Belletristik
[Rezension] Der Besucher – Sarah Waters

Verlag: Lübbe
ISBN: 978-3431038309
Seiten: 571
Ausgabe: Hardcover
Preis: € 19,99
ET: 05.2011
Hundreds Hall, ein majestätisches Anwesen im ländlichen England. Hier wohnt die verwitwete Mrs. Ayres mit ihren erwachsenen Kindern Caroline und Roderick. Als der Landarzt Dr. Faraday wegen eines Notfalls herbeigerufen wird, ist er wie gebannt von der geheimnisvollen Atmosphäre des Hauses. Schon bald erfährt er, dass in Hundreds Hall merkwürdige Dinge geschehen: Möbelstücke, die ein Eigenleben führen, kryptische Zeichen, die plötzlich an den Wänden auftauchen, bedrohliche Geräusche, die unerklärbar scheinen.
Dr. Faraday begegnet der wachsenden Panik der Familie zunächst mit Ruhe und Beschwichtigung. Doch das Schicksal der Ayres nimmt unaufhaltsam seinen Lauf – und ist enger mit seinem eigenen verwoben, als er ahnt …
Meine Rezension
Der zweite Weltkrieg ist noch nicht lange vorüber, als Dr. Faraday das Herrenhaus Hundreds Hall betritt, weil man ihn wegen eines Notfalls gerufen hat.
Das alte Herrenhaus, dass der Arzt bereits aus Kindertagen kennt, hat leider einiges von seinem alten Glanz verloren. Überall lauert der Verfall.
Der Arztbesuch an diesem Sonntag soll nicht Dr. Faradays letzter Besuch auf Hundreds sein, denn schon bald geht er nicht nur als neuer Hausarzt der Familie Ayres dort ein und aus, sondern auch als Freund der Familie. Und als solcher wächst Dr. Faradays Besorgnis von Tag zu Tag, denn mit jedem verstreichenden Tag scheint nicht nur das Haus zu verfallen, sondern auch die Gesundheit aller Familienmitglieder. Wobei Dr. Faraday nicht sicher zu sagen weiß, ob alle Ayres dem Wahnsinn anheim fallen, oder ob nicht doch eine geheimnisvolle Macht auf Hundreds lebt…
Es ist bereits 3 Jahre her, dass ich von Sarah Waters „Die Frauen von London“ gelesen habe und wirklich begeistert von dem Roman war. Daher habe ich mich auch schon richtig auf ihren neuesten Roman „Der Besucher“ gefreut.
Doch meine anfänglichen Erwartungen und Freude wurden erst einmal gedämpft und wichen einer leisen Enttäuschung.
Der Roman beginnt beschaulich und ruhig. Man bekommt so die Gelegenheit sich ein eigenes Bild aller Protagonisten und ihrer Lebenswelt zu machen. Doch danach könnte es mir der Handlung ja endlich voran gehen….Denkt man. Doch bis ungefähr Seite 130 tut sich nicht viel in dieser Hinsicht und die Handlung plätschert so vor sich hin.
Erst wenn man sich durch die ersten 130 gelesen hat, nimmt die Handlung endlich an Fahrt auf: Denn auf Hundreds Hall geschehen nun merkwürdige Dinge: Flecken tauchen an Wänden auf, man hört Klopfgeräusche hinter der Wand, Möbel bewegen sich wie von selbst…
Und ab hier wird es interessant. Man wartet als Leser nur darauf, was nun als nächstes in dem Herrenhaus passiert und was die Gründe für die merkwürdigen Vorfälle sein könnten. Man beobachtet die Familie, die die Vorfälle immer ernster nimmt und Dr. Faraday, der für alles immer eine „natürliche“ Erklärung hat. Man stellt sich immer wieder die Frage: Spukt in Hundreds Hall ein Geist oder bilden sich die Ayres alles nur ein?
Was mich an dem Roman sehr beeindruckt hat, war, dass die Autorin nicht nur sehr präzise und lebendig das verfallene Haus schildert und den Personenkreis, der dort ein und ausgeht, sondern gleichzeitig einen sehr guten Eindruck vom ländlichen Leben im Nachkriegsengland vermittelt. Die Autorin ist eine hervorragende Beobachterin und schafft es diese Beobachtungen zu den Beobachtungen des Lesers zu machen; es ist fast so, als sei mal selbst bei jedem Schritt der Familie Ayres auf Hundreds Hall dabei.
Einziges Manko des Romans sind meiner Meinung nach der lange Anlauf der Handlung und das Ende, welches ich unbefriedigend fand. Während die Handlung genug Platz hat, wirkt das Ende so, als wäre der Autorin plötzlich aufgefallen, dass sie nur noch 2 Seiten schreiben darf. Es wirkt gehetzt und nicht komplett. Das ist schade, weil es den guten Eindruck des Romans schmälert.
Insgesamt ist „Der Besucher“ ein solider Roman, der einen sehr gut unterhält. Insgesamt hatte ich mir jedoch mehr erwartet und hoffe auf den nächsten Roman der Autorin.
