Rezensionen
[Rezension] Das Blut der Ketzer. Sephira 02 – Corina Bomann

Verlag: Ueberreuter Verlag
ISBN: 978-3800055913
Seiten: 493
Ausgabe: Gebunden
Preis: € 17,95
ET: 07.2011
Laurina ist nun schon einige Jahre bei den Sephira, der magischen Bruderschaft von Assassinen, als sie überstürzt fliehen müssen. Der rachsüchtige Emir Malkuth ist ihnen auf den Fersen und will die endgültige Vernichtung der Bruderschaft. Obwohl so gut wie unsterblich, fürchten die Sephira den Emir und suchen eine Zuflucht. Das Schicksal der verfolgten Katharer bewegt sie dazu, nach Frankreich zu reisen, um ihnen beizustehen. Doch der Preis, den Laurina für diese Rettungsmission zahlen muss, ist unerträglich hoch …
Eine junge Kriegerin beeinflusst die Geschichte der Welt.
Meine Rezension
Seit ihrer Aufnahme in den Sephiraorden sind mittlerweile 100 Jahre vergangen und dennoch ist das Leben von Laurina, Sayd, Gabriel, Jared und den anderen nicht ruhiger geworden.
Denn nicht nur Malkuth versucht verzweifelt an Laurina heranzukommen, sondern auch Sayds Visionen zeigen den Unsterblichen, wo ihre Hilfe gebraucht wird.
So verschlägt es die Gruppe in diesem Band ins Frankenland, wo sie versuchen wollen, den Katharern zu helfen…
„Das Blut der Ketzer“ ist der zweite Band um die Sephira, auf den ich gespannt gewartet hatte, nachdem mir der erste Teil so unglaublich gut gefallen hatte.
Den ersten Teil habe ich innerhalb weniger Stunden verschlungen und war sowohl von der Handlung, den Charaktere, als auch dem Sprachstil begeistert.
Nicht, dass ich vom zweiten Band der Serie nicht auch überzeugt wäre, jedoch war es so, dass mich der Roman nicht wie sein Vorgänger durchgehend fesseln konnte. So hatte ich in der Mitte einen kleinen Hänger und bin weniger schnell voran gekommen; erst zum letzten Drittel des Romans hatte ich mich wieder richtig fest gelesen und konnte den Roman erst aus der Hand legen, als er auch schon wieder zu Ende war.
Die Autorin schafft es auch in „Das Blut der Ketzer“ historische Fakten, Persönlichkeiten und Mythen der damaligen Zeit perfekt in die Geschichte einzubinden. Ein kurzer Abstecher zur berühmten Suchmaschine zeigt, dass sie sich dabei auch wirklich an die Fakten hält und nichts für ihre Gunsten ändert.
Dies war für mich besonders interessant, da ich so neben einer spannenden und durchaus rasanten Handlung noch etwas dazu lernen konnte.
Neben der Geschichtsstunde kommen auch diesmal wieder die Charaktere nicht zu kurz. Besonders gefallen hat mir, dass diesmal nicht nur Laurina und Gabriel, die man aus dem ersten Band kennt, im Mittelpunkt standen, sondern das diesmal auch viel Raum für die anderen Sephira da war. So lernte man einiges über den Schmied David, wandelte mit Vincenzo auf den Spuren seiner Vergangenheit und lernt, dass Jared nicht nur grummeln kann.
Auch wenn ich in der Mitte des Romans einen kleinen Hänger hatte, so hatte ich doch wieder unmengen Spaß mit den Sephira, und kann es kaum erwarten den dritten Teil in den Händen zu halten, denn die Mission des Ordens ist noch nicht erfüllt: Die Welt retten und den Leser unterhalten!
[Rezension] Totentöchter (Wither) – Lauren De Stefano

Verlag: Simon and Schuster Books
ISBN: 978-1442409057
Seiten: 386
Ausgabe: Gebunden
Preis: € 12,95
ET: 05.2011
At age sixteen, Rhine Ellery has four years to live. Thanks to a botched effort to create a perfect race, all females live to be twenty, and males live to age twenty-five. While geneticists seek a miracle antidote, orphans roam the streets and polygamy abounds. After Rhine is kidnapped and sold as a bride, she is desperate to escape from her husband’s strange world, which includes a sinister father-in-law in search of the antidote and a slew of sister wives who are not to be trusted. On the cusp of her seventeenth birthday, Rhine attempts to flee—but what she finds is a society spiraling into anarchy.
Meine Rezension
In einer nicht allzu fernen Zukunft: Wissenschaftler wollten den Menschen gegen Krankheiten alle Art immun machen. Für eine Generation ist dieser Wunsch auch geglückt, doch alle ihr nachfolgenden sterben in jungen Jahren: Männer im Alter von 25 Jahren und Frauen gerade mal mit 20 Jahren.
Die 16-jährige Rhine hat somit nur noch vier Jahre zu Leben, als sie entführt wird. Rhine und zwei weitere Mädchen werden die Bräute von Linden und sollen ihm möglichst viele Kinder gebären. Doch Rhine denkt gar nicht daran ihr restliches Leben in einem goldenen Käfig zu verbringen. Sie möchte frei sein und beschließt zu fliehen.
