Historische Romane

[Rezension] Das Amulett der Keltenfürstin – Lucas Bahl


Verlag: Wittich Verlag
ISBN: 978-3981090628
Seiten: 320
Ausgabe: Hardcover
Preis: € 16,95
ET: 04.2011

lagana kommt in die fremde Stadt um zu morden. Doch dann geschieht, womit weder ihr Auftraggeber noch sie gerechnet haben. Sie verliebt sich in das Opfer.
Das Schicksal der Keltenfürstin und Druidin Ilagana ist eng verknüpft mit einem magischen Amulett, dessen geheimnisvolle Kräfte sie schützen. Doch längst hat das ungewöhnliche Schmuckstück den Neid derer erregt, die nicht auserwählt wurden es tragen zu dürfen. Intrigen und Verrat münden in einen tödlichen Konflikt.
Ein gut recherchierter historischer Roman, der die stummen Überreste der untergegangenen keltischen Kultur in Franken auf spannende Weise zum Sprechen bringt.

Meine Rezension

Ilagana ist eine junge Frau, die mit einem Auftrag in eine ihre fremde Stadt geschickt wird: Sie soll den Feind ihres Vater töten.
Doch Ilagana verliebt sich in ihr mutmaßliches Opfer und heiratet ihn sogar. Von nun an führt die Fürstentochter und Druidin ihr eigenes leben, fernab von ihrem Vater und erlebt Kriege, Verrat und großes Glück.

Eines vorweg: Ich habe bei diesem Roman mal wieder gemerkt, wie wichtig ein gutes Cover sein kann.
Als der Autor mir angeboten hat, dieses Buch zu lesen, wollte ich um ehrlich zu sein erst ablehnen, da mir das Cover so gar nicht zusagte. Mal unabhängig davon, dass ich so langsam aber sicher keine Frauen mehr auf historischen Romanen sehen kann, hat mich hier doch irgendwie gestört, dass diese Dame computeranimiert ist.
Allerdings bin ich froh, dass meine Neugier, nachdem ich den Klappentext gelesen habe, doch gesiegt hat, denn „Das Amulett der Keltenfürstin“ ist ein interessanter Roman, der einen in eine längst vergangene Welt bringt.

Der Einstieg in den Roman fällt relativ leicht: man lernt die junge Ilagana kennen und erlebt sie anfänglich in Situationen, die wohl jeder von uns kennt: Als junges Kind auf Abenteuersuche, wie man Ärger mit seinen Eltern hat und sich über diese brüskiert…So hat man als Leser sehr schnell einen Draht zur Protagonistin.

Der Schreibstil selbst ist locker und so fliegen die Seiten nur dahin und man hat schneller wie man gucken kann wieder 50 Seiten gelesen.
Eine Sache hat mich jedoch zu Beginn gestört: Es wird ein Sachverhalt erklärt und am Anfang der Erklärung steht z.B. etwas wie (vereinfacht ausgedrückt), dass der Schnee weiß ist. Dann wird auch logischerweise erklärt, wieso das so ist. Doch anstatt es beim Ende dabei bewenden zu lassen, wird am Ende dieser Erklärung noch einmal festgestellt, dass daher der Schnee weiß ist. Zugegeben, dass dies ein Punkt sein dürfte, der evtl. nicht jedem auffällt; er fällt auch nicht unbedingt ins Gewicht, da es zu Beginn des Romans nur zwei solcher Stellen gibt, aber ich fand, dass sie in dem Moment holprig wirkten und ich persönlich bin an diesen Stellen kurz aus dem Lesefluss gekommen.

Lucas Bahl beschreibt sehr umfangreich die damaligen Bräuche und den Glauben an verschiedene Götter und die Kämpfe zwischen den Stämmen. Man bekommt so einen sehr guten Eindruck, wie das Leben der Kelten vor so unglaublich langer Zeit gewesen sein könnte. Schade ist in diesem Zusammenhang nur, dass oft die Figuren selbst zu kurz kommen und bei mir so der Eindruck entstanden ist, dass die Geschichte nur als Rahmen erzählt wird, um vom Leben der Kelten zu berichten.
Aber dies schien mir generell ein Problem des Romans zu sein: Ich hätte gerne noch wesentlich länger bei Ilagana bleiben wollen, wollte mehr von ihr und ihrem Leben wissen. Daher hätte „Das Amulett der Keltenfürstin“ meiner Meinung nach noch mal locker 320 Seiten mehr haben dürfen.

Fazit: „Das Amulett der Keltenfürstin“ ist ein interessanter historischer Roman, der einen in eine untergegangene Welt und Kultur mitnimmt. Jedem Leser, der einen Ausflug die Welt der Kelten machen möchte, sei dieses Buch empfohlen!

Mein Dank gilt Lucas Bahl und dem Wittich Verlag für die Bereitstellung des Rezensionexemplars!

http://www.keltenfuerstin.wittich.de/

[Rezension] Die Tochter der Seidenweberin – Ursula Niehaus


Verlag: Knaur
ISBN: 978-3426663592
Seiten: 541
Ausgabe: Hardcover
Preis: € 16,99
ET: 03.2011

Die Fortsetzung des Bestsellers Die Seidenweberin
Köln zu Beginn des 16. Jahrhunderts: Nach dem Tod ihres geliebten Mannes hat die erfolgreiche Seidenweberin Fygen Lützenkirchen in Spanien ein neues Glück gefunden, und in Köln steht ein Generationenwechsel bevor, denn Fygens Tochter Lisbeth muss das Erbe ihrer Mutter antreten – ein Erbe, das ihr Neid und Missgunst so mancher Seidmacherin der Stadt einbringt. Doch Lisbeth gibt nicht auf …

