Historische Romane

[Rezension] Die Dichterin von Aquitanien – Tereza Vanek

Verlag: Goldmann | Leseprobe (.pdf)
ISBN:
978-3-442-47226-0
Seiten: 704
Ausgabe:
Taschenbuch
Preis:
9,95 €
ET:
07.2010

Mitte des 12. Jahrhunderts, nahe Paris

Die junge Marie wächst in einfachen Verhältnissen auf. Kurz nach dem Tod ihres trinkfreudigen Vaters erhält sie die Nachricht, sie sei die illegitime Tochter von Geoffrey VI, dem Bruder des englischen Königs Henri II, und wird nach England an den Hof gebracht. Es fällt ihr schwer, sich in der neuen Umgebung zurechtzufinden, und um ihre Einsamkeit zu vertreiben, beginnt Marie schließlich, heimlich zu dichten. Als Königin Eleonore von Maries Gedichten erfährt, wird diese bald zu einer ihrer Lieblingsdamen. Aber Marie zieht nicht nur Bewunderung, sondern auch viel Neid auf sich …

Meine Rezension

Marie wird bei ihrem Stiefvater groß, der ihr Interesse an Geschichten fördert und unterstützt. Als dieser jedoch bei einem tragischen Unfall ums Leben kommt, wird Marie an den Hof von Alienor von Aquitanien gebracht.
Dort wird es ihr jedoch bald zu langweilig und sie gibt sich ihren Geschichten hin – und soll mit diesem bald als Marie de France in die Geschichte eingehen.

Ich schätze Chrétien de Troyes Roman „Perceval“ sehr. Daher ist es für mich ja fast eine logische Konsequenz, dass ich einen Roman über Chrétiens wichtigste Kollegin lese.

Daher hat mich zu Beginn vor allem Marie selbst interessiert. Diesem Interesse kam auch zu Beginn stark zu Gute das der Fokus der Geschichte auf ihr als Hauptcharakter liegt.
Schnell habe ich Marie in mein Herz geschlossen und ich bin mir sicher, dass wir beide gute Freundinnen geworden wären. Das Gefühl einer Verbundenheit liegt nicht unwesentlich an dem schriftstellerischen Talent der Autorin Tereza Vanek. Diese schafft es, Marie eine eigene Stimme zu geben und Jahrhunderte nach ihrem Tod wieder zum Leben zu erwecken.
Besonders gut gelungen ist, dass Marie durchaus zwei Seiten hat. Sie ist nicht wie es oft in den typischen „Die … – in“- Romane der Fall ist einfach nur eine starke und unbezwingbare Frau. Die ist ebenso sehr verletzlich und macht ihre Fehler, die durchaus auch ihre Konsequenzen haben.

Mit voranschreiten der Geschichte begann aber eine zweite Frau mein Interesse zu wecken: Alienor von Aquitanien.
Tereza Vanek hat es geschafft mich für eine Frau zu begeistern, die mir vorher eher kein Begriff war und mich für sie zu interessieren. Auch hier liegt es vor allem daran, dass die Herzogin, wie alle anderen historischen Persönlichkeiten auch, dynamisch und glaubwürdig zu beschreiben.
Ich hatte wirklich das Gefühl, dass Alienor wirklich so gewesen sein könnte, denn auch hier verzichtet die Autorin nicht darauf, die Herzogin von zwei Seiten zu schildern.
In dem Zusammenhang fand ich es sehr toll von der Autorin, dass sie Alienors Sohn, Richard Löwenherz, nicht verklärt hat, sondern auch eine Seite an ihm zeigt, die zum kritischen Nachdenken über ihn anregt.

Mit „Die Dichterin von Aquitanien“ lässt Tereza Vanek das 12. Jahrhundert wieder auferstehen. Sie erzählt plausibel, wohlüberlegt, gefühlvoll und spannend das Leben einer in der Geschichte mysteriösen Schriftstellerin: Marie de France.

[Rezension] Der Minnesänger – Tim Pieper


Verlag: Heyne | Leseprobe (.pdf)
ISBN: 978-3453470996
Seiten: 477
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: € 08,95
ET: 01.2010

Es ist ein Privileg, als Sohn eines unfreien Lehnsherrn in einem Kloster ausgebildet zu werden. Hartmann von Aue weiß das zu schätzen. Als sich der junge Mann in die Nachbarstochter Judith verliebt, lernt er das Harfespielen nur, um seiner Angebeteten ein Lied zu singen. Bis der Minnesänger sie wiedersieht, vergehen Jahre voller Sehnsucht und Gefahren. Jahre, die den Ritter auf den Kreuzzug führen und die zu Unrecht des Giftmordes beschuldigte Heilerin in den Kerker. Wird er ihr je von seiner Liebe singen können?

