatztitel “Ein Bericht” des wohl bekanntesten, 1957 erschienenen Romans von Max Frisch ist symptomatisch: Er charakterisiert den Ich-Erzähler als rationalitätsgläubigen Menschen. Und er bezeichnet die Form seiner sachlichen Erinnerung. Walter Fabers Leben bestimmt ein technologisch-mathematisches Weltbild. Durch eine Reihe von ‘Zufällen’ wird die Identität des Ingenieurs erschüttert: Zuerst lernt er den Bruder seines Jugendfreundes kennen. Joachim hatte Hanna, damals Fabers Freundin, geheiratet. Dann trifft Faber auf einer Schiffspassage die junge Sabeth. Er begleitet sie auf ihrer Reise durch Südfrankreich und Italien bis nach Griechenland. Er will das junge Mädchen heiraten. Geschickt gelingt es ihm immer wieder, seinen Verdacht wegzuwischen. Doch Sabeth ist seine Tochter. Zum Inzest kommt am Ende auch noch, dass er den tödlichen Unfall Sabeths nicht verhindern konnte.
Meine Rezension
Er ist Ingenieur, wohnt in New York, reist ständig um die Welt, um seine Turbinen installieren zu lassen.
Als Walter Faber Mitte der 1950er in ein Flugzeug steigt, ahnt er noch nicht, dass ihn seine Vergangenheit einholen wird und sich sein Leben für immer verändert.
Faber soll erneut für die UNESCO nach Südamerika reisen und trifft im Flugzeug Herbert, den Bruder seines Jugendfreundes Joachim.
Wochen später trifft er auf einem Schiff Elisabeth: 21 Jahre jung, hübsch und Faber verliebt sich in sie. Von Anfang an erinnert Elisabeth , oder Sabeth, wie er sie liebevoll nennt, an seine Exfreundin Johanna. Was anfänglich eine Vermutung, ist schon bald Gewissheit: Elisabeth ist Fabers Tochter, die eigentlich nicht hätte da sein sollen….
Vor 1 ½ Jahren habe ich Frischs Drama Andorra gelesen, dass ich sehr gut fand. Dementsprechend neugierig war ich auf ein weiteres Wiedersehen mit Frisch.
Doch was soll ich sagen?!
Unterm Strich bin ich ein wenig enttäuscht.
Frisch erzählt die (wahrscheinlich) letzten Monate eines Rationalisten, eines Menschen, der Probleme hat, sich mit seinem naturwissenschaftlich geprägten Leben, in dieser Welt zurecht zufinden.
Frisch schildert dieses Problem zwar durch seine Art zu erzählen sehr gut, aber dennoch bleibt bis zu einem gewissen Grade die Frage nach dem Warum zurück.
Warum erzählt Frisch dieses Geschichte? Warum erzählt er sie so, wie er sie erzählt?
Sicher, nicht immer muss eine Geschichte so klar strukturiert sein, dass der Leser auf alles eine ganz klar und eindeutige Antwort erhält. Dennoch bleibt bei Homo Faber ein hilfloses Gefühl zurück.
Da nützt es auch recht wenig, dass Faber Parallelen zu Ödipus aufweist.
Die Erzählung zeigt, dass Frisch großes Potenzial hat. Dieses nutzt er aber hier nicht. Sein Stück Andorra gibt wesentlich mehr her, als Homo Faber.
Wandlungen einer Ehe – Sandor Marai
Verlag: Piper
ISBN: 978-3492241670
Seiten: 464
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: € 09,95
ET: 07.2007
Lüge und Leidenschaft, Sehnsucht und Vergänglichkeit – das neue Meisterwerk von Sándor Márai: ein Herr, eine Dame, ein Dienstmädchen. Das ist das Personal dieses großen Romans um Liebe und Betrug, um wahre und ersehnte Gefühle, um Aufrichtigkeit und Befangenheit in gesellschaftlicher Konvention. Zugleich ist es ein Abgesang auf die großbürgerliche mitteleuropäische Welt.