Meine Rezension

Köln im Jahre 1499: Fygen Lützenkirchen ist mittlerweile eine erfolgreiche Geschäftsfrau und hat ihrer verheirateten Tochter Lisbeth ihre Seidenweberei überschrieben.
Während diese mit zu den wichtigsten Seidenmacherinnen ihrer Zunft wird, baut sich Fygen einen Ruf als Kauffrau auf. In dieser Position reist sie nach Spanien, um Lieferungen von Rohseide zu beaufsichtigen und ihre Tochter Lisbeth steht damit alleine den Intrigen und schmutzigen Geschäften der anderen Siedenweberinnen gegenüber…

„Die Tochter der Seidenweberin“ schließt zeitlich einige Jahre später an die Geschichte von „Die Seidenweberin“ an.
Lange hatte ich auf diese Fortsetzung gewartet, da mir damals sowohl „Die Seidenweberin“ als auch „Das Heiligenspiel“ der Autorin sehr gut gefallen haben – jedoch bleibe ich nach der Lektüre dieses Werkes etwas ratlos, aber vor allem leicht enttäuscht zurück. Für mich ist „Die Tochter der Seidenweberin“ leider der bis jetzt schwächste Roman der Autorin.

Die Geschichte des Romans ist relativ leicht und linear, aber daher an sich nicht weniger spannend. In einem leicht zu lesenden Schreibstil schickt Ursula Niehaus ihre Leser quer durch das Köln des 16. Jahrunderts.
Vor allem interessant sind dabei die Schilderungen rund um das Geschäft der Seidenweberei und der Stoffherstellung. Man merkt der Autorin an diesen Stellen an, wie sehr sie Stoffe und ihre Geschichte liebt, weswegen ich diese Passagen wirklich gerne gelesen habe.
Die Geschichte wird vor allem von diesen Passagen zusammengehalten, da sie ihr einen roten Faden geben, der den Rest der Geschichte so nicht nur wie kleine Episoden dastehen lässt, die nichts miteinander zu tun zu haben scheinen. Es geschehen so viele und unterschiedliche Dinge, dass das Buch randvoll ist mit Ereignissen, so dass es einem nie langweilig zu werden droht. Leider stellt sich bei der temporeichen Geschichte auch eine Art „klinische Reinheit“ ein, denn große Gefühle beim Leser werden leider nicht geweckt. So wird man beispielsweise leider nicht von der Leidenschaft für Seide angesteckt und dass, obwohl beinah alle Figuren des Romans als Seidenmacher arbeiten.

Viele Charaktere der Geschichte sind historisch verbürgt. Zu diesen verliert die Autorin noch im Nachwort ein paar Worte, in denen sie unter anderem auch erklärt, welche Freiheiten sie sich in der Gestaltung der Geschichte genommen hat.

Es gibt vor allem zwei Gründe, wieso mir dieser Roman weniger gut gefallen hat:
Fygen unternimmt eine Reise nach Spanien. Die Schilderungen dieser Reise nehmen einen doch nicht unwesentlichen Teil des ersten Drittels des Romans ein. Die Reise und die Ereignisse dieser Reise sind ohne Ende beladen mit Klischees: So wird Fygen angegriffen auf dem Schiff, dass sie nach Spanien bringt und wird von einem natürlich blendend aussehenden Spanier beschützt und gerettet. Überflüssig zu erwähnen, dass genau dieser Spanier später noch eine besondere Rolle für Fygen spielen wird.
Nach den Schilderungen dieser Reise geht es unbeirrt mit Lisbeth weiter. Dieser Teil ist zwar weniger mit Klischees gespickt, jedoch gibt es auch hier einfach zu oft Dinge, die man als versierter Leser bereits voraus ahnt. Ebenso geht alles permanent positiv aus – egal für wen, egal für was. Ich fand dies schon ein wenig störend, da es für mich stark an der potenziellen Glaubwürdigkeit der Geschichte gekratzt hat.

Obwohl „Die Tochter der Seidenweberin“ für mich leider nicht der beste Roman der Autorin ist, ist er doch ein durchaus spannender und flüssig zu lesender Roman, der meiner Meinung nach einige Schwächen hat. Ich hoffe, dass der nächste Roman von Ursula Niehaus wieder deutlich stärker ist.

[Rezension] Die Sündenburg – Eric Walz


Verlag: Blanvalet
ISBN: 978-3442376964
Seiten: 448
Ausgabe: Paperback
Preis: €12, 00
ET: 06.2011

Anno Domini 912, am Oberrhein. Der alte Graf Agapet wird in der Burgpfalz hinterrücks ermordet. Kurz darauf heiratet seine Witwe, Gräfin Claire, erneut. Claires Tochter Elicia will den Tod ihres Vaters nicht ungesühnt lassen und stellt Ermittlungen an. Hatte ihre Mutter schon seit Längerem eine Liebesaffäre? Hat sie ihren Gatten ermorden lassen, ihn womöglich selbst getötet? Von Tag zu Tag werden Elicia ihre Mutter und ihr neuer Stiefvater immer verdächtiger…

Meine Rezension

912. Deutschland. Oberrhein.
Graf Agapet wird in seinem Bad ermordet, kurz nachdem er aus dem Krieg zurückkehrt. Seine Frau Claire heiratet gerade mal zwei Tage später einen anderen Mann und für die Tochter Elicia steht fest: Die Mutter und ihr Liebhaber haben den geliebten Vater heimtückisch ermordet, um den Weg für den Liebhaber freizumachen.
Doch auch Elicia scheint ein Motiv zu haben, ebenso wie ihr Mann Baldur, die Leibeigene Bilhildis und die Ungarin Kara, die Agapet als Trophäe aus der Schlacht mitgebracht hat.
Alles scheint kompliziert und verworren, als der Schultheiß Malvin die Ermittlungen aufnimmt und schon bald weiß er nicht mehr, wem er glauben kann und wem nicht…