Die fernen Stunden – Kate Morton

Verlag: Diana Verlag | Leseprobe (.pdf)
ISBN: 978-3453290945
Seiten: 716
Ausgabe: Hardcover
Preis: € 21, 99
ET: 12.2010
Es beginnt mit einem verloren geglaubten Brief. Ein halbes Jahrhundert hat er darauf gewartet, gelesen zu werden. Die Suche nach dem Absender führt die junge Edie nach Milderhurst Castle, wo seit Jahrzehnten die exzentrischen Blythe-Schwestern leben. Als Edie das verfallene Schloss betritt, beginnt sie zu ahnen, dass hinter den alten Mauern der Schlüssel zur rätselhaften Vergangenheit ihrer Mutter liegt.
London 1939: Als die ersten Bomben auf die Stadt fallen, befindet sich die zwölfjährige Meredith mit einer Gruppe evakuierter Kinder auf dem Weg nach Kent, wo sie Zuflucht bei einer fremden Familie findet. Staunend und eingeschüchtert zieht sie auf das herrschaftliche Milderhurt Castle, wo die siebzehnjährige Juniper mit ihren Zwillingsschwestern und ihrem Vater, dem bekannten Schriftsteller Raymond Blythe, lebt. Sie taucht ein in eine Welt der Geschichten und der Fantasie — bis etwas geschieht, das das Leben des Mädchens für immer verändert. Nie ist sie nach Milderhurst zurückgekehrt, doch das Auftauchen eines lange verschollenen Postsacks führt ihre Tochter Edie auf die Spur einer geheimnisvollen Vergangenheit. Innerhalb der düsteren Gemäuer kommt mehr ans Licht, als Edie sich je hätte vorstellen können. Damals geriet auch die Welt der jungen Juniper Blythe aus den Angeln, doch vielleicht ist es noch nicht zu spät, Vergangenheit und Gegenwart miteinander zu versöhnen.
Wieder erschafft Kate Morton eine Welt voller Zauber und Geheimnisse, die einen bis zur letzten Seite fesselt.
Meine Rezension
Manchmal nimmt das Leben merkwürdige Wendungen: 50 Jahre nach Ende des 2.Weltkrieges findet eine Tochter einen Sack alter Briefe auf dem Dachboden ihres verstorbenen Vaters. Dieser hat damals nach einer durch zechten Nacht die Briefe nicht ausgeliefert und so gelangen die Empfänger erst ein halbes Jahrhundert später in den Besitz ihrer Einladungen, Geburtstagskarten und Liebesbriefe.
Auch Edie Burchills Mutter ist Empfänger eines solches Briefes und mit dem Brief lernt Edie ihre Mutter erst kennen. Und mit ihr die Blytheschwestern, die immer noch auf Schoß Milderhurst leben….
Als ich die letzte Seite dieses 700 seitigen Schmökers aus der Hand gelegt hatte, hatte ich immer noch eine Gänsehaut. Kate Morton erzählt die Geschichte einer Familie, die in ihrer eigenen Welt lebt auf eine spannende, mysteriöse und schaurig schönen Weise.
Der Roman beginnt mit einem Brief, der 50 Jahre verschollen war. Mit diesem Brief tritt Edie Burchill eine Reise in die Vergangenheit ihrer Mutter, aber auch in die Vergangenheit einer interessanten und verschrobenen Familie an.
Diese Familie besteht zum Zeitpunkt, als Edie diese auf ihrem Schloss besucht, aus den drei Schwestern Blythe: Percy, Saffy und June. Alle drei sind nun betagte Damen und durch und durch verschroben und exzentrisch. Es ist nicht leicht mit ihnen auch nur eine normale Unterhaltung zu führen und man fragt sich wie Edie, warum die Drei so sind wie sie sind und was sie erlebt haben, dass sie sich auf ihrem Schloss verkriechen und sich in der Welt kaum blicken lassen.
Gemeinsam mit Edie geht man auf Spurensuche und taucht ein in eine andere Welt: ins England der vierziger Jahre.
Die Autorin schafft es mit ihrem Schreibstil die Tage des zweiten Weltkrieges wieder auferstehen zu lassen und man meint beinah, dass man neben den Schwestern steht und die deutschen Bomber, die England bedrohen selbst hören kann. Kate Morton nimmt ihre Leser so mit auf eine Zeitreise und gewährt Einblicke in die Geheimnisse einer Familie.
Diese Geheimnisse legt die Autorin erst zum Schluss offen, sodass man als Leser selbst wie Edie rätseln kann und darf.
Bei all der Geheimniskrämerei kommen aber die Gefühle nicht zu kurz: Man liest von Wünschen, Träumen, Sehnsüchten und Hoffnungen. So werden vor allem die Schwestern lebendig und man hat am Ende des Romans ein wenig das Gefühl, sie zu kennen, mit ihnen ein Stück ihres Lebens zusammen gegangen zu sein.
Als ich das Buch zugeklappt habe, hatte ich sogar ein paar Tränen in den Augen. Nicht nur, dass die Geschichte etwas tragisches hat, ich musste mich auch von lieb gewonnen Figuren verabschieden und in meine eigene kleine Welt zurückkehren, die mir mit einem Mal etwas trostlos vorkam ohne die Geschwister Blythe.
Fazit: „Die fernen Stunden“ ist ein faszinierender Schmöker, der zum träumen einlädt und einen in eine anderen Welt entführt. Leser, die gerne Familiengeschichten lesen und verschrobenen Charakteren etwas abgewinnen können, werden das Buch lieben!