Meine Rezension

Hartmann von Aue wird Anfang des 13.Jahrhunderts als zweiter Sohn eines unfreien Lehnsherrn geboren. Also solchem bietet seine Zukunft nicht viele Möglichkeiten und doch schafft es sein Vater ihn in eine Klosterschule zu schicken und dort ausbilden zu lassen.
Nicht zuletzt dank seiner Liebe zur Nachbarstochter Judith, widmet sich Hartmann immer mehr der Musik und schreibt Lieder für seine Angebetete.
Doch den beiden steht ein langer, steiniger Weg bevor…

Mit seinem Debutroman „Der Minnesänger“ entführt der Autor Tim Pieper den Leser in das Mittelalter und lässt ihn am Leben eines großen deutschen Epikers teilhaben.
Der Einstieg in den Roman fällt sehr leicht: Man lernt direkt Hartmanns Vater kennen und erlebt ihn und seine Familie ab der Geburt des Sohnes.
Auf den ersten Seiten des Romanes ist es vor allem die Familie des jungen Hartmann, die im Vordergrund steht und so einen Einblick in das damalige Leben vermitteln. So lernt man auch sehr leicht zu verstehen, wieso der kleine Dichter in eine Klosterschule gehen muss und so fernab von der Familie groß wird.

Nebenbei, in einem zweiten Handlungsstrang, erfährt man immer mehr von Judith, die zusammen mit Hartmann aufwuchs und sich selbst einen Weg ins Leben erkämpfen muss.
Es kommt immer wieder zu Zusammentreffen der beiden Liebenden und man spürt selbst, wie sich die beiden nacheinander verzehren, aber Hindernisse ihnen ein Zusammensein verbauen: Judiths Ehe und seine Verpflichtungen am Hofe des Herzogs.

So hätte sein Leben verlaufen können…
Es gibt nur wenige Quellen zum Leben des Epikers Hartmann von Aue. Tim Pieper hat diese Quellen genutzt und ein lebendiges Leben eines Dichters entworfen, der wegweisend für die deutsche Dichtung war. Es ist ein Leben, so wie es hätte sein können und auf jeder Seite des Romans glaubhaft erscheint.
Es ist dem Autor vor allem gut gelungen, Themen aufzunehmen, die auch in der Epik Hartmanns immer wieder aufkommen: Liebe, Ehre und Treue. So schafft er einen wunderschönen Bogen zu den Werken des Dichters.

Ich bin gespannt, was wir als nächstes vom Autor lesen dürfen, aber egal, was es sein wird: ich bin mir sicher, dass er diese Geschichte genau so spannend und liebevoll gestallten wird, wie diesen Roman.

Eingereicht für die Challenge “Der Geschichte auf der Spur” für die Station: Hochmittelalter (11. – 13. Jahrhundert)

[Rezension] Das Geheimnis des Frühlings – Marina Fiorato


Verlag: Limes Verlag | Leseprobe (.pdf)
ISBN: 978-3809025740
Seiten: 588
Ausgabe: Hardcover
Preis: € 19,99
ET: 09.2010

Die bezaubernde Luciana Vetra verdingt sich als Straßenmädchen und gelegentliches Künstlermodell. So posiert sie auch für Botticelli und dessen Bild »Primavera«. Als der Maler sie dafür jedoch nicht entlohnen will, entwendet sie eine Miniatur des »Frühlings«, nur um kurz darauf entsetzt festzustellen, dass jemand offenbar über Leichen geht, um an dieses Gemälde zu gelangen. Doch was hat es mit diesem Bild auf sich? – Verzweifelt sucht Luciana den einzigen Mann auf, der gegen ihre Reize immun zu sein scheint: den Novizen Guido. Gemeinsam mit dem klugen jungen Mönch flieht sie durch Italien und kommt dem brisanten Geheimnis des Bildes auf die Spur …

Meine Rezension

Die junge Luciana Vetra arbeitet als Dirne, als sie für den aufstrebenden Maler Botecelli Model sitzen soll.
Bei dieser Gelegenheit stiehlt sie eine Miniatur des Gemäldes, dass von ihr gemalt wurde. Doch schnell wird ihr klar, dass sie sich durch diesen Diebstahl in große Gefahr gebracht hat.
Sie sucht Zuflucht in einem Kloster und zieht dabei den jungen Novizin Guido mit hinein – und beide versuchen das Rätsel des Gemäldes zu lüften, um sich so der scharfen Messer ihrer Feinde zu entledigen.

„Das Geheimnis des Frühlings“ ist ein außergewöhnlicher historischer Thriller, der mich staunen ließ, in seinen Bann zog und mir hin und wieder ein Lächeln auf die Lippen zauberte.
Auf fast 600 Seiten entführt die Autorin den Leser in das Italien des 15.Jahrhunderts.
Der Einstieg in die Geschichte fällt sehr leicht, weil man direkt in die Geschichte gezogen wird, und man nicht mit vielem Vorgeplänkel Zeit verliert. So wird schnell klar, dass Luciana in Gefahr schwebt und diese Gefahr ihr im Nacken sitzt, bis sie es schafft das Geheimnis ihres Diebesgutes zu lüften.