„Die Sündenburg“ ist der neue historische Krimi von Eric Walz, der den vorangegangen Romanen in nichts nachsteht.
In dem gewohnten lockeren und dennoch bodenständigen Sprachstil, erzählt der Autor wieder einmal von einem Verbrechen, dass lange vor unserer Zeit geschehen ist. Das Besondere ist diesmal die Erzählperspektive: Kannte man z.B. aus „Die Giftmeisterin“ nur eine Ich-Erzählerin, so erzählen in „Die Sündenburg“ gleich fünf Menschen von den Tagen nach dem Mord. Zu Beginn mag dies erst gewöhnungsbedürftig sein, doch schnell lernt man die Vorzüge dieser Erzählperspektive schätzen.Denn diesmal erzählen alle beteiligten die Geschehnisse aus ihrer Perspektive, man lernt sie kennen und erhält somit ein ungefiltertes Bild der/des Erzählenden.
Die Figuren selbst erzählen in ihren Abschnitten ehrlich und unverblümt und lassen den Leser so an ihrem Leben teilhaben. Man hat wirklich das Gefühl, diese Charaktere kennenzulernen.

Die Handlung selbst hält sich nicht mit Unnötigem auf, sondern strebt schnell dem Höhepunkt – der Aufdeckung des Mörders – entgegen. So fliegen die Seiten nur so dahin und man sieht sich schneller als einem lieb ist mit dem Ende des Romans konfrontiert.
Der Dreh und Angelpunkt der Handlung ist in jedem Fall der Mord am Grafen Agapet. Jedoch geht es in diesem Roman auch um Familie, Liebe, Schicksal und Vergebung, die die Handlung abrunden. Dabei sind diese Themen nicht nur Nebenschauplätze, die nur angekratzt werden. Eric Walz arbeitet diese Themen wundervoll aus, sodass man Ende nicht das Gefühl hat, dass ein Aspekt unfertig geblieben ist.

„Die Sündenburg“ ist ein spannender, kurzweiliger Roman, der mir viel Freude bereitet hat. Mit diesem Roman werden nicht nur Krimifans ihre mörderische Freude haben.
Ich warte bereits jetzt sehnsüchtig auf den nächsten Roman von Eric Walz!

Eingereicht für die Challenge “Der Geschichte auf der Spur” für die Station: Frühmittelalter (05. – 10. Jahrhundert)

[Rezension] Unter der Asche – Tom Finnek


Verlag: Bastei Lübbe
ISBN: 978-3431037821
Seiten: 645
Ausgabe: Hardcover
Preis: € 22, 95
ET: 09.2009

Es ist eine Stadt voller Menschen, die in den Schatten leben. Der Straßenjunge Geoff, der in einem Taubenschlag haust. Seine schöne Schwester Jezebel, die in einer verrufenen Kneipe Bier ausschenkt. Der Künstler James Hollar, der ein Bild von ihr malt. Der Gauner Ray Webster, der vom Dieb zum Dichter wird. Menschen besessen von Kunst, von Religion, von Hass oder dem schieren Hunger nach Leben. Ein Mord an der Themse, ein seltsamer Eremit auf einem Friedhof, ein Grabstein, der eine alte Geschichte von Schuld und Sühne erzählt. Aus diesem Gemisch entspringt der Funke, der ganz London in Brand setzen wird.

Meine Rezension

All the world’s a stage,
And all the men and women merely players
~ William Shakespeare – As you like it ~

Und auch die Protagonisten aus Tom Finnek’s Roman „Unter der Asche“ dürften sich nicht nur einmal wie Spieler in einem Theater vorgekommen sein – auch der Leser wird in eine eigene Welt entführt und ist wie im Theater ganz nah dabei.
London im Jahr 1666: Kurz vor dem legendären Feuer, dass die Stadt verschlingen wird, erlebt der junge Geoffrey Ingram und seine Familie das Abenteuer ihres Lebens: Liebe, Enttäuschungen, Lügen und mehr als eine Wahrheit…und manchmal wissen alle nicht, wo ihnen der Kopf steht.

Mit sehr großer Freude habe ich endlich Tom Finnek’s Roman „Unter der Asche“ gelesen, nachdem ich ihn mir bereits im Januar 2010 gekauft habe. Und dieser wunderbare Roman kam grade zur rechten Zeit, da ich drauf und dran war in einer Lesekrise zu versinken.

Direkt zu Beginn begegnet man dem jungen Geoffrey Ingram – dieser erzählt dem Leser ungeblümt, ehrlich und frisch von der Leber weg von seinem Leben. Obwohl der junge Ingram erzählt wie im der Mund gewachsen ist und dies manchmal ein wenig ‘schnoddrig’ daher kommt, macht sein Erzählstil gerade diesen Erzählstrang zu einem echten Highlight des Romans.

Neben Geoffrey gibt es noch weitere Erzählstränge, die alle einem Protagonisten gewidmet sind. Neben der durchaus spannenden Handlung, sind es aber auch die Figuren, die einem als Leser wirklich ans Herz wachsen: Alle sind keine Adeligen oder sonst wie vom Glück verwöhnte Menschen, die plötzlich unter einer Katastrophe zu leiden haben. Nein, Finnek lässt ganz normale Bürger zu Wort kommen. Menschen, die einem damals zu Hauf auf der Straße begegnet wären. Es sind Figuren, die alle authentisch sind – keine Figur ist nur böse, oder nur gut, oder nur einfach tollpatschig oder glücklich. Alle haben ihr persönliches Schicksal zu tragen und zu erdulden – und sind dadurch absolut glaubwürdig und authentisch.