[Rezension] Das Affenhaus – Sara Gruen

Verlag: Kindler
ISBN: 978-3463406022
Seiten: 406
Ausgabe: Hardcover
Preis: € 19, 95
ET: 03.2011
Isabel Duncan ist Wissenschaftlerin an einem Institut für Menschenaffen. Sie arbeitet mit Bonobos, einer Schimpansenart, die eine große Begabung für Sprache besitzt. Menschen bleiben Isabel oft ein Rätsel. Wohler als unter ihresgleichen fühlt sie sich bei den ihr anvertrauten Affen. Als eines Tages im Institut eine Bombe explodiert, wird Isabel schwer verletzt. Die Affen flüchten in Panik. Eine dramatische Suche beginnt …
Meine Rezension
Isabel Duncan hat ihr Leben den Bonobos verschrieben. Ihr größtes Glück ist daher das Labor, in dem sie nah mit den Menschaffen zusammen sein kann und eine nahe Beziehung zu ihnen aufbauen konnte.
Alles ist perfekt – bis zu dem Tag, an dem das Labor in die Luft gejagt wird. Isabel wird schwer verletzt, aber ihre größte Sorge ist nicht sie selbst, sondern die Affen: Denn wo diese sind und was auch ihnen geworden ist, scheint lange nicht klar zu sein.
Verzweifelt sucht sie mit der Hilfe des Journalisten John Thigpen nach den Affen.
Der Debutroman der Autorin hat mir seiner Zeit sehr gut gefallen. Ich habe die Atmosphäre, die zum greifen dicht war, geliebt, die Charaktere waren mit viel Liebe zum Detail gestaltet und die Welt des Zirkus ist vor meinen Augen auferstanden.
Es war ein so detailreicher und lebensfroher Roman, dass ich mich auf ihren neuen Roman „Das Affenhaus“ richtig gefreut habe.
Aber für mich läuft der Roman fast ein wenig in der Kategorie „Außer Spesen nix gewesen“.
Mir erschien es fast so, als sei sich die Autorin nicht ganz sicher, was sie mit ihrem Roman möchte: Über die Bonobos berichten, oder das us-amerikanische Medienverhalten kritisieren?
Das Buch fängt ganz beschaulich mit einem Besuch des Journalisten John Thigpen und seinen Kollegen im Haus der Bonobos an. Dieser wird lebhaft geschildert und man bekommt einen sehr plastischen Eindruck vom Charakter dieser Affen. Vor allem merkt man der Autorin an, dass sie selbst von diesen Tieren unglaublich beeindruckt ist.
Allerdings vermittelte mir dieser Anfang bis zu einem gewissen Grad einen falschen Eindruck, denn mit voranschreitender Handlung sind die Affen zwar immer noch Thema und ziehen sich wie ein roter Faden durchs Buch, aber irgendwie scheinen sie nur noch „Mittel zum Zweck“ zu sein.
So geht es immer wieder um die persönlichen Probleme von Isabel Duncan und um die Ehe des Journalisten.
Die Affen kamen mir da wesentlich zu kurz.
Die Handlung selbst ist grade zu Beginn ziemlich beschaulich und kommt erst mal nur langsam in Fahrt. 50 Seiten vor Schluß galten meine Gedanken der Frage, wie man das nun ordentlich zu Ende bringen könnte. Aber wie ich leider feststellen musste gab es wohl nur die Antwort: Gar nicht?!
Das Ende kam mir dann im Vergleich zum Rest des Romans doch sehr plötzlich daher. Zwar werden keine wichtigen Fragen offen gelasssen und alles beantwortet, aber dies nur irgendwie unscheinbar und beinah wie nebenbei.
Das Buch habe ich dann doch eher enttäuscht zugeklappt. Vor allem, da ich mich nicht gegen einen Vergleich mit „Wasser für die Elefanten“ wehren konnte, das meiner Meinung nach um Längen besser ist.
Schade, denn „Das Affenhaus“ hätte ein so toller Roman werden können. Ich hoffe nun auf den nächsten Roman der Autorin.
[Rezension] John Boyne – The Boy in the Striped Pyjamas
Verlag:Random House UK
ISBN: 978-1849920438
Seiten: 216
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: € 08,80
ET: 04.2010
Where is ‘Outwith’ and who is Bruno? How is he connected? Soon he will meet the boy in striped pyjamas and befriend him. But why must the boy stay behind the wire?
Meine Rezension
Zu diesem Buch möchte ich keine Rezension schreiben, wie ich es ‘sonst’ immer tue. Diesmal möchte ich viel mehr einfach ein paar Gedanken festhalten, die mir während des Lesens und danach gekommen sind aber auch immer noch durch meinen Kopf geistern….
Ich bin mit hohen Erwartungen an das Buch gegangen, aber diese wurden bei Weitem nicht erfüllt. Ich will zwar nicht direk von Enttäuschung reden, aber mein Empfinden grenzt sehr stark an diese Empfindung.
Inhaltlich finde ich die Idee, die der Autor hatte nicht schlecht. Ich möchte zwar nicht von der Neuerfindung des Rades sprechen, aber für mich hatte die Idee einen neunjährigen Jungen eine Freundschaft mit einem Juden pflegen zu lassen, der in einem KZ sitzt, etwas sehr reizvolles.
Und auch das Ende der Geschichte war für mich eigentlich nur folgerichtig und passt zu der Geschichte.