Der lockere Schreibstil trägt dazu bei, dass der Roman schnell zu einem Page-Turner wird. Kurze, prägnante Sätze und pfiffige Dialoge wechseln sich ab und ziehen den Leser mitten ins Geschehen hinein. Manchmal hat man sogar das Gefühl, dass man mit Bruder Guido und Luciana im Raum sitzt und nachdenkt.
Das einzige was mich gerade auf den ersten 100 Seiten gestört hat, war der Sprachstil, der Luciana verpasst wurde: Das junge Mädchen lebt nun mal als Prostituierte. Ein Leben, dass ihr ganzes Sein prägt. Als vielleicht logische Konsequenz schmeißt die junge Frau nur so mit Anzüglichkeiten um sich, dass es wirklich hart an der Grenze zum Ertragbaren kratzt. Allerdings legt sich dies sehr schnell und man kann den Rest des Romanes ohne schlechte sexuelle Andeutungen genießen.

Die Charakter von Bruder Guido und Luciana tragen ihr übriges dazu bei, „Das Geheimnis des Frühlings“ zu einem wirklich gelungenen Roman werden zu lassen.
Mit viel Liebe hat die Autorin sich diesen beiden Personen gewidmet und sie zum Leben erweckt. Während des Lesens hatte ich öfter das Gefühl über ‘echte’ Freunde zu lesen und habe, als die letzte Seite dann doch gekommen war, nur sehr widerwillig Abschied von ihnen genommen.

„Das Geheimnis des Frühlings“ ist ein spannender Schmöker, der gerade jetzt, in der kalten Jahreszeit, dazu einlädt sich stundenlang in eine andere Zeit und Welt zu träumen und auf ein Abenteurer zu gehen.
Mich hat der Roman positiv überrascht und ich kann ihn wirklich empfehlen!

Eingereicht bei Der Geschichte auf der Spur für die Station Spätmittelalter.

[Rezension] Bis ans Ende der Meere – Lukas Hartmann

Verlag: Diogenes | Leseprobe (.pdf)
ISBN: 978-3257240245
Seiten: 472
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: € 11,90
ET: 07.2010
Im Juni 1776 schifft sich der junge Zeichner John Webber in Plymouth (England) zur dritten Weltumsegelung auf dem Dreimaster ›Resolution‹ ein. Kapitän ist James Cook. Webber quartiert sich in der Kajüte ein, in der Georg Forster auf Cooks zweiter Weltumsegelung Tagebuch führte. Webber wird zum Vertrauten von Captain Cook, stirbt beinahe und begegnet seiner großen Liebe. Vier Jahre später kommt Webber zurück, gezeichnet von den Strapazen der Reise. Die Sehnsucht nach der Südsee wird ihn nie mehr loslassen. Captain Cook, der aufgebrochen war, um die Nordwestpassage durchs arktische Eis zu finden, kehrt nicht heim. Was war geschehen? Ein spannender historischer Roman um den rätselhaften Captain James Cook und zugleich die Entwicklungsgeschichte eines jungen englischen Malers mit Schweizer Wurzeln.

Meine Rezension

1776: Der junge John Webber wird als Maler für Cooks dritte Weltumseglung angeheuert. Seine Aufgabe ist klar: er soll die Reise in Bildern dokumentieren und sie so für die Daheimgebliebenen fassbar machen. Doch er soll auch ganz klar eines: dafür sorgen, dass Cook und seine Mannschaft in einem guten Licht dastehen.
Doch Webber wird bald klar: so tadellos, wie alle denken, wird diese Weltumseglung nicht laufen…

Lukas Hartmann erzählt in Bis ans Ende der Meere die dritte Weltumseglung des legendären Captain James Cook. Auf dieser Weltumseglung wird es dem Leser möglich in fremde Welten einzutauchen und selbst zum Entdecker zu werden.

In einer klaren und schnörkellosen Sprache erzählt der Autor die Geschichte vor allem aus der Sicht von John Webber, der zum ersten Mal auf einem Schiff ist.
Bei der Wortwahl und dem Satzbau ist Hartmann sehr klar und strukturiert. Und dennoch schafft er es, trotz dieser Klarheit, dass seine Geschichte nicht kalt wirkt. Die Worte umspielen einen fast wie Wellen.

Die Geschichte wird erzählt in Tagebucheinträgen und Briefen Webbers, sowie beschreibenden Passagen durch einen außenstehenden Erzähler. Letztere halten sich aber stark in Grenzen. So erfährt der Leser alle Ereignisse vor allem durch John Webber und seine Einträge. Dies allein lässt die Geschichte schon von Beginn an sehr authentisch wirken und man hat wirklich das Gefühl, man sei dabei gewesen.

Sehr schön ist übrigens der Rahmen, den Hartmann der Geschichte gibt: Man begegnet Webber das erste Mal, als er bereits wieder zurückgekehrt ist und das erste Mal die Witwe Cooks aufsucht, um ihr ein Portrait ihres Mannes zu übergeben. Auch zum Schluss besucht man mit Webber erneut Mrs Cook.
Dieser Rahmen hält das Buch zusammen und gibt ihm einen roten Faden. Zusätzlich leitet diese letzte Begegnung langsam das Ende des Romans ein und gibt dem Leser so Zeit sich langsam von der Abenteuerreise zurück nach Hause zubewegen.