Besonders gelungen war meiner Meinung nach das Spiel mit der Wahrheit und der Lüge: Im Roman geht es u.a. auch darum Geheimnisse aufzudecken und der Autor zeigt glaubhaft und sehr detailliert, wie verschiedene Personen ein und dieselbe Begebenheit unterschiedlich auffassen und so eine Geschichte gleich mehrere Versionen bekommt.
Dieses Spiel mit Fakten läd den Leser ein, sich eine eigene Version der Ereignisse zu spinnen.

Im Roman spielt ein Theater eine nicht unwesentliche Rolle – und um in genau diesem Metier zu bleiben: Viele dank an den Autor für dieses Theaterstück und vielen Dank an die Figuren für ihr grandioses mitwirken!

Eine absolute Buchempfehlung!

[Rezension] Der Purpurhimmel – Laila El Omari


Verlag: Knaur
ISBN: 978-3426506745
Seiten: 711
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: € 9, 99
ET: 03.2011

1778: Das Leben der Offizierstochter Olivia Kilbourne ändert sich schlagartig, als ihr Vater nach Gibraltar versetzt wird. Ihre Eltern entzweien sich, ihre Geschwister scheinen etwas vor ihr zu verbergen, und der Offizier Sir John Retallick drängt sie in eine Ehe. Trotz der Unnahbarkeit, die ihn umgibt, verliebt sich Olivia in ihn. Als es zur Belagerung von Gibraltar kommt, spitzt sich ihr Schicksal jedoch dramatisch zu. Ein düsteres Geheimnis verbindet John und ihre Familie, und Olivia wird hineingezogen in ein Spiel um Vergeltung, Intrigen und Verrat.

Meine Rezension

Als Olivia Kilbourne mit ihrer Familie im Sommer 1778 in Richtung Gibraltar aufbricht, kommt ihr dies wie eine Strafe vor: Sie will eigentlich lieber in England bleiben, bei ihren Freundinnen, in ihrer Heimat und so ist sie ihrem neuen Leben alles andere als aufgeschlossen.
Die junge Frau ahnt noch nicht, dass die Halbinsel, die erst seit rund 70 Jahren zu Großbritannien gehört, ihr Leben komplett auf den Kopf stellen wird: Denn Sir John Retallick zwingt Olivia in eine Ehe und zieht sie so in einen Sumpf aus Hass, Rachsucht, Intrigen und Verrat.

„Der Purpurhimmel“ ist der erste Roman, den ich von Laila El Omari gelesen habe, aber es wird definitiv nicht mein Letzter sein

Von Anfang an hat mich die Sprache der Autorin in den Bann gezogen: Bereits die ersten Worte sind klangvoll, kräftig und dennoch sanft. So fällt nicht nur der Einstieg in den Roman besonders leicht, denn die Seiten fliegen nur so dahin. Auch der Verlauf der restlichen 700 Seiten wird so regelmäßig wie Wellen, die in einem gemäßigten Rhythmus gegen die Felsen Gibraltars schlagen.

Neben der Sprachgewalt besticht der Roman durch seine Figuren.
Man lernt in erster Linie Olivia Kilbourne kennen, die Dreh und Angelpunkt der Geschichte ist. Zu Beginn ist sie noch schüchtern, naiv und unbeholfen. Doch mit jeder Seite und jeder neuen Erfahrung merkt man, wie sich Olivia verändert, wie sie erwachsen und auch reifer wird.
Beinah ebenso interessant wie Olivia sind ihre Geschwister Stanley und Ruby, sowie ihr späterer Ehemann John Retallick. Diese drei Figuren bleiben jedoch fast bis zum Schluss Figuren mit Konturen, die darauf warten ausgefüllt zu werden. Man weiß in erster Linie nur, dass diese drei eine gemeinsame Vergangenheit verbindet und das dieses Band auch noch in Gibraltar besteht. Doch was genau das Geheimnis der drei ist, erfährt man nur in Bruchstücken während man der Handlung auf der Insel folgt. Ergänzt wird diese immer wieder durch Rückblenden, die nach und nach das Bild vervollständigen.

Der Fokus liegt während des gesamten Buches auf den Protagonisten, aber die Autorin flechtet auf eine unaufdringliche Art auch historisches Geschehen mit ein: So erleben die Protagonisten die Blockade durch Spanien zum Endes des 18.Jahrhunderts. Die Autorin gewährt dabei Einblicke in das Leben der Bevölkerung, die unter der Blockade leiden musste, erklärt, wie das Militär arbeitete, um die Insel zu verteidigen und wie man versucht hat, die Spanier zu bezwingen.

Als Leser hat man so die Gelegenheit tief in die Kargheit der Insel und in das Leben auf der Insel einzutauchen. Ich habe mich zu jeder Zeit den Protagonisten nah gefühlt und war wirklich tot traurig, als ich das Buch beenden hatte.
Ich wäre gerne länger auf Gibraltar geblieben und habe nur ungern das Schiff Richtung Realität bestiegen.

Eingereicht für die Challenge “Der Geschichte auf der Spur” für die Station: Kolonialisierung

[Rezension] Die Bruderschaft des Schwertes – Christoph Lode

Verlag: Goldmann | Leseprobe (.pdf)
ISBN: 978-3442473762
Seiten: 496
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: € 09,99
ET: 04.2011

Konstantinopel 1309. Das byzantinische Reich wird von Unruhen erschüttert. Während Raoul von Bazerat, kaiserlicher Hauptmann und einstiger Gesandter von Papst Bonifatius VIII., in Kleinasien gegen die Osmanen kämpft, wird seine Tochter Naje von beunruhigenden Visionen heimgesucht. Raoul ahnt, dass in den labyrinthischen Gärten und Palästen der Kaiserstadt eine unvorstellbare Gefahr heraufdämmert. Als Barzin Ardeshir, ein geheimnisvoller persischer Kaufmann, Naje mithilfe des fanatischen Schwertbrüderordens entführt, beginnt eine Jagd, die Raoul bis an die Grenzen der bekannten Welt führt …

Meine Rezension

Wir schreiben das Jahr 1309: Der kaiserliche Hauptmann Raoul von Bazerat lebt mit seiner Frau Jada und seiner Tochter Naje in Konstantinopel. Die Drei sind eine glückliche Familie, die ihr Leben gemeinsam genießt.
Doch Naje ist kein gewöhnliches fünfjähriges Kind: Sie hat Visionen, die großes Unheil ankünden.
Als Naje und Jada von dem persischen Kaufmann Barzin Ardeshir verschleppt werden, beginnt für Raoul eine Verfolgungsjagd. Er hofft, seine Familie lebend wieder zu finden und hofft eine Antwort auf die Frage zu finden warum der Kaufmann gerade an seiner Familie Interesse hat….