„Totentöchter“ ist – wie so viele Bücher in letzter Zeit – der Auftakt zu einer Trilogie. Und dieser Auftakt hat es in sich.
Alleine die Vorstellung, dass der Tod auf Grund eines Virus unausweichlich ist und wie eine Zeitbombe mit dem Erreichen des richten Alters losgeht, ist beängstigend. Jedoch ist es noch viel beängstigender wenn man bedenkt, dass diese Disutopie alles andere als abwegig ist.
Die Autorin schafft es, dass das beklemmende Gefühl, das einen alleine schon bei dieser Vorstellung ereilt, greifbar wird. Man spürt beinah die Enge des Hauses, in das Rhine gesperrt wird und hat ebenso wie sie Angst, dass die Fluchtpläne entdeckt werden.
Rhine selbst war mir von Anfang an sympathisch. Sie erzählt die Geschichte aus ihrer Sicht als Ich-Erzählerin. Somit hat man zwar einen leicht eingeschränkten Blickwinkel auf die Ereignisse, aber es macht die Erzählung gleichzeitig auch bedrückender, da man als Leser sich so wesentlich leichter und besser in die Situation hineinversetzen kann.
Die Handlung selbst ist spannend und ereignisreich. Schneller als man sich versieht, hat man wieder ein Kapitel beendet. Jedoch verliert die Handlung im letzten Drittel etwas von diesem Schwung, da Rhine sehr viel, beinahe zu ausführlich, über den Alltag berichtet.
Das Ende ist der Autorin sehr gut gelungen: Zum einen ist es schon in sich abgeschlossen. Leser, die kein Interesse mehr an den beiden Folgebänden haben, können es leicht mit „Totentöchter“ bewenden lassen. Gleichzeitig ist das Ende jedoch offen genug, sodass sich ein weiteres Abenteuer Rhines anschließen lässt.
Mir hat „Totentöchter“ sehr gut gefallen und ich freue mich jetzt schon auf den nächsten Teil.
Den Roman kann man als solchen lesen und genießen – soweit dies bei der Thematik möglich ist – zum anderen kann man sich von ihm jedoch auch zum nachdenken über das Leben anregen lassen.
Für mich ein gelungener Auftakt zu einer hoffentlich auch weiterhin spannenden Serie!
[Rezension] Phönixfeuer – Christoph Lode
Pandaemonia III
Verlag: Goldmann | Leseprobe (.pdf)
ISBN: 978-3442471751
Seiten: 469
Ausgabe: Broschiert
Preis: € 12,00
ET: 09.2011
Düster, mysteriös, fesselnd – einfach phantastisch
Niemals hätte Liam gedacht, dass sein Freund Jackon, der Traumwanderer, ihn verraten würde. Jetzt ist Liam ein Gefangener der Herrscherin von Bradost und sitzt fest. Dabei können sich Liam und seine Verbündeten keine Verzögerungen leisten. Die bösartige Lady Sarka hat bereits unzählige Menschen auf dem Gewissen und unendlich viele Träume manipuliert. Sie muss so schnell wie möglich gestoppt werden, bevor die ganze Welt zerbricht und die Finsternis das Land verseucht…
Meine Rezension
Liam hatte gehofft, dass sein Freund Jackon ihn in seinem Kampf gegen Lady Sarka unterstützt. Doch stattdessen verrät Jackon seinen ehemaligen Freund an Lady Sarka und bringt diese in große Gefahr.
Gleichzeitig sind Bradost und seine Bewohner von den Rissen in den Lichtmauern des Pandaemoniums bedroht: Dämonen beginnen, sich einen Weg in die Welt zu bahnen und bedrohen alles was sowohl Liam als auch Jackon wichtig ist.
Und der Kampf gegen die skrupellose Lady wird immer schwieriger…
Mit „Phönixfeuer“ schließt die mitreißende Fantasy-Trilogie von Christoph Lode.
Der letzte Teil der Pandaemonium-Saga beginnt mit einer kurzen Überblick über die bisherigen Ereignisse. So fällt es nicht schwer den Einstieg in den Roman zu finden und man ist schnell wieder mitten drin in Bradost, bei Liam und seinen Freunden, die versuchen Lady Sarka aufzuhalten und Lady Sarka selbst, die mit allen Mitteln versucht an der Macht zu bleiben.
Und so zieht man als Leser mit den Charakteren in die letzte Schlacht.
„Phönixfeuer“ setzt nahtlos da an, wo „Die Stadt der Seelen“ endet. Nahm die Handlung schon im zweiten Teil rasant an Fahrt auf, so ist diese in finalen Teil der Trilogie fast nicht mehr zu stoppen. Die Ereignisse scheinen sich fast zu überschlagen und die Charaktere haben kaum Gelegenheit in Ruhe durchzuatmen – denn schon droht die nächste Gefahr. Ähnlich ergeht es dem Leser, der vor allem die Gruppe um Liam und Vivana begleitet: Atemlos sitzt man vor dem Buch, blättert Seite um Seite um und fragt sich, was nun als nächstes geschieht. Und so nimmt es auch kein Wunder, dass sich der Roman zu einem echten Page-Turner entwickelt.