Am Ende des Romans erfährt man in einem Nachwort des Autors, dass er sich genau an die Fakten gehalten hat. Nur dort, wo es ging, weil es keine Informationen gab, hat er sich erlaubt, frei zuschreiben und Dinge passend zu erfinden. Auch Karten der Route und ein ausführliches Personenregister runden den Roman ab.

Schon lange habe ich keinen Roman mehr gelesen, den ich so zufrieden zugeklappt habe. Lukas Hartmann hat mich mit auf eine Reise genommen und hat mich einen Mann kennenlernen lässt, der damals ein wichtige Rolle auf Cooks letzter Reise spielte.
Ich war live dabei, als Webber zum ersten Mal die Südseeinseln besuchte und erstaunt über die Kälter der Arktis war.

Wer selbst auf eine spannende Reise gehen möchte, sollte zu diesem Roman greifen!

Eingereicht bei  Der Geschichte auf der Spur für die Station Neuzeit: Aufklärung und Absolutismus

[Rezension] Die zwölfte Nacht – Charlotte Lyne

Verlag: Blanvalet | Leseprobe (.pdf)
ISBN: 978-3442367177
Seiten: 650
Ausgabe: Broschiert
Preis: € 12,00
ET: 05.2008
In den Wirren der Reformation in England kämpft eine starke junge Frau um Glück, Freiheit und die Liebe ihres Lebens!

England im 16. Jahrhundert. Die junge Catherine Parr hat zwei Herzenswünsche: Sie will eines Tages ein Buch schreiben – ein für eine Frau undenkbares Vorhaben! Und sie will Tom Seymour, ihren Freund aus Kindertagen, heiraten. Doch alles kommt ganz anders: Am Hof Heinrichs des VIII. geraten Catherine und ihr Liebster in den Strudel einer stürmischen Zeit. Freie Geister leben gefährlich in dieser Ära dramatischen Wandels, und so muss Catherine mit Klugheit und Geschick darum kämpfen, sich und Tom vor Kerker und Fallbeil zu bewahren …

Meine Rezension

Sie ist besonnen, intelligent und faszinierend: Catherine Parr, die letzte Ehefrau von Henry VIII.
Und die berauschende Geschichte dieser einzigartigen Frau erzählt Charlotte Lyne in ihrem Roman „Die zwölfte Nacht“.

Das Leben von Catherin Parr ist von klein auf geprägt von Liebe, Sehnsucht und dem Kampf nach Freiheit und um den Kampf einer starken Kirche und dem Recht, dass jeder englische Bürger in einer englischen Bibel lesen darf.
Und Charlotte Lyne schafft es, eben diese Aspekte, die das Leben von Catherine Parr ausmachten zum Leben zu erwecken. Als Leser erlebt man mit „Die zwölfte Nacht“ großes Kopfkino, dass einem ein Stück wichtiger, englischer Geschichte näher bringt und einen meinen lässt, man wäre wirklich dabei gewesen.

Der Handlungsverlauf und der Romantitel sind hier Programm: der Roman heißt nicht nur „Die zwölfte Nacht“, sondern der Roman teilt sich in Anlehnung diese Nacht in 12 Kapitel. Dies verbindet Titel und Handlung mit dem Fest der zwölften Nacht, das in dem Roman eine besondere Stellung einnimmt.

Die Figuren selbst sind mit viel Liebe beschrieben. Sie wirken alle lebendig und von manch einem wünschte ich, ich könnte ihn zu meinen Freunden zählen.
Das die Charaktere so rund und glaubwürdig erscheinen, wie sie es tun, liegt zu einem nicht unerheblichen Teil daran, dass die Autorin ihnen Raum gibt, miteinander zu reden und den Leser einlädt an den Gedanken der Figuren teilzuhaben. So halten Catherine Parr und ihre Freunde nicht nur Zwiesprache mit Gott alleine, sondern laden dazu ein, mitzusprechen.

Getragen wird der Roman doch nicht nur von den Figuren: Charlotte Lyne verzichtet nicht darauf, dort, wo es nötig ist, auch außen- und innenpolitische Ereignisse zu erwähnen.
So wird der Kampf um eine starke, unabhängige anglikanische Kirche nachvollziehbar und gewissen Entscheidungen in diesem Kampf offensichtlich.

All dies lässt England im 15.Jahrhundert lebendig werden.

Besonders gefallen hat mir, dass der Roman dazu anregt, sich mehr mit Henry VIII zu beschäftigen und in ihm nicht nur den Wahnsinnigen zu sehen, der zwei seiner Frauen enthaupten ließ. In dem Zusammenhang sei auch erwähnt, dass ich es toll finde, dass Henry im Roman Henry bleiben darf und nie die deutsche Übersetzung ‘Heinrich’ zu lesen war.

„Die zwölfte Nacht“ ist ein Roman, der mich bis jetzt nicht loslässt. Ich werde noch lange an Catherine Parr und ihre Freunde denken und auch wohl noch eine lange Zeit weiterhin versuchen, vieles über sie zu erfahren. Googel ist in der Hinsicht grade mein bester Freund….