„Die Bruderschaft des Schwertes“ ist mittlerweile der vierte Roman von Christoph Lode, der seinen Vorgängerromanen in Nichts nachsteht. Auch hier erwarten den Leser wieder Abenteuer und Spannung, aber auch die emotionale Komponente kommt nicht zu kurz.

Zu Beginn des Roman lernt man neben dem Vorsitzenden des Ordens direkt den persischen Kaufmann Barzin Ardeshir kennen. Dieser macht direkt einen harten und unnahbaren Eindruck auf den Leser, der direkt in eine Abwehrhaltung gedrängt wird und ähnlich wie der Ordensvorsitzende Segewold eine starke Abneigung gegenüber dem Kaufmann empfindet. Der Prolog endet dann ziemlich schnell und eher unvorhergesehen und entlässt den Leser direkt nach Konstantinopel, wo er auf alte Bekannte trifft: Denn Raoul von Bazerat und Jada sind dem Leser bereits in Lodes Debutroman „Der Gesandte des Papstes“ begegnet. Im weiteren Verlauf des Romans trifft man auch noch auf Figuren aus dem Roman „Das Vermächtnis der Seherin“. Wenn man diese Romane kennt, ist es ein schönes Gefühl, diese Figuren wieder zutreffen und die ein weiteres Stück ihres Lebens zu begleiten. Diejenigen, die die ersten Romane nicht kennen, brauchen diese auch nicht vor der Lektüre von „Die Bruderschaft des Schwertes“ zu lesen (wobei beide Romane eine Empfehlung wert sind!), da alles was für den vorliegenden Roman wichtig ist, auch noch mal kurz im Roman selbst erwähnt wird.
Nachdem man also einmal in Konstantinopel angekommen ist, bleibt einem nicht viel Zeit und man findet sich schnell auf der Verfolgungsjagd wieder. Aber diesem Zeitpunkt geht die Handlung ihren Lauf und es findet schnell Ortswechsel, aber auch Personenwechsel statt, wenn Raoul und sein Freund Narses eine weitere Station ihrer Jagd erreicht haben.

Trotz der rasanten Handlung bleibt genug Zeit die Charaktere weiter kennen zu lernen. Da man Raoul und seinen Freund Narses die meiste Zeit begleitet, liegt der Fokus eindeutig auf den beiden Gefährten. So erfährt man als Leser, wie es Raoul in den letzten Jahren ergangen ist, was ganz aktuell seine Ängste und Befürchtungen sind und was er sich noch in seinem weiteren Leben wünscht. Auch Narses gibt einiges von sich Preis und so avanciert auch der Byzantiner zum geliebten Helden des Romans.

Wie auch in seinen beiden ersten Romanen verbindet der Autor auch in „Die Bruderschaft des Schwertes“ historische Elemente mit fantastischen Elementen. Doch wie auch schon zuvor, nehmen diese auch hier nicht überhand: Sie ziehen sich wie ein Faden durch den Roman, werden dabei aber nie so dominant, dass man als Leser das Gefühl hat, keinen historischen Roman, sondern einen Fantasyroman in der Hand zu halten. Es ist vielmehr so, dass die fantastischen Elemente sich so gut in die Geschichte fügen, dass man eher den Eindruck hat, dass es sie genauso auch wirklich jetzt und hier geben könnte.

Fazit: „Die Bruderschaft des Schwertes“ ist wieder einmal ein spannender, abenteuerreicher Roman, der mich für mehrere Stunden in seine Welt mitgenommen hat. Der Roman verzaubert den Leser nicht nur mit seinen Charakteren, seiner Atmosphäre und seiner Handlung, sondern auch durch die Handlungsorte, an die er entführt.
Leider war der Roman wie immer viel zu schnell zu Ende und jetzt bleibt wieder nur das Warten auf den nächsten Roman von Christoph Lode.

[Rezension] Das Mädchen und der Leibarzt – Sina Beerwald


Verlag: Heyne | Leseprobe (.pdf)
ISBN: 978-3453471016
Seiten: 462
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: € 08,95
ET: 03.2011

Hebamme, Heilerin, Vertraute: Wie weit kann sie gehen, um andere zu retten?

Quedlinburg im 18. Jahrhundert. Die Hebamme Helena sieht den Schwarzen Blatterntod um sich greifen. Angesichts des Leids schwört sich die wissbegierige junge Frau, ein Gegenmittel zu finden. Am Kloster darf sie auf Geheiß der Fürstäbtissin bei dem Stiftsarzt in die Lehre gehen. Dieser wehrt sich gegen eine Frau als Medicus. Als Helena fast am Ziel ist, muss sie dafür nicht nur das Leben ihrer großen Liebe aufs Spiel setzen, sondern auch ihr eigenes.