Aber da gibt es ein, naja mehrere, großes Aber: mir hat die Umsetzung der Idee während des ganzen Romans nicht gefallen.
Und ich kann glaube ich zum Teil immer noch nicht genau sagen, was mich alles stört und in welchen Dimensionen es mich stört.
Zum einen hat mich Brunos Naivität gestört.
Es hat mich sehr gewundert, dass der Sohn eines Nazioffiziers keine Ahnung haben wollte, wie es sich mit den Juden verhält. Das ist etwas, was ich mir nur schwer vorstellen kann. Klar, ich erwarte nicht, dass er von der Aufgabe oder Existenz von KZs wusste, aber das Juden aus der Gesellschaft ausgestoßenen sind…?
Dann: Wenn ich einen Roman über den Nationalsozialismus schreibe, dann nenne ich die Dinge auch beim Namen. So hat es mich schon sehr gestört, dass um gewisse Dinge drum herum geredet wurde, anstatt sie direkt zu benennen. So z.B. beim Hitlergruß – wieso muss man es mit fast 6 Sätzen umschreiben? Das macht auf mich einen irgendwie zögerlichen und unsicheren Eindruck.
Das Buch wird viel in die Sparte „Jugendbuch“ gesteckt. Dort kann es meiner Meinung nach gerne bleiben, aber ich denke, dass es wirklich eher für ältere Jugendliche geeignet ist, die vielleicht schon mehr in der Lage sind das zu reflektieren, was sie lesen.
[Rezension] Frühstück mit Proust – Frédérique Deghelt

Verlag: Rütten & Loening
ISBN: 978-3352007927
Seiten: 286
Ausgabe: Hardcover
Preis: € 16,95
ET: 09.2010
Das Schicksal führt die achtzigjährige Mamoune und ihre umtriebige junge Enkelin Jade unter einem Pariser Dach zusammen. In ihrer merkwürdigen Zweier-WG lernen Großmutter und Enkelin sich neu kennen. So entdeckt Jade, die am liebsten Schriftstellerin wäre, eines Tages, wie ihre scheinbar ungebildete Großmutter heimlich hochliterarische Bücher verschlingt – über die gemeinsame Leidenschaft fürs Lesen kommen sich die beiden Frauen immer näher.
Meine Rezension
Familie keinen Platz hat oder aber, weil der lästige Angehörige, der immer mehr Hilfe braucht abgeschoben werden soll…
Ein ganz ähnliches Schicksal droht Mamoune nach einem Schwächeanfall: Ihre Töchter wollen sie in ein Hospiz geben.
Doch ihre Enkelin Jade holt ihre Mamoune aus dem kleinen Dorf in die Großstadt Paris. Dort lernen sich Großmutter und Enkelin ganz neu kennen.
Der Roman „Frühstück mit Proust“ von Frédérique Deghelt greift ein Thema auf, dass in unserer Gesellschaft immer wichtiger wird: Wie wollen wir mit unseren älteren Mitbürgern umgehen? Welche Rolle wollen wir ihnen in der Gesellschaft zuweisen? Wirklich nur die der Störfaktoren, die in ein Heim abgeschoben werden müssen?
An dem Beispiel von Mamoune und ihrer Enkelin Jade zeigt die Autorin, dass es auch anders gehen kann: Die beiden Frauen beginnen ein neues, gemeinsames Leben in dem es zu Beginn natürlich ein paar Schwierigkeiten gibt. Allerdings gelingt es den beiden durch gemeinsame Gespräche diese aus dem weg zu räumen.
Es ist herrlich zu sehen, wie die beiden sich annähern und eine Gemeinschaft werden und ihr Leben zusammen meistern.
Einziger Wermutstropfen: Mir hat stellenweise die Umsetzung dieser durchaus herrlichen Idee nicht gefallen.
Die Geschichte wird sowohl aus der Sicht Jades als auch aus der der Großmutter erzählt. Dies ist auf der einen Seite schon vorteilhaft, da man die Gedanken und Gefühle beider Parteien kennenlernt, aber: Die Autorin wiederholt sich gerade bei den Gedanken von Mamoune sehr häufig. Die alte Dame hat immer wieder die Sorge, dass sie ihrer Enkelin zur Last fällt und das, obwohl sie doch unbedingt nützlich für ihre Enkelin sein möchte.
Ich hatte ständig irgendwie das Gefühl, dass sich gewisse Gedankengänge wiederholen und man nicht vom Fleck kommt.
Das führte dazu, dass ich das Buch erst sogar eher langweilig fand und ein wenig enttäuscht war.
Aber „Frühstück mit Proust“ ist ein Buch, dass erst wirkt, wenn man es zu Ende gelesen hat und eine Kleinigkeit im Prolog erfährt. Diese Kleinigkeit, die ich hier nicht verraten möchte, verhilft einem zu einer ganz anderen Ansicht und sorgt dafür, dass das Buch einen wirklich zum Nachdenken anregt.
Fazit: „Frühstück mit Proust“ ist sicherlich ein Buch, dass von der Umsetzung her nicht hundertprozentig überzeugen kann, aber die Idee, die hinter diesen Seiten steckt ist aktuell und lesenswert.
Daher lohnt sich ein Blick in dieses Buch!