Fazit: „Die zwölfte Nacht“ ist ein unglaublich spannender, fesselnder Roman, der dem Leser ein Stück Geschichte näher bringt. Mit viel Liebe und spürbarer Leidenschaft entführt Charlotte Lyne den Leser in eine turbulente, chaotische Zeit der englischen Geschichte und hilft dem Leser Einblicke in eine schwierige und verworrene Zeit zu gewinnen.
Absolut Lesenswert!

Eingereicht für die Challenge “Der Geschichte auf der Spur” für die Station:  Frühe Neuzeit – Reformation & Dreißigjähriger Krieg (1517 – 1648)

[Rezension] Die Konfektmacherin – Kirsten Schützhofer

Verlag: Diana Verlag | Leseprobe (.pdf)
ISBN: 978-3453354401
Seiten: 595
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: € 09,95
ET: 07.2010
Frankreich 1685: Fast täglich besucht Cathérine den alten Nougatmacher Pierre, um ihrem Traum von einem eigenen Süßigkeitenstand auf dem Markt näher zu kommen. Als Cathérines Familie wegen ihres protestantischen Glaubens verhaftet wird, sie selbst aber fliehen kann, wird ihr Rezeptbuch ihr wertvollster Besitz. Als Konfektmacherin macht sie sich einen Namen. Doch der Ruhm ihres Nougats bringt auch die Verfolger ihrer Familie auf ihre Spur…

Meine Rezension

1685 in Frankreich: die junge Catherine kann sich nichts schöneres vorstellen,als den ganzen Tag in der Küche zu stehen und Süßspeisen herzustellen.
Doch Catherine und ihre Familie sind sogenannte Reformierte und werden vom König nicht geduldet. Sie sind beinah vogelfrei und so kommt es, dass ihre Familie einies Tages fliehen muss: während ihre ältere Schwester verhaftet wird, kann Catherine mit ihrer jüngeren Schwester und ihrem Verlobten fliehen.
Doch sie verlieren sich auf der Flucht und Catherine und ihre Schwester sind alleine, finden einen Job und versuchen, ein normales Leben zu führen.
Noch nichts ahnend, dass ihre Vergangenheit sie einholen wird….

Zuerst einmal: ich bin heilfroh, dass ich noch die beiden ersten Romane der Autorin ungelesen im Regal stehen habe, denn bis der nächste Roman erscheint, wird es sicher eine ganze Weile dauern. Und diese Weile könnte lange werden, denn die Romane von Kirsten Schützhofer machen regelrecht süchtig: sie sind spannend, abwechslungsreich und farbenprächtig.

So auch ihr neuster Roman Die Konfektmacherin.
Die Autorin führt den Leser in ein Frankreich, in dem es brodelt und viele Menschen um ihr Leben fürchten müssen und das nur, weil sie nicht dem rechten Glauben angehören….

Das Schicksal der Familie Jospin ist dabei nur eines von vielen. Doch durch deren Schicksal erhält man einen kleinen Einblick in das Leben und die Ängste jener Familien, die nicht katholisch sind.

Die ganze Geschichte ist flüssig und spannend geschrieben, was es sehr leicht macht, dass Buch wirklich auch sehr schnell zu verschlingen.
Die Personen tun dabei ihr übriges: alle sind auf ihre Weise sympathisch und haben ihre Ecken und Kanten. Es macht richtig Spaß sie kennen zulernen und sie auf ihrem Weg zu begleiten.

Geschmückt wird dies alles durch drei Liebesgeschichten, die jedoch alle drei immer nur nebenher laufen, und sich nicht nie in den Vordergrund drängen. Es wird so zu keiner Zeit kitschig, und so verfolgt man gerne wie sich diese Beziehungen entwickeln.

Besonders gut gefallen hat mir ein Thema in dem Roman, dass nie direkt angesprochen wurde, sondern immer nur unterschwellig zugegen war, aber dennoch nicht minder wichtig ist: Reden.
Vieles, was den Protagonisten widerfährt, wäre nicht passiert, wenn sie miteinander offen und ehrlich reden würden.
Es geht also auch um die Sprachlosigkeit und ihre Folgen.

Unterm Strich hat mir dieser Roman ausgesprochen gut gefallen. Die Konfektmacherin ist ein richtiger Schmöker, der dazu einlädt sich aufs Sofa zu kuscheln und in eine andere Zeit und Welt einzutauchen.
Eine Empfehlung wert!