Meine Rezension

Helena ist jung, intelligent und nicht zuletzt dank ihres Berufes als Hebamme sehr an der Medizin interessiert. Ihr Fähigkeiten werden bald im Quedlinburg des 18. Jahrhunderts gefordert, als die Blattern beginnen um sich zu greifen. Sie denkt über ein mögliches Heilmittel gegen die Krankheit nach uns sieht sich leider schnell gezwungen, aus ihrem Heimatdorf zu fliehen.
Auf ihrer Flucht begegnet Helena der Fürstäbtissin eines Damenstifts und hat die Möglichkeit bei deren Leibarzt in die Lehre zu gehen. Doch Helena ahnt noch nicht, wie dies ihr Leben grundlegend verändern wird.

Der Einstieg in den Roman fällt dem Leser relativ leicht: Man lernt Helena in einer ruhigen Minute kennen und erhält gleich einen kleinen Einblick in ihr Leben. Man lernt Helena sofort kennen und fühlt sich ihr irgendwie verbunden und diese Verbundenheit wird im Verlauf des Romans noch stärker, als sie aus ihrem Dorf flieht und im Stift unterkommt.
Dort geht sie bei dem beinah zickigen Leibarzt der Äbtissin in die Lehre und verlebt so Tage in denen sie versucht etwas zu lernen und sich bestmöglich um die Patienten zu kümmern und gleichzeitig versucht sich gegen den Leibarzt zu wehren und sich gegen ihn durchzusetzen.
Gegen Ende nimmt die Handlung noch einmal richtig an Fahrt auf, als einige Behandlungen augenscheinlich schief gingen und Helena durch den Leibarzt als Mörderin bezeichnet wird. Ab da kämpft Helena gegen die Vorwürfe und muss hoffen, dass es doch noch jemanden gibt, der ihr helfen kann.

Die Figuren selbst sind der Autorin sehr gut gelungen. Jeder Charakter, sei es nun Helena oder der griesgrämige Dottore, ist ein Unikat für sich und bleibt dem Leser im Gedächtnis. Auch sind alle Figuren in ihrem Handeln authentisch und für den Leser nachvollziehbar.

Besonders gut haben mir die medizinhistorischen Fakten gefallen. Man lernt viel über die damaligen gesundheitlichen Ansichten der Zeit und findet sich im Umschwung zur modernen Medizin wieder. Für mich war es hoch interessant zu lesen, wie man sich damals gewissen Krankheiten erklärte und mit welchen Mitteln man versucht hat diese zu bekämpfen.

Die einzige Schwachstelle des Romans ist meiner Meinung nach der Schluss. Dafür, dass man sich lange Zeit mit Helena und ihren Freunden beschäftigt, kommt der Schluss dann doch leicht abrupt und vor allem schnell daher. Doch der Schluss schafft es nicht, den insgesamt positiven Eindruck des Romans zu schmälern.

Insgesamt ist „Das Mädchen und der Leibarzt“ ein spannender und unterhaltsamer Roman, der mich in eine Zeit entführt hat, in der die Medizin noch in den Kinderschuhen steckte. Gleichzeitig vermittelt der Roman einen Einblick in das Leben eines Frauenstifts, eine Welt, die sonst hinter verschlossenen Toren geblieben ist.
„Das Mädchen und der Leibarzt“ hat mir gut gefallen und ich bin daher auf die weiteren Romane der Autorin gespannt.

[Rezension] Himmelsdiebe – Peter Prange


Verlag: Pendo
ISBN: 978-3866122741
Seiten: 499
Ausgabe: Hardcover
Preis: € 19, 95
ET: 08.2010

Als Laura Paddington Harry Winter das erste Mal begegnet, glaubt sie, dem »großen Zauberer« gegenüberzustehen – jenem Mann, von dem sie seit Kindertagen träumt, damit er sie in eine andere Welt entführt. Es ist der Beginn einer großen Leidenschaft – zwischen ihr, der kaum zwanzigjährigen Malerin, und ihm, dem großen Außenseiter der Kunst. Gegen den Willen ihrer Eltern folgt Laura Harry ins Paris der Dreißigerjahre. Als sich auch dort die Welt gegen die beiden verschwört, fliehen sie nach Sainte-Odile, ein Dorf in den Pyrenäen, das zum Paradies ihrer Liebe wird. Einem Paradies, aus dem sie schon bald vertrieben werden. Denn die Zeiten sind dunkel. Und so muss sich in einer Odyssee, die sie quer durch Europa führt, zeigen, was stärker ist: die Wirklichkeit oder die Fantasie. Die Barbarei oder die Liebe.

Meine Rezension

Laura ist zarte 19 Jahre als sie auf einer Vernissage den wesentlich älteren Harry Winter kennen lernt, der in Deutschland zu den entarteten Künstlern zählt.
Sie verliebt sich Hals über Kopf in den charismatischen Maler und ist flieht mit ihm in ein kleines Dorf in Frankreich, um dort ihre Liebe zu zelebrieren, gegen die alle Welt zu sein scheint.
Dort sind die beiden nur mit sich, ihrer Liebe und der Malerei beschäftigt.Was im übrigen Europa, und vor allem Deutschland vor sich geht, ist ihnen egal, denn für sie gibt es nur ihre geschaffene Welt.
Doch als der zweite Weltkrieg ausbricht droht ihre Welt Risse zu bekommen und es muss sich zeigen, was stärker ist: die Liebe, die Malerei oder doch die Wirklichkeit?

Mit „Himmelsdiebe“ habe ich meinen zweiten Roman von Peter Prange gelesen und ich hatte große Erwartungen an den Roman, da mir „Der letzte Harem“ von ihm ausgesprochen gut gefallen hat. Und diese Erwartungen sind nicht enttäuscht worden.

Allerdings war ich, wie ich zugeben muss, zu Beginn etwas enttäuscht von dem Buch. Denn letzten Endes habe ich so etwas in der Art wie „Der letzte Harem“ erwartet, aber „Himmelsdiebe“ ist anders. Würde auf dem Cover nicht der selbe Autorenname stehen, hätte ich wohl daran gezweifelt, dass beide Bücher von Peter Prange geschrieben wurden.