Meine Rezension
Ungarn nach dem Ersten Weltkrieg: Ilonka sitzt mit einer Freundin in einem Café in Budapest, als sie sieht wie ihr Exmann Peter in einer Konditorei kandierte Orangenschalen kauft. Sofort drängen sich ihr die Erinnerungen hoch: das sie Peter liebte, aber er sie nicht und dass es immer eine Frau gab, die zwischen ihnen stand. So fängt Ilonka an, ihrer Freundin alles zu erzählen.
Auch Peter sitzt eines Abends in einem Café mit einem Freund, der lange Zeit in Peru gelebt hat, als er seine zweite Exfrau Judit aus einer Konditorei kommen sieht. Auch er fängt an seinem Freund von seinem Leben und seinen gescheiterten Ehen zu erzählen.
Judit liegt nach dem Zweiten Weltkrieg mit ihrem Freund einem Schlagzeuger in einem Hotelbett in Rom, als er das Foto ihres Exmanns findet und sie auffordert von dieser Zeit zu erzählen.
Sandor Marai erzählt in seinem Roman Wandlungen einer Ehe von drei Menschen mit drei verschiedenen Schicksalen, die nur durch zwei Sachen miteinander verbunden sind: einer Ehe und einem Mann.
Marai lässt in diesem Buch alle drei zu Wort kommen und jeder darf sein Schicksal, seine Sichtweise auf die Dinge schildern.
Und schnell wird klar: nur weil Menschen ein gemeinsames Leben führen heißt das noch lange nicht, dass ihr Denken und ihr Handeln Parallelen aufweist. Es bedeutet genauso wenig, dass Gefühle und die Realität für beide das selbe bedeuten.
Ilonka wird von ihren Gefühlen und den Erinnerungen an ihr Leben mit Peter geleitet. Peter selbst scheint nicht so sehr über diese Zeit nach zu denken, sondern zeigt sich eher eingeengt von seinen Pflichten als Bürger, von einer herrschenden Moral und seiner Leidenschaft zu einer Frau, die er gar nicht lieben dürfte: dem Dienstmädchen Judit. Judit selbst beschäftigt sich mit anderen Gelüsten.
Diese unterschiedlichen Ansprüche und Erinnerungen an einen Abschnitt in einem gemeinsamen Leben unterstreicht Marai sehr schön auch mit seinem Schreibstil: von einer dichten Atmosphäre bei Ilonka, über eine karge, spartanische bei Peter bis hin zu einer lockeren, fröhlichen Atmosphäre bei Judit.
Doch in diesem Buch geht es nicht „nur“ um Beziehungskisten, sondern auch um den Zusammenbruch der europäischen Ordnung im Zweiten Weltkrieg und um die Rollen von Gesellschaftsklassen.
Dieses Buch steckt voller Melancholie, Ironie und Lebensweisheiten und ist es durchaus wert gelesen zu werden!
Rebecca – Daphne du Maurier
Verlag: Fischer
ISBN: 978-3596163502
Seiten: 447
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: € 07,95
ET: 03.2005
Vor der Kulisse des alten englischen Herrensitzes Manderley entsteht langsam, aus der Vergangenheit auftauchend, das Bild jener geheimnisvollen Frau, deren Schatten einer großen Liebe zum Verhängnis zu werden droht …
‘Rebecca’ ist ein Generationenbuch, dessen Popularität einzig mit ‘Vom Winde verweht’ vergleichbar ist.
Meine Rezension
Sie heiratet in einem Sommer Maxim de Winter in Monte Carlo. Seine Frau Rebecca ist gerade mal seit einem Jahr tot.