[Rezension] Sterne über Sansibar – Nicole C. Vosseler

Verlag: Bastei Lübbe
ISBN: 978-3785723814
Seiten: 530
Ausgabe: Hardcover
Preis: € 19,99
ET: 05.2010

Ein Märchen wie aus Tausenundeiner Nacht ═ nach einer wahren GeschichteUnbeschwert verlebt Sayyida Salima bint Said, die Tochter des Sultans, ihre Kindheit und Jugend auf der Gewürzinsel. Ihr Halbbruder Majid bringt ihr Reiten und Schießen bei, heimlich lernt sie Lesen, Schreiben und fremde Sprachen. Als die junge Frau dem wohlhabenden deutschen Kaufmann Heinrich begegnet, kommen sich zwei Welten näher. Die beiden verlieben sich und schon bald erwartet Salima ein Kind. Für eine muslimische Prinzessin ist ein uneheliches Kind jedoch undenkbar. Eine Heirat mit einem Ungläubigen kommt allerdings nicht in Frage. Als Ausweg bleibt nur die Flucht: Sie muss ihr Leben aufgeben, ihren Namen, ihr Vermögen. In Heinrichs Heimatstadt Hamburg hofft das junge Paar glücklich zu werden. Doch was erwartet Salima in dem kalten, fremden Land, das ihrer Heimat so weit entfernt ist?

Meine Rezension

Sayyida Salima bint Said ist die Tochter des Sultans von Sansibar. Sie führt ein behütetes Leben auf der Insel, dass für sie das reinste Paradies ist.
Und in genau diesem Paradies lernt sie den aus Hamburg stammenden Kaufmann Heinrich Ruete kennen und lieben.
Doch die Tochter eines Sultans darf einen Europäer nicht lieben – und so sind Salima und Heinrich bald in Gefahr…

Es klingt wie ein Märchen wie aus Tausend und einer Nacht: eine große Liebe vor einem exotischen Panorama.
Schon in den anderen Romanen von Nicole C. Vosseler gehabt? Ja und nein.

Es ist in der Tat nicht das erste Mal, dass die Autorin eine Liebesgeschichte in exotischen Ländern spielen lässt und es ist auch nicht das erste Mal, dass historische Persönlichkeiten einen Auftritt haben.
Und doch ist es diesmal anders: die Autorin beschreibt das Leben der historischen Sayyida Salima bint Said und nimmt den Leser mit in ein Leben voller Glück, Liebe und Schmerz. Es sind nicht mehr fiktive Personen, die die Autorin zum Leben erweckt. Diesmal folgt man einer richtigen Prinzessin durch ihr Leben.

Meiner Meinung legt die Autorin im Vergleich zu ihren anderen Romanen besonders im Schreibstil eine Schippe zu: bereits der Prolog verursachte mir Gänsehaut. Alle Prologe konnten mich bis jetzt immer sehr gut auf die kommenden Geschichte vorbereiten, aber dieser Prolog schaffte es, dass ich mich gefühlt habe, als säße ich direkt neben Salimas Bett und würde ihr direkt in die Augen schauen können.
Und das Gefühl der direkten Betroffenheit und des involviert sein hielt den ganzen Roman über an. Es war, als sei ich ein Schatten, der die ganze Zeit direkt neben Salima lief und sich mit ihr gefreut hat und den Schmerz und Kummer ebenso mit ihr teilte.

Doch es ist nicht nur Salima, die die Autorin ins Leben gerufen hat.
Es ist auch der historische Hintergrund, der zwar allgegenwärtig ist, aber so geschickt in die Geschichte eingeflochten wurde, dass er nie drohte die Überhand zu nehmen. Der gut recherchierte Hintergrund ermöglicht es nach zu vollziehen in welcher Welt Salima lebte und mich welcher Welt sie sich konfrontiert sah.
Man lernt die Sitten Sansibars kennen und in welchem politischen Machtkampf das Land verwickelt war.

Mir fällt es mittlerweile schwer, meine Meinung zu den Büchern der Autorin zu verfassen, denn am liebsten würde ich nur schreiben: wunderbar, wunderbar, wunderbar!
Und auch diesmal ist der Autorin eine wunderbare Geschichte gelungen, die den Leser mit auf eine Reise nimmt, die spannend, bewegend und emotional ist.
Für mich ein absoluter Lesetipp!

[Rezension] Die Hexe vom Niederrhein – Sebastian Thiel

Verlag: Gmeiner Verlag
ISBN: 978-3839210765
Seiten: 273
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: € 12,90
ET: 07.2010

Kempen, im Winter 1642. Am Niederrhein tobt der Dreißigjährige Krieg.
Nach einem Kirchgang rettet der junge Schmied Lorenz die Tochter des Statthalters vor zwei durchgehenden Pferden. Die schöne Elisabeth macht ihrem Retter von der ersten Minute an eindeutige Avancen. Doch nicht sie ist seine Auserwählte, sondern ihre schüchterne und geheimnisvolle Adoptivschwester Antonella. Als hessische Söldner Kempen belagern und einnehmen, bricht das Chaos aus. Und die kräuterkundige Antonella wird von der gesamten Stadt als Hexe denunziert …

Meine Rezension

Es ist Winter im Jahre 1642: Europa steht im Krieg und dass schon seit mehreren Jahren.
Doch die Gräuel haben Kempen bislang verschont und so war es dem Schmied Josef Cox möglich, seinen Söhnen eine schöne Kindheit zu ermöglichen.
Sein zweitältester Sohn Lorenz verliebt sich in eben jenen Winter in die Adoptivtochter des Bürgermeisters, Antonella.
Doch die beiden haben nicht lange Zeit ihr Liebesglück zu genießen, denn plötzlich holt der Krieg das kleine Dorf ein und Lorenz und sein Bruder Max ziehen in eben jenen Krieg, um zu beschützen, was sie lieben.