In „Himmelsdiebe“ entführt der Autor den Leser in die Zeit des 2.Weltkriegs. Eine Zeit, in der es vor körperlicher Bedrohung nur so stinkt und viele Menschen die Hoffnung auf ein friedliches, sicheres Leben aufgegeben haben.
Mitten in der unsicheren Lage versuchen sich Laura und Harry ein friedvolles und harmonisches Leben aufzubauen, ein Leben, das sie selbst gestalten und in dem die eigentliche Wirklichkeit keinen Platz hat. Die beiden gehen sogar soweit und versehen ihr Haus mit Schutzgeistern, die die Welt aus ihrer fernhalten sollen.
Es ist faszinierend zu lesen, wie die beiden in ihrer eigenen Welt leben, was sie beschäftigt und bewegt und immer wieder stellt man sich die Frage: wann wird die Wirklichkeit die beiden einholen?

Als es dann passiert, bangt man mit beiden und hofft, dass sie diese Situation gemeinsam überstehen werden und ihr Glück kein jähes Ende findet. Doch hier muss man sich unweigerlich die Frage stellen: Reicht Liebe, reicht die Malerei um zwei Menschen zu vereinen?

Die Charaktere in „Himmelsdiebe“ sind liebenswert, fragwürdig, sympathisch und ablehnenswert zugleich, sie sind einfach authentisch und sorgen dafür, dass ich zu jedem Zeitpunkt das Gefühl hatte, dass die Geschichte genauso hätte verlaufen können.

Letzten Endes fehlen mir selbst nach 2 Wochen immer noch die Worte um diesen außergewöhnlichen Roman zu beschreiben. Man muss ihn einfach selbst lesen, um seinen Zauber zu erliegen.
„Himmelsdiebe“ ist ein Gemälde für sich und lädt zum träumen und mitfiebern ein. Ich habe den Roman sehr gerne gelesen und denke immer noch gerne daran zurück.

Eingereicht für die Challenge “Der Geschichte auf der Spur” für die Station: Nationalsozialismus & Zweiter Weltkrieg

[Rezension] Die Ludwig Verschwörung – Oliver Pötzsch


Verlag: Ullstein
ISBN: 978-3548282909
Seiten: 553
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: € 9, 95
ET: 03.2011

Steven Lukas, ein Antiquar aus München, findet in seinen Regalen ein ihm unbekanntes altes Buch. Schon bald merkt er, dass es sich dabei um das Tagebuch eines engen Vertrauten von Ludwig II. handelt, den Assistenten des königlichen Leibarztes Max Schleiß von Loewenfeld. Das über hundert Jahre alte Buch ist in einer geheimen Kurzschrift verfasst, die Lukas nur Stück für Stück entziffern kann. Der ungeheuerliche Fund könnte die wahren Umstände des Todes von Ludwig II. verraten! Doch offenbar haben verschiedene Parteien ein Interesse daran, die Veröffentlichung des Tagebuchs zu verhindern. Und ein Fanatiker geht dabei über Leichen. Gemeinsam mit der Kunstdetektivin Sara Lengfeld gelingt es Lukas, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen – eine Rätselreise, die die beiden zu sämtlichen Schlössern des Märchenkönigs führt.

Meine Rezension

Ludwig II von Bayern ist beinahe jedem ein Begrifft – und das nicht nur auf Grund seiner Schlösser wie Neuschwanstein. Denn auch sein Tod ist bis heute nicht ganz aufgeklärt.

Das ist auch in etwa das, was der Antiquar Steven Lukas von legendären König weiß.

Als er dann in seinem Laden plötzlich das Tagebuch eines Vertrauten Ludwigs findet, ändert sich plötzlich sein ganzes Leben. Nicht nur, dass er die schöne Kunstdedektivin Sara Lengfeld kennen lernt, nein, er schwebt auch plötzlich in Lebensgefahr: Es gibt jede Menge Menschen, die für dieses Tagebuch töten wurden….

 

Oliver Pötzsch schreibt in seinem Nachwort zum Roman, dass man schier selbst meint verrückt zu werden, wenn man sich mit Ludwig II befasst und selbst ein Buch über den Monarchen verfassen möchte.

Doch der Autor scheint zum Glück bei seinen Recherchen alles andere als verrückt geworden zu sein, denn sonst würde man als Leser nicht in die Welt seines Romans „Die Ludwig Verschwörung“ eintauchen können.

 

Dieser historische Krimi wartet wie so einige andere aus dem Genre mit zwei Erzählebenen auf: Zum einen begleitet man Sarah und Steven, die mit dem Tagebuch vor ihren Verfolgern fliehen und dabei versuchen, dem Geheimnis des Tagebuchs auf die Schliche zu kommen.

Auf der anderen Seite haben wir das Tagebuch selbst, dass man wie die Protagonisten lesen kann. Das ist natürlich sehr spannend, da man beginnt mitzurätseln: Ist Ludwig II wirklich ermordet worden? Wenn ja, von wem? Oder musste sein Vertrauter ein anderes Geheimnis Ludwigs wahren?

 

Die Jagd nach dem Geheimnis wird natürlich von allen möglichen Zwischenfällen begleitet. Diese fügen sich jedoch perfekt in die Geschichte ein, man hat nie das Gefühl, dass plötzlich Probleme auftauchen nur um die Auflösung zu verzögern.

Der Handlungsverlauf selbst ist somit sehr authentisch – alles könnte genau so auch wirklich passieren.

 

Sehr gelungen fand ich auch die Charaktere.