Als das frisch verheiratete Ehepaar in seinem Landsitz Manderley ankommt, wird die neue Frau von Maxim mit gemischten Gefühlen vom Personal begutachtet. Überall scheint der Geist der unvergesslichen Rebecca zu schweben, egal was auf Manderley geschieht, Rebecca scheint noch dabei zu sein. Und ihr Schatten lastet schwer auf der neuen Beziehung…
Rebecca zählt heute zu den berühmtestens Romanen der Weltliteratur und wird auch seit einigen Jahren als Musical aufgeführt.
Daphne du Maurier erzählt eine Geschichte die gerade am Anfang sehr nach 0815 Liebesgeschichte aussieht und sich auch genauso anliest.
Allerdings sollte man unbedingt dran bleiben: ein paar Seiten weiter kreiert die Autorin eine Atmosphäre die mysteriös anmutet und erneut wägt der Leser sich in Sicherheit genau zu wissen, was als nächstes kommen wird und genau hier liegt die Brillianz dieses Buchs: die Autorin legt immer wieder Fährten, denen der Leser immer wieder gutgläubig folgt, weil die Geschichte suggeriert nur so und so ausgehen zu können. Und immer wieder findet sich der Leser dann
an einem Punkt an dem er neu anfangen muss zu denken. Ein Buch voller Überraschungen.
Die Charaktere sind facettenreich gezeichnet und man leidet und fiebert vor allem mit der Hauptperson und Erzählerin, der jungen Ms de Winter, mit. Dabei scheint du Maurier sowohl „gute“ als auch „schlechte“ Charaktere geschaffen zu haben, die aber ihr wahres Gesicht erst zeigen, wenn man sie durch die Geschichte begleitet.
Ein facettenreicher Roman dessen Lektüre durchaus lohnt!
Doktor Gräsler, Badearzt – Arthur Schnitzler
Verlag: Fischer
ISBN: 978-3596294077
Seiten: 119
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: € 07,90
ET: 1989
Starke Gegensätzlichkeit bestimmt die Charaktere der Hauptgestalten dieser Erzählung. Mangelndes Selbstvertrauen hier steht übertriebener Selbsteinschätzung dort gegenüber: das offenresolute Bekenntnis der intellektuell ebenbürtigen Sabine Schleheim zu Emil Gräsler, dem Badearzt, verwirrt den dadurch unsicher Gewordenen und läßt ihn seine Selbstbestätigung bei einer ändern, dem Mädchen Katharina, suchen; er findet sich, »gleichsam aus sich selbst erwachend, immer an anderer Stelle, als er wollte« (Stefan Zweig); doch bei aller Unsicherheit seiner selbst erlebt er Entwicklung und Folgen seines Handelns und seines Zögerns voller Anteilnahme.
Meine Rezension
Doktor Gräsler ist Badeartz und wird vom Chefartz in Lanzarote mit dem Worten verabschiedet, er solle nächste Saison eine Frau mit bringen, damit er nicht so alleine wäre. Immerhin hat sich seine Schwester, die ihn als Haushälterin begleitete, ein paar Tage zuvor selbst getötet.
Er lernt Sabine kennen und lieben, kann sich aber nicht dazu durchringen, um ihre Hand zu bitten. Als sie sich ihm in einem Brief an den Hals schmeisst, ergreift er die Flucht und bittet sie um ein paar Tage bedenk Zeit.
Er flüchtet in seine Heimatstadt und lernt dort die junge Katharina kennen.
Und alles kommt anders als er denkt.
Die Handlung dieser Erzählung hält wenig spannendes bereit: Schnitzler erzählt die Geschichte einer unbeständigen und refelxartigen Persönlichkeit, die jede Verantwortung von sich auf das Schicksal oder den Zufall schiebt.
Dennoch macht Schnitzler diese Erzählung durch 2 Dinge zu etwas besonderem:
Schnitzler´s Sprache ist in dieser Erzählung noch ausgefeilter als in der Traumnovelle oder Lieutenant Gustl. Jeden Satz genießt man.