Die Hexe vom Niederrhein ist der Debütroman von Sebastian Thiel, der mich bereits nach den ersten Seite für sich eingenommen und überzeugt hat.

Der Einstieg in den Roman fällt sehr leicht: man lernt direkt die beiden Hauptcharaktere, die Brüder Lorenz und Maximilian, kennen, die beide mitten auf einem Schlachtfeld stehen. Das Ende des Prologs deutet nur etwas an und man fragt sich, welche Richtung diese Andeutung nehmen wird.
Doch bis man des Rätsels Lösung erfährt, springt man in der Zeit ein paar Tage zurück und lernt die beiden Männer kennen, bevor sie in den Krieg ziehen.

Die Charaktere selbst sind alle liebevoll und farbenfroh beschrieben. Jeder Charakter hat seine eigene Persönlichkeit und absoluten Wiedererkennungswert. So schafften es selbst Nebenfiguren, die ich oft neige schnell wieder zu vergessen, in mein Leserherz und ich fand es wirklich schade, dass sie ‘nur’ Nebenfiguren waren.
Vor allem die so gegensätzlich wirkenden Brüder Maximilian und Lorenz haben es mir angetan und ich denke jetzt noch gerne an sie zurück.

Besonders gut gefallen hat mir der Schreibstil von Sebastian Thiel: er schafft es immer die richtigen Worte zu finden und so eine Atmosphäre zu schaffen, die für mich greifbar war. So habe ich mit auf dem Schlachtfeld gestanden, konnte die Kälte des Schnees spüren.
Ich war in der Geschichte so gefangen und habe mit allen mitgelitten und am Ende habe ich mit ihnen geweint.

Für die Skeptiker, die eigentlich keinen weiteren Hexenroman lesen können / wollen, sei gesagt, dass dies nicht in erster Linie ein Roman über die Hexenverfolgung ist (und ja, auch ich dachte dies anfänglich). Die Hexe dient den Bewohnern der Stadt Kempen als Sündenbock, als diejenige, die Schuld an der Belagerung der Stadt ist.
Doch eigentlich geht es in diesem Roman um die Liebe und die Schrecken eines Krieges, der fast ganz Europa in die Knie zwang.

Die Hexe vom Niederrhein ist ein spannender, gut geschriebener historischer Roman. Der Roman ist eine Liebesgeschichte und ein Drama zugleich und lässt einen nicht mehr los, bis man weiß, wie es ausgeht.
Mit großer Freude habe ich gelesen, dass der Autor in Erwägung zieht, einen Nachfolgeroman zu schreiben. Das würde ich sehr begrüßen und freue mich schon, lieb gewonnene Freunde wieder zutreffen.
Für mich ist der Roman eine unbedingte Leseempfehlung!

Unter dem Safranmond – Nicole C. Vosseler

Verlag: Bastei Lübbe
ISBN: 978-3404164042
Seiten: 592
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: € 08,99
ET: 02.2010

Oxford, 1853. Maya Greenwood lauscht wie gebannt den Geschichten eines seltenen Gastes: Ralph Garrett, der in der britischen Armee in Indien dient. Als er ihr den Hof macht, rückt ein abenteuerliches Leben in der Fremde für die junge Frau in greifbare Nähe. Ihre Familie ist gegen die Verbindung, und so brennt Maya kurzerhand mit Ralph durch. Als er nach Arabien entsandt wird, fällt Maya in die Hände von Beduinen. Dort erlebt sie den wahren Orient – und muss sich eingestehen, dass der Anführer der Wüstenkrieger, der charismatische Rashad al-Shaheen, auch ihr Herz gefangen hält …

Meine Rezension

Maya Greenwood ist laut ihrer jüngeren Schwester ein Blaustrumpf – was kein Wunder ist, da sich lieber mit Sprachen, Geschichte und fernen Ländern beschäftigt. Die neuste Mode und Männer interessieren sie recht wenig.
Dooch als Ralph Garett in ihr Leben tritt, scheint sich alles zu verändern: Maya verliebt sich in den jungen, charmanten Soldaten und hofft auf eine gemeinsame Zukunft mit ihm. Doch ihre Eltern lehnen jegliche Verbindung zwischen ihr und Ralph ab und so fasst Maya mit Ralph einen Entschluss: sie brennt mit ihm durch….

Unter dem Safranmond ist mittlerweile der dritte Roman den ich von Nicole C. Vosseler lese und ich bin wirklich traurig, dass dieser wunderbare Roman so schnell zu Ende war.

Der Einstieg in das Buch fällt sehr leicht, was nicht zuletzt auch an dem Schreibstil der Autorin liegt. Denn mit großem Einfühlungsvermögen findet die Autorin einfach immer wieder die richtigen Worte und schafft es so, den Leser in Mayas Welt zu entführen und an diese zu binden. Es war für mich sehr schwer, das Buch aus der Hand zu legen.
Mit viel Liebe fürs Detail lässt die Autorin allein durch ihre Worte England, aber auch das ferne Aden auferstehen. Ich hatte oft das Gefühl die heiße Sonne und den Sand der Wüste selbst auf der Haut zu spüren und hatte wirklich das Bedürfnis mich selbst auf ein Kamel zu setzen und durch die Wüste zu reiten und all die schönen Dinge zu betrachten, die Maya auf ihrem Abenteuer begegnet.