[Rezension] Die Seele der Wüste – Jane Johnson

Verlag: Page & Turner | Leseprobe (.pdf)
ISBN: 978-3442203444
Seiten: 500
Ausgabe: Hardcover
Preis: € 16,99
ET: 08.2010
London: Die erfolgreiche Steuerberaterin Isabelle Fawcett führt ein zufriedenes, aber wenig aufregendes Leben. Doch eines Tages macht Isabelle auf dem Dachboden ihres Elternhauses eine Entdeckung: In einer alten Schachtel findet sie ein silbernes Tuareg-Amulett mit einer geheimen Inschrift. Das Geheimnis des Amuletts lässt Isabelle nicht mehr los. Und so reist sie in die Sahara, um dem Rätsel auf den Grund zu gehen. Bei ihren Nachforschungen stößt sie immer wieder auf den Namen Mariata.
Marokko, etwa fünfzig Jahre früher: Die junge Tuareg Mariata verliebt sich in den Krieger Amastan. Doch ihr Vater zwingt sie, mit ihm und seiner neuen Frau in ein Haus im Süden von Marokko zu ziehen. Als er sie auch noch gegen ihren Willen verheiraten will, flieht Mariata in die Wüste. Voller Sehnsucht begibt sie sich auf eine lange, beschwerliche Reise quer durch die Sahara – immer auf der Suche nach Amastan.
Je mehr Isabelle über die Geschichte von Mariata erfährt, umso deutlicher wird, dass ihr Leben und das der Tuareg untrennbar miteinander verbunden sind.
Meine Rezension
Isabelle hatte schon als Kind kein gutes Verhältnis zu ihren Eltern. Als dann ihr Vater stirbt, scheint sich für die erfolgreiche Steuerberaterin nichts zu verändern. Doch sie folgt, wenn auch etwas widerwillig, einer Spur ihres Vaters: Mit einem Tuareg-Medaillon und ihrer besten Freundin fährt sie nach Marokko, um heraus zu finden, welche Bedeutung dieses Schmuckstück in ihrem Leben hat…
Jane Johnson erzählt die Geschichte des Medaillons in zwei Erzählsträngen: Man lernt zuerst Isabelle kennen und erfährt, wie sie zu dem Medaillon kommt. Danach nimmt die Autorin den Leser mit nach Marokko und stellt ihr die junge Mariata vor.
Und so geht es auch abwechselnd immer und immer weiter, den ganzen Roman durch. So kommt man in jedem Handlungsstrang nur langsam voran.
Auf der einen Seite erzeugt dieses versetzte erzählen für jede Handlung eine gewissen Spannung, aber es wird auch hin und wieder lästig. Man bleibt nie wirklich lange bei Isabelle oder Mariata. Hat man sich daran gewöhnt, mit einer der beiden Frauen seine Phantasie zu teilen, muss man sich auch schon wieder auf die andere einlassen. An einigen Stellen fand ich das Buch daher sehr unruhig und zerstückelt.
Auch lernt man die beiden Frauen meiner Meinung nach nicht richtig kennen, weil man zu wenig Zeit mit ihnen am Stück verbringen kann. Zwar schafft es die Autorin genug Hinweise zu geben, so dass man sich denken kann, wie diese Frauen sind, aber für mich war es fast zu wenig. Ich hätte mir das mehr Tiefe gewünscht.
Die Geschichte selbst fängt sehr ruhig an. Doch bis die Geschichte richtig in Schwung kommt, dauert es fast 150 Seiten. Das ist meiner Meinung nach einfach zu viel, da ich mich auf diesen ersten 150 Seiten beinah gelangweilt habe, da weder Isabelles Geschichte noch die von Mariata bis dahin vermag zu fesseln. Ich habe daher ernsthaft überlegt, ob ich das Buch wirklich zu Ende lesen mag.
Was ich hingegen sehr gelungen fand, war die Verknüpfung der beiden Erzählstränge: Natürlich war von Anfang an klar, dass sie irgendwie miteinander verbunden sein müssen, aber wie sie letzten Endes verbunden sind, hat mich dann doch sehr überrascht und war für mich nicht vorhersehbar.
Auch wenn mich „Die Seele der Wüste“ nicht komplett für sich einnehmen konnte, ist es ein sehr solider Roman, der einen doch gut unterhalten kann, wenn man ihm eine Chance gibt.
[Rezension] Kleinstadtghetto Ballade – Oliver Becker
Verlag: Plöttner Verlag | Leseprobe (.pdf)
ISBN: 978-3862110049
Seiten: 170
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: € 13,90
ET: 10.2010
Eine literarisch mutig umgesetzte Geschichte einer Affäre zwischen einem Schüler und seiner Lehrerin. Diese ungleiche Liebesbeziehung bringt eine Wende in den desolaten Alltag des jungen Mannes, er hat wieder den Willen weiterzumachen. Doch die Lehrerin beendet die Affäre und der Schüler, ohnehin ein Außenseiter, stürzt in eine tiefe Krise, die ihn letztlich gänzlich aus der Bahn wirft.
Sein Versuch aus seiner Rolle als Außenseiter in der miefig-erdrückenden Kleinstadt auszubrechen muss letztendlich scheitern.
Meine Rezension
Auerbach lebt mit seiner Mutter am Rande der Gesellschaft und wird von seinen Mitschülern gemobbt.
Es ist kein schönes, es ist aber vor allem kein würdevolles Leben, dass der Schüler führen muss.
Bis seine Lehrerin in sein Leben tritt und alles anders wird….