Und Schnitzler statuiert ein Exempel: mit der Figur des Doktor Gräsler zeigt Schnitzler wie wichtig es ist, über seinen eigenen Schatten zu springen und sein Leben selbst in die Hand zu nehmen, um Chancen nicht zu verpassen.
Dennoch: kennt man bereits Novellen wie Fräulein Else oder Die Traumnovelle wir man insgesamt von diesem Werk etwas enttäuscht sein, da in diesem mehr Energie zu stecken scheint als in Doktor Gräsler,Badearzt.
Fräulein Else – Arthur Schnitzler
Verlag: Fischer
ISBN: 978-3596291021
Seiten: 160
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: € 06,95
ET: 1987
Schon das Gestern verschwimmt, und alles, was ein paar Tage zurückliegt, bekommt den Charakter eines unklaren Traumes.” Arthur Schnitzler erzählt vom Fehlverhalten der Menschen, die, aus solchen Lebensgemeinschaften heraus, nicht davor zurückscheuen, die anderen, die gewissenhaften, zu opfern, wenn sie selbst sich allzusehr verstrickt haben.Arthur Schnitzler wurde am 15.5.1862 in Wien geboren. Bereits als Neunzehnjähriger versuchte er, seine erste Dramen zu schreiben. Nach dem Studium der Medizin war er Assistenzarzt an der Allgemeinen Poliklinik und dann praktischer Arzt in Wien, bis er sich mehr und mehr seinen literarischen Arbeiten widmete. Das dramatische und das erzählerische Werk entstanden parallel. Er starb am 21.10.1931 als einer der bedeutendsten österreichischen Erzähler und Dramatiker der Gegenwart in Wien.
Meine Rezension
Die 19-jährige Else ist eine reiche, verwöhnte Tochter aus gutem Haus und macht ein paar Tage Urlaub in Südtirol.
Sie genießt ihren Urlaub bis zu dem verhängnisvollen Abend, an dem sie einen Brief ihrer Mutter bekommt: ihr Vater, ein angesehener Advokat in Wien, hat Mandantengelder veruntreut und hat nun 30.000 Gulden Schulden.
Keiner seiner Verwandten will ihm das Geld leihen und so soll seine Tochter Else den momentan ebenfalls in Südtirol anwesenden Herrn von Dorsday um das Geld bitten.
Dieser ist gerne bereit Else das Geld zu geben, aber nur unter einer Bedinung: Herr von Dorsday hat bereits seit Jahren ein Auge auf die schöne Else geworfen und nutzt ihre Lage jetzt schamlos aus. Else soll sich ihm 15 Minuten nackt zeigen.
Keine von Arthur Schnitzler´s Novellen sorgte für so viel Aufregung wie Fräulein Else: sowohl positiv als auch negativ machte das Buch, das im Jahre 1924 in den Erstdruck ging, von sich reden. Die Erstauflage betrug 1924 25.000 Exemplare und bis ins Jahr 1929 mussten weitere 45.000 Exemplare nachgedruckt werden. Die Novelle wurde ins Französische und Amerikanische übersetzt und 1929 sogar mit Elisabeth Bergner verfilmt.
Doch der Erfolg der Novelle hatte auch seine Kehrseiten: 1925 schrieb ein Herr Hoeniger aus Ratibor, Schnitzler´s Novelle sei Schuld an dem Selbstmord seiner Verlobten. Diese muss wohl kurz zuvor Fräulein Else gelesen haben. Gisa Schnitzler, seine Schwester, bekam an einem Bahnhof mit, wie ein junger Mann meinte, dass Schnitzler´s Bücher an dem Selbstmord seiner Tochter Lili schuld seien und hält dabei Fräulein Else demonstrativ in die Höhe.
Mit Fräulein Else schneidet Schnitzler einmal mehr ein Tabuthema der damaligen Zeit an und stellt gesellschaftliche Formen in Frage und befasst sich einmal mehr – nach der Traumnovelle – mit der Psyche des Menschen.