Viele Fragen wurden in den ersten beiden Bänden aufgeworfen. Fragen, die alle im Verlauf des Finales stetig, aber nach und nach beantwortet werden. Gleichzeitig überrascht Christoph Lode den Leser noch mit der ein oder anderen Wendung im Geschehen, die man so alles andere als erwartet hat. Vor allem einige Charaktere lassen einen staunenden vor dem Buch sitzen. Besonders Umbra konnte mich in diesem Band für sich nicht zuletzt durch ihre oftmals sarkastischen Bemerkungen gewinnen.
Das Ende des Romans hat mir sehr gut gefallen. Zum einen kommt das Ende nicht zu hastig, da die gesamte Handlung kontinuierlich auf dieses hinsteuert. Zum anderen ist es inhaltlich absolut logisch und meiner Meinung nach auch realistisch: Es gibt Happy-Ends für die einen, Niederlagen für die anderen.
Emotionen kommen ebenfalls nicht zu kurz im Roman. So fiebert man nicht nur mit, sondern freut und leidet mit den Charakteren. Am Ende habe ich sogar ein paar Tränen verdrückt.
Fazit: „Phönixfeuer“ ist ein grandioser und würdiger Abschluss der Pandaemonium-Saga. Dieser Band ist spannend und emotionsgeladen und eine absolute Empfehlung wert! Wer qualitativ hochwertige Fantasy lesen möchte, sollte unbedingt die Pandaemonium-Saga in sein Regal stellen.
[Rezension] Das Amulett der Keltenfürstin – Lucas Bahl

Verlag: Wittich Verlag
ISBN: 978-3981090628
Seiten: 320
Ausgabe: Hardcover
Preis: € 16,95
ET: 04.2011
lagana kommt in die fremde Stadt um zu morden. Doch dann geschieht, womit weder ihr Auftraggeber noch sie gerechnet haben. Sie verliebt sich in das Opfer.
Das Schicksal der Keltenfürstin und Druidin Ilagana ist eng verknüpft mit einem magischen Amulett, dessen geheimnisvolle Kräfte sie schützen. Doch längst hat das ungewöhnliche Schmuckstück den Neid derer erregt, die nicht auserwählt wurden es tragen zu dürfen. Intrigen und Verrat münden in einen tödlichen Konflikt.
Ein gut recherchierter historischer Roman, der die stummen Überreste der untergegangenen keltischen Kultur in Franken auf spannende Weise zum Sprechen bringt.
Meine Rezension
Ilagana ist eine junge Frau, die mit einem Auftrag in eine ihre fremde Stadt geschickt wird: Sie soll den Feind ihres Vater töten.
Doch Ilagana verliebt sich in ihr mutmaßliches Opfer und heiratet ihn sogar. Von nun an führt die Fürstentochter und Druidin ihr eigenes leben, fernab von ihrem Vater und erlebt Kriege, Verrat und großes Glück.
Eines vorweg: Ich habe bei diesem Roman mal wieder gemerkt, wie wichtig ein gutes Cover sein kann.
Als der Autor mir angeboten hat, dieses Buch zu lesen, wollte ich um ehrlich zu sein erst ablehnen, da mir das Cover so gar nicht zusagte. Mal unabhängig davon, dass ich so langsam aber sicher keine Frauen mehr auf historischen Romanen sehen kann, hat mich hier doch irgendwie gestört, dass diese Dame computeranimiert ist.
Allerdings bin ich froh, dass meine Neugier, nachdem ich den Klappentext gelesen habe, doch gesiegt hat, denn „Das Amulett der Keltenfürstin“ ist ein interessanter Roman, der einen in eine längst vergangene Welt bringt.
Der Einstieg in den Roman fällt relativ leicht: man lernt die junge Ilagana kennen und erlebt sie anfänglich in Situationen, die wohl jeder von uns kennt: Als junges Kind auf Abenteuersuche, wie man Ärger mit seinen Eltern hat und sich über diese brüskiert…So hat man als Leser sehr schnell einen Draht zur Protagonistin.
Der Schreibstil selbst ist locker und so fliegen die Seiten nur dahin und man hat schneller wie man gucken kann wieder 50 Seiten gelesen.
Eine Sache hat mich jedoch zu Beginn gestört: Es wird ein Sachverhalt erklärt und am Anfang der Erklärung steht z.B. etwas wie (vereinfacht ausgedrückt), dass der Schnee weiß ist. Dann wird auch logischerweise erklärt, wieso das so ist. Doch anstatt es beim Ende dabei bewenden zu lassen, wird am Ende dieser Erklärung noch einmal festgestellt, dass daher der Schnee weiß ist. Zugegeben, dass dies ein Punkt sein dürfte, der evtl. nicht jedem auffällt; er fällt auch nicht unbedingt ins Gewicht, da es zu Beginn des Romans nur zwei solcher Stellen gibt, aber ich fand, dass sie in dem