So oder so ähnlich lässt sich das neue Buch von Oliver Becker, Kleinstadtghetto Ballade, beschreiben.
Klingt nach etwas, dass es schon gegeben hat? Ja, das kann sein und auch wieder nicht, denn das was der Autor hier auf gerade mal 170 Seiten verpackt hat es wirklich in sich.
Und ich weiß gar nicht, wo ich beginnen soll….
Erstmal ist dort diese düstere, schwere Atmosphäre, die der Autor von der ersten Zeile an erschafft. Diese Hoffnungs- und Perpektivenlosigkeit sind von Anfang an greifbar und legen sich dem Leser wie eine zu schwere Wolldecke auf’s Gemüt.
Erst als der junge Schüler ein Verhältnis mit seiner Lehrerin beginnt und er selbst beginnt, wieder an sich und an das Leben zu glauben, wird auch die Atmosphäre leichter. Und dennoch lauert im Hintergrund immer noch etwas Unbestimmtes, das jeden Moment droht, wieder hervorzubrechen und alles mit sich zu reißen.
Neben der Atmosphäre ist es die Sprache, die mich begeistert hat. Auf der einen Seite ist sie sachlich und distanziert und hilft dem Leser in erster Linie in eine beobachtende Haltung zu finden, aber gleichzeitig steckt in ihr viel Gefühl. Es sind diese Gegensätze, die diese Geschichte zu etwas Besonderem machen.
Auch das Cover sei positiv erwähnt. Auf den ersten Blick mag dieses unruhig wirken. Es drückt jedoch in Kombination mit dem Titel bereits sehr gut aus, was der Leser in diesem Buch findet: Liebe, Chaos und Kraft.
Vielleicht interpretiere ich an dieser Stelle ein wenig zu viel in das Buch hinein, aber für mich beschreibt es nicht nur eine Liebesgeschichte, die es eigentlich gar nicht geben dürfte. Oliver Becker beschreibt schnörkellos und ehrlich, dass es Menschen in unserer Gesellschaft gibt, die an deren Rand leben. Menschen, die wir nicht beachten oder, noch schlimmer, verachten. Für mich ist dieses Buch auch ein Appell, sich darüber Gedanken zu machen, wie wir mit unseren Mitmenschen, und vor allem jenen, denen es nicht so gut geht, umgehen, ohne dabei den Zeigefinger zu heben.
Für mich ist dieses Buch wirklich etwas außergewöhnliches und ich wünsche ihm viele, viele ebenso begeisterte Leser!
[Rezension] Die Geometrie der Wolken – Giles Foden
Verlag: Aufbau Verlag
ISBN: 978-3351032920
Seiten: 390
Ausgabe: Hardcover
Preis: € 22,95
ET: 03.2010
Anfang 1944 erhält Henry Meadows vom Meteorological Institute in London Befehl, einen zurückgezogen in Schottland lebenden Wissenschaftler aufzusuchen. Wallace Ryman soll ein System entwickelt haben, das erstaunlich präzise Wettervorhersagen zulässt – entscheidend für die Landung der Alliierten in der Normandie. In geheimer Mission soll Henry die sagenumwobene “Ryman-Zahl” entschlüsseln. Regelmäßig trifft er den knorrigen Pazifisten, ohne Erfolg. Allein dessen Frau Gill lernt er näher kennen, als statthaft wäre. Es ist bereits Mitte Mai, als das Headquarter willkürlich ein Angriffsdatum festsetzt, doch bald geraten die Ereignisse – wie das Wetter – außer Kontrolle. – Das neue Meisterwerk des vielfach ausgezeichneten Autors von “Der letzte König von Schottland”.
Meine Rezension
Henry Meadows wurde Meteorologe aus heiterem Himmel – und als solcher will er einfach nur ein unscheinbares und einfaches Leben führen, bloß nicht auffallen.
Doch das ist alles, nur nicht einfach.
Denn er lebt und arbeitet mitten im 2.Weltkrieg und die Alliierten planen eine Invasion in der Normandie, die als D-Day in die Geschichte eingehen wird. Damit die Invasion auch klappt und mit möglichst wenig Risiko für die Soldaten verbunden ist, sollen die Meteorologe herausfinden, wann das Wetter für ca. 5 Tage besonders günstig ist. Doch Vorhersagen für mehr als 2 Tage sind zu dem Zeitpunkt noch extrem unzuverlässig.
Es gäbe jedoch eine Methode, die helfen könnte das Wetter zuverlässig über mehrere Tage zu bestimmen: die Ryman-Zahl.
Doch Wallace Ryman, Entdecker dieser Zahl, gibt nicht von alleine sein Wissen über diese für den Krieg so wichtige Zahl preis. Daher soll Henry Meadows versuchen mit Ryman Freundschaft zu schließen und so alle notwendigen Informationen über die Zahl zu sammeln.
So oder so ähnlich lässt sich der Inhalt des Romans zusammenfassen.
Als ich den Klappentext in der Buchhandlung sah, war mein erster Gedanke, dass ich dieses Buch unbedingt haben muss und als ich es endlich in der Hand hielt bin ich mit großem Enthusiasmus an die Lektüre gegangen.
Und was soll ich nun sagen? Nachdem ich nun andere Rezensionen gelesen habe, frage ich mich, ob ich irgendwie ein anderes Buch gelesen habe?
Denn die Begeisterung kann ich so nicht ganz unterschreiben.
Der Einstieg in das Buch gestaltet sich sehr leicht: man begegnet dem älteren Henry Meadows, der gerade auf der Habbakuk sitzt und beginnt seine Arbeit im zweiten Weltkrieg zu reflektieren und diese als eine Art Biographie aufzuschreiben.
Und so landet man mit dem jungen Henry Meadows in Schottland auf einer Mission, die den jungen und unsicheren Meteorologen zu überfordern scheint.
Und hier beginnt bereits der erste Knackpunkt des Buches: ab hier fand ich, dass sich das Buch ein wenig in die Länge zieht. Ich hatte das Gefühl, dass irgendwie nichts passiert und plötzlich war man dann auf Seite 200 und hatte prompt etwas mehr als die Hälfte des Romans gelesen.
Der Eindruck kann vor allem dadurch entstanden sein, dass man durch den Klappentext erwartet, dass es hauptsächlich darum geht, dass Henry Meadows sich an den Entdecker der Ryman-Zahl ran macht und versucht diesen auszuhorchen. Doch das läuft eigentlich nur so nebenbei.
Das führt auch dazu, dass man mit den Figuren nicht richtig warm wird. Sie bleiben ziemlich an der Oberfläche und ich hatte das Gefühl keinen richtig kennen zu lernen, selbst Meadows nicht, der ja über sich selbst und seine Erfahrungen schreibt.
Das klingt jetzt alles sehr negativ. Dennoch muss ich sagen, dass mich das Buch irgendwie schon in seinen Bann zog.
Denn in dem Buch geht es nicht nur um das Wetter, sondern auch um Liebe, das Schicksal, Verantwortung und den Zufall.
In einem wirklich angenehmen Schreibstil erzählt der Autor von den Vorbereitungen des D-Day und wie ein einzelner droht sich in dem Chaos und in der plötzlichen Verantwortung droht zu verlieren.
Während der gesamten Lektüre habe ich auf das Ende gewartet und darauf, ob die Meteorologen es schaffen, den D-Day in einer Schönwetterperiode statt finden zu lassen.
Fazit: Die Geometrie der Wolken ist ein Buch von dem ich auf der einen Seite etwas ganz anderes erwartet habe, das mich aber dennoch über weite Strecken faszinieren konnte.
Für mich ist es sicherlich ein Roman den ich nochmal werde Lesen müssen um ihn in seiner ganzen Fülle erleben zu können.
Das genähte Herz – Carole Martinez
Verlag: Piper
ISBN: 978-3492052009
Seiten: 429
Ausgabe: Hardcover
Preis: € 22,95
ET: 02.2009
Als die junge Frasquita das Nähkästchen erhält, das in ihrer Familie seit jeher von der Mutter an die Tochter vererbt wird, gelangt sie zugleich in den Besitz einer besonderen Gabe, die an Zauberei grenzt. Mit den leuchtenden Garnen näht sie wunderbare Dinge und macht Frauen zu Prinzessinnen. Sie bestickt Kleider, auf denen die Magie der Farben Blumen erblühen lässt. Doch die Menschen in dem abgeschiedenen andalusischen Dorf stecken voller Misstrauen und Neid, was Frasquita bei ihrer Hochzeit mit dem wortkargen Schmied José nur allzu sehr zu spüren bekommt. Es folgen stille, einsame Jahre, bis Frasquita irgendwann erkennt, dass sie der Enge ihres Dorfes entfliehen muss. Und so setzt sie eines Tages ihre Kinder in einen Handkarren und bricht auf zu einer weiten Reise durch den trockenen Süden Spaniens in Richtung Meer.
Meine Rezension
Frasquita lebt in einem kleinen, abgeschiedenen andalusischen Dorf. Von ihrer Mutter erhält sie ein Nähkästchen und damit eine unglaubliche Gabe: von nun an näht sie mit leuchtenden Farben und einem ungeheuren Geschick die schönsten Kleider.
Doch die Dorfbewohner sind misstrauisch und gönnen der jungen Frau ihr Talent nicht.
Frasquita verblüht beinah in dem kleinen Dorf, als sie plötzlich beschließt eben jenes zu verlassen…
Fast ein Jahr verharrte Das genähte Herz von Carole Martinez auf meinem Wunschzettel, bevor ich es dieses Jahr endlich in meinem Osterkörbchen liegen hatte.
Und was soll ich sagen? Mir fehlen einfach immer noch die Worte, um dieses Buch adäquat zu beschreiben.
Die Geschichte beginnt mit Soledad. Sie widmet sich einer Aufgabe: die Geschichte ihrer Mutter Frasquita Carascos und den Geschwistern zu erzählen. Und diese beginnt in der Jugend Frasquitas, ihrem Leben bei den Eltern und wie sie zu ihrer Gabe kommt.
Bereits der Einstieg, also der Prolog der sich mit Soledad beschäftigt, fesselt einen regelrecht an das Buch. Die Autorin versteht es, einen honigsüßen Kleber aus Worten auszulegen und man ist sich bereits im Prolog sicher, dass man eine besondere Geschichte in der Hand hält. Der Einstieg in die Geschichte fällt so sehr leicht und man hat sehr schnell einige Seiten gelesen und befindet sich, ehe man es merkt, mitten in der Geschichte.