Wie bereits in seiner Novelle Lieutenant Gustl verwendet Schnitzler die Erzähltechnik des stream of consiousness: der Leser erfährt nur über Elses Gedanken und Schilderungen über die Ereignisse, die Else in den Wahnsinn treiben. Dabei legt Schnitzler vor allem Wert auf ihre Gedanken und so tritt die Handlung in den Hintergrund, zeitweise scheint die Novelle gar keine Handlung zu haben.
Neben der Erzähltechnik schafft Schnitzler es einmal mehr mit seinem Talent Sprache richtig einzusetzen, dass der Leser den Zerfall von Else miterlebt: Schnitzler reiht gekonnt Hauptsatz an Hauptsatz und auch die Inhalte der Themen wechseln beinahe mit jedem Satz und als Else immer mehr an dem Konflikt zu zerbrechen droht, werden auch ihre Gedanken immer hektischer.
Insgesamt ist Schnitzler auch hier wieder ein Buch gelungen, dass seiner berühmten Traumnovelle in nichts nachsteht. Kurz und prägnant schildert er wie leicht es sein kann, an einem Konflikt, der für uns unlösbar scheint, zerbrechen können.
Schnitzler ist ein Autor der zwar vielen ein Name ist, aber dennoch viel zu selten gelesen wird und zu unrecht hinter klassischen Autoren wie Goethe oder Schiller verschwindet.
Andorra – Max Frisch
Verlag: Suhrkamp
ISBN: 978-3518188088
Seiten: 176
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: € 06,00
ET: 03.1999
In der ‘Suhrkamp BasisBibliothek’ erscheinen kommentierte literarische Hauptwerke als Arbeitstexte für Schule und Studium. Die Kommentare enthalten alle für das Verständnis der Werke erforderlichen Informationen: Entstehungs- und Textgeschichte, Wort- und Sacherläuterungen, Selbstaussagen des Autors, Rezeptionsgeschichte, Forschungsüberblick und Literaturhinweise. Zu jedem Band sind auch eine CD-ROM und ein Audio Book erhältlich.
Meine Rezension
Dieses 130 Seiten lange Theaterstück befasst sich mit dem jungen Andri, der bei dem Lehrer Can offiziell als Pflegesohn in dem von Frisch erfundenem Staat Andorra lebt. Inoffiziell ist Andri aber der leibliche Sohn von Can und wird von diesem jedoch als Jud ausgegeben, der von ihm aus dem Land der Schwarzen, die von den Andorranern gefürchtet und verachtet werden, gerettet wurde.
Max Frisch befasst sich nach dem 2.Weltkrieg in diesem Theaterstück mit dem Antisemitismus: Andri wird von der andorranischen Gesellschaft nicht akzeptiert und gemieden als vermeidlicher Jude.
Eine Thematik die meiner Meinung nach hier lediglich sehr gute Ansätze Seitens Frisch zugesprochen bekommt.
Das 130 Seiten lange Theaterstück hätte meines Erachtens nach um einige Seiten länger sein können in denen Frisch der Thematik mehr Tiefe hätte verleihen können und vielleicht auch hätte müssen.
Denn so ist dieses Theaterstück für mich auf der einen Seite leider nur im Gedächtnis als „kleiner Happen für zwischendurch“ geblieben.
Auf der anderen konnte gerade diese Kürze und diese naive Oberflächlichkeit mich für dieses Stück begeistern, da sie aufführt, wie leicht und unbedacht man mit der Missgunst gegenüber Menschen umgegangen ist, die jüdischen Glaubens sind.
Insgesamt ein Stück, dass ich jedem empfehlen könnte. Allerdings für mich den kleinen Makel aufweist, dass ich mir mehr Tiefe in diesem Stück gewünscht hätte.