Da ist zum einen der ‘bayerische Kini’, den viele für wahnsinnig hielten. Oliver Pötzsch schafft es, den legendären Monarchen erneut lebendig werden zu lassen. Beeindruckt hat mich dabei vor allem, dass er es schafft, den König nicht eindeutig als wahnsinnig oder ‘normal’ wirken zu lassen. Jedem bleibt es so selbst überlassen sich seinen eigenen Teil zu denken: War er wahnsinnig oder doch nur ein Exzentriker, der nicht in seine Zeit gehörte?

Auch die Protagonisten der Gegenwart, Sara und Steven, sind Originale für sich. Beide haben ihre Geschichte, ihre Makel, ihre Stärken und alle kommen sehr gut zur Geltung ohne überspitzt zu wirken. Auch die Beziehung zwischen den beiden ist im Roman immer wieder Thema, doch der Autor schafft es, diese sehr gut in den Roman einzuflechten und dabei nie sein Ziel aus den Augen zu verlieren.

 

Ich jedenfalls hatte sehr großen Spaß mit „Die Ludwig Verschwörung“ und habe jetzt nicht übel Lust noch mal nach Neuschwanstein zu fahren.

Wer diesen Roman liest, hat für ein paar Stunden sehr gute und spannende Unterhaltung, die gerade zum Schluß noch mit ein paar Überraschung aufwarten kann.

Für mich eines der besten Bücher dieses Jahres!

[Rezension] Im Labyrinth der Fugger – Rebecca Abe


Verlag: Gmeiner Verlag
ISBN: 978-3-8392-1144-1
Seiten: 453
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: € 12,90
ET: 03.2011

Augsburg, Ende des 16. Jahrhunderts. Nach dem Tod des mächtigen Anton Fugger wird dessen Millionenvermögen gleichmäßig auf alle Nachkommen verteilt. Christoph Fugger, ein Egoist und Frauenfeind, will die Kinder seines Bruders Georg Fugger ins Kloster bringen lassen, um die Zahl der Erben zu dezimieren. Dazu verbündet er sich mit dem Jesuiten Petrus Canisius. Nur Georg Fuggers Tochter Anna ahnt, welch perfides Spiel der Augsburger Domprediger treibt …

Meine Rezension

Die Fuggerfamilie ist die wohl berühmteste und einflussreichste Familie in Augsburg. Bei ihr stehen sogar Adelige und Kleriker in der Schuld.

Als das Familienoberhaupt stirbt, versucht Christoph Fugger die Anzahl der möglichen Erben zu verringern, damit für ihn mehr übrig bleibt. Dazu schmiedet er einen Plan mit dem Jesuiten Petrus Canisius: Christophs Nichten und Neffen sollen allesamt im Kloster verschwinden.

Darunter auch Anna Jacobäa Fugger….

Der Klappentext verspricht einen spannenden Renaissance-Thriller. Während ich den „Thrill“ vergeblich gesucht habe im Roman, traf ich auf einen durchaus lesenswerten und bei Zeiten auch spannenden Roman, aber ich wäre vorsichtig, auf Grund dieser Bezeichnung auch eine Art Thriller zu erwarten.

Rebecca Abe erzählt die Geschichte von Anna Fugger, die tatsächlich mit ihren Geschwistern auf Grund einer Intrige ihres Onkels im Kloster landet. Dies wird durchgängig aus Annas Sicht geschildert und lässt den Leser eine besondere Beziehung zu ihr aufbauen. Die Erzählweise hat natürlich zur Folge, dass man als Leser nur wenig mehr weiß als Anna wissen kann.

Und genau das hat mich zuweilen wirklich gestört, denn wenn ich nicht gewusst hätte durch den Klappentext, dass es bei der Klostergeschichte um Manipulation handelt, hätte ich wirklich fragend vor dem Buch gesessen, denn das Thema Intrige durch Christoph Fugger findet kaum bis gar keine Erwähnung. Daher hatte ich nicht selten das Gefühl, dass ich so vor mich hinlese und keinen blassen Schimmer hatte, wohin die Geschichte führen soll. Irgendwie fehlte mir eine Art roter Faden. Daher war ich zum Ende des Buches hin auch etwas enttäuscht, dass es schon zu Ende ging, denn während vieles im Vorfeld sehr ausführlich beschrieben wurde, geriet das Ende doch irgendwie eher kurz und mir fast zu plötzlich.

Trotz dieses Kritikpunktes hat mir das Buch unterm Strich gut gefallen, denn ich habe einen Einblick in eine Familie bekommen, die mir schon sehr oft in anderen Romane begegnet ist und mich wirklich interessierte. So regte mich dieser Roman sogar dazu an, mir ein Sachbuch über die Familiengeschichte der Fugger zu kaufen.

Besonders gut gefallen haben mir die Charaktere.

Die Autorin hat es geschafft aus allen Personen, die schon so lange tot sind, wieder lebendige Persönlichkeiten zu schaffen und diese in all ihren Facetten zu beleuchten. So ist Anna nicht unbedingt nur die Gute, während ihr Bruder Phillip durch und durch Böse ist. Sie schafft Zwischenräume in ihren Charakterbeschreibungen und lässt die Familie Fugger authentisch erscheinen.

Abgerundet wird der Roman durch eine wie immer liebevolle Gestaltung durch den Gmeiner Verlag.

Auch wenn mich „Im Labyrinth der Fugger“ nicht absolut überzeugen konnte, so hatte ich doch ein paar schöne Lesestunden mit dem Roman und ich hoffe wirklich, dass Rebecca Abes nächster Roman wieder ein historischer sein wird, denn trotz Kritikpunkte hatte ich das Gefühl von der Autorin mit auf eine kleine Zeitreise genommen worden zu sein.

Hier bin ich dabei

Buchcouch-Banner klein

Buecher-Challenges-Banner rund

In meiner Leselotte:
Bücherblogs
Bücherlinks
Autorenblogs
Autorenhps