Die Sprache selbst lässt sich mit der Gabe Frasquitas vergleichen: ebenso geschickt wie überwältigend reiht Martinez die Worte aneinander wie eine Stickerei. Sie ist präzise, kraftvoll, mythisch und poetisch. Jeder einzelne Satz fließt nur so dahin und geht ohne große Brüche in den nächsten über. Das unterstützt natürlich einen angenehmen Lesefluss.
Die Atmosphäre des Romans ist unglaublich dicht: man fühlt beinah die Hitze und Trockenheit Spaniens auf der eigenen Haut, beinah reißen einem selbst die Lippen ein. Man fühlt die Blicke derjenigen auf sich, die noch in einer alten Ordnung gefangen sind und sich gegen alles Neue sperren.
Die Geschichte selbst wimmelt nur so vor Überraschungen. Denn das was die Autorin hier präsentiert ist ein Märchen, in dem es fast an Zauberei grenzende Vorfälle geben kann.
Auffallend sind vor allem die Charaktere: die Autorin schafft es diese so zeichnen, dass sie einem ans Herz wachsen, aber das man sie gleichzeitig mit einer gewissen Distanz betrachtet.
Ich bin restlos begeistert von dem Buch und würde es am liebsten jedem einfach in die Hand drücken, der wirklich gute Literatur lesen will.
Andererseits muss ich eingestehen, dass dieses Buch vielleicht doch ein wenig speziell ist. Man muss sich öffnen für dieses Buch und es an sich heran lassen.
Dennoch hoffe ich, dass es viele Leser finden wird, die ähnlich begeistert sein werden wie ich.
Das genähte Herz hat am Thron meines All-Time-Favourites gerüttelt an den lange, lange kein anderes Buch herranreichen konnte und stellt sich jetzt neben Patrick Süskinds „Parfum“ auf den Thron.
Die Geschichte einer Ehe – Andrew Sean Greer
Verlag: Fischer
ISBN: 978-3100278180
Seiten: 208
Ausgabe: Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag
Preis: € 19,95
ET: 08.2009
»Wir glauben, die zu kennen, die wir lieben.« Ein Roman über das Geheimnis eines Lebens und die erschütternde Zärtlichkeit der Liebe.
San Francisco: Draußen am Strand glaubt sich Holland sicher – hier in seinem kleinen Haus mit seiner Frau Pearlie und dem Sohn. Doch die Vergangenheit klopft an die Tür, und Pearlie begreift, dass sie nur ein Teil in einem Dreieck ist. Drei Außenseiter, die mit ihren Leidenschaften ringen, und ein Gebot von 100.000 Dollar, um dem Leben eine neue Richtung zu geben – die Geschichte einer Ehe.
Meine Rezension
We think we know the ones we love
San Francisco 1953: Pearlie ist verheiratet, hat einen Sohn, einen kleinen Hund und ein Haus in direkter Meernähe. Ihr Ehe könnte glücklicher sein, denn ihr Mann Holland – Kriegsveteran – leidet an einem schlechten Herzen und so versucht Pearlie, alles laute, alles grausame aus dem Leben ihres Mannes zu verbannen, ihn zu beschützen.
Alles geht seinen Gang; jeden Tag immer auf die selbe Weise…
Doch als ein gewisser Buzz eines Tages an ihrer Tür klingelt, sollte sich Pearlie´s Leben ändern….
Geschichte einer Ehe ist bereits der dritte Roman des amerikanischen Autors Andrew Sean Greer.
Nach seinem riesen Erfolg mit „Die erstaunliche Geschichte des Max Tivoli“ und seinem absolut bescheidenen Debut „Die Nacht des Lichts“ war ich mehr als gespannt auf diesen Greer; ich wollte wissen, in welche Schublade ich Greer „stecken darf“: eher in die von Tivoli oder die des Debutromans?
Prinzipiell in die des Tivolis, allerdings bin ich bei weitem nicht so glücklich mit dem Buch wie es mit dem Tivoli war.
Ähnlich wie den Tivoli lässt Greer Geschichte einer Ehe mit einem Satz beginnen, der sich wie ein roter Faden durch das Buch zieht und eigentlich das Thema des Buches zum Ausdruck bringt: We think we know the ones we love (deutsch: Wir denken, wir kennen die, die wir lieben).
Pearlie erzählt die Geschichte ihrer Ehe, erzählt, wie sie plötzlich Dinge über ihren Mann herausfindet, über die sie nie nachdachte, dachte, sie seien anders.
Greer schafft es in Geschichte einer Ehe das Leben und die Atmosphäre von San Francisco der 1950er dem Leser nahe zubringen. Man kann fast die Wärme der Sonne und die Unsicherheit einer Welt die sich seit Jahren im Krieg befindet spüren.
Der einzige Knackpunkt des Ganzen ist für mich Pearlie selbst: letzten Endes muss man nicht zwingend mehr über Holland erfahren oder dergleichen. Es ist Pearlies Geschichte, ihre Sicht der Dinge. Allerdings ist mir diese Sicht an einigen Stellen zu oberflächlich. Man hätte hier einiges mehr machen können, denn so bleiben mir unterm Strich eigentlich alle Charaktere irgendwie total fremd.
Unterm Strich ein nettes Buch, dass allerdings nicht so uneingeschränkt zu empfehlen ist wie „Die erstaunliche Geschichte des Max Tivoli“.