Die Charaktere selbst sind unglaublich interessant und ich bin ihnen gerne auf ihren Fußstapfen durch das Leben gefolgt. Dabei sind alle Figuren so unterschiedlich und außergewöhnlich, aber ich habe über alle gerne gelesen, egal wie nervig sie manchmal auf den ersten Blick auch sein mochten.
Wie in ihren anderen Romanen verknüpft die Autorin sehr geschickt das Schicksal von fiktiven Figuren wie Maya mit dem historischer Persönlichkeiten wie Richard Francis Burton.
Neben dieser Verflechtung ist es der Nicole C. Vosseler auch in Unter dem Safranmond gelungen, die Abenteuer einer jungen Frau mit reichlich Lokalgeschichte zu verknüpfen.

Unter dem Safranmond ist ein Abenteuer, dass man zusammen mit der jungen Maya beschreitet. Man begleitet Maya auf ihrem Weg und ihrer Suche nach Glück, Liebe und Freiheit. Dabei lernt man ein Land kennen, dass für uns fremd und faszinierend zugleich ist.
Wie schon für ihre Romane „Südwinde“ und „Der Himmel über Darjeeling“ kann ich auch für Unter dem Safranmond eine absolute Empfehlung aussprechen!

Die Giftmeisterin – Eric Walz

Verlag: Blanvalet | Leseprobe
ISBN: 978-3442373185
Seiten:
410
Ausgabe:
Taschenbuch
Preis:
€ 12,00
ET:
03.2010
Aachen, am Heiligen Abend im Jahr 799. Dies ist die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft: zwischen mir, der Gräfin Ermengard, und der Fremden Fionee, die von allen gemieden wird, und von der ich mittlerweile weiß, dass sie eine Giftmeisterin ist. Und es ist die Geschichte eines Verbrechens. Ich sollte besser sagen zweier Verbrechen: des einen, das ich aufgeklärt habe, und des anderen, das ich beging …

Meine Rezension

Aachen, kurz vor Heiligabend im Jahre 799: die Pfalzgräfin Ermengard findet mitten im Hof die Leiche des jungen Hugos. Er ist offensichtlich ermordet worden.
Der Tod des jungen Offiziers ist der Auftakt einer Serie von Morden, die die Pfalz erschüttern.
Der Pfalzgraf sucht nach dem Täter, um den Fall schnell abzuschließen und so die Sicherheit des Papstes sicherzustellen, der bald in Aachen erwartet wird.
Doch seine Frau Ermengard glaubt nicht an die einfachen Erklärungen ihres Mannes und beginnt selbst auf eigene Faust heimliche Ermittlungen…

Die Giftmeisterin ist mittlerweile der vierte historische Krimi von Eric Walz und ist meiner Meinung nach bis jetzt sein bester.

Der Roman besticht in diesem Fall vor allem durch seine Erzählperspektive: Ermengard erzählt ihre Geschichte auch der Ich-Perspektive und der Leser begleitet sie, wie sie die Ereignisse der letzten Tage zu Papier bringt. Man kommt Ermengard so sehr nah, lernt sie kennen und lieben und leidet mir ihr.
Die Erzählperspektive passt meiner Meinung nach in diesem Fall sehr gut und ich hatte an keiner Stelle das Gefühl, dass ich die Sicht eines anderen Charakters kennen lernen möchte. Ich bin vollkommen in der Geschichte aufgegangen und Ermengard wurde fast so was wie eine Freundin für mich.
Ihre Geschichte wird immer wieder von Rückblenden bzw. Erinnerungen unterbrochen, die sich schon alleine durch die Benutzung des Präsens vom Rest des Buches abheben. In diesen Erinnerungen lernt man eine junge Ermengard kennen und erlebt, wie sie sich verliebt und welche Schicksalsschläge sie durchmachen musste. Man lernt zu verstehen, wie Ermengard zu dem Menschen wurde, den man grade kennen lernt.

Der Kriminalfall selbst ist fast, so möchte ich sagen, ein typischer Walz: wohldurchdacht leitet der Autor den Leser durch die Kälte Aachens und lässt ihn mit Ermengard nach dem Täter suchen. Bis zum Schluss rätselt man, wer es gewesen sein könnte und findet dennoch keinen Täter.
Wenn der Täter dann am Ende gefasst und gestellt ist, traut man fast seinen Augen kaum, denn auf diesen Täter wäre man – oder zumindestens ich – nie im Leben gekommen.
Der Überraschungseffekt ist ganz auf der Seite des Autors.

Die Giftmeisterin ist ein spannender, fesselnder Roman, den ich mit großer Begeisterung gelesen habe und uneingeschränkt weiter empfehlen kann!

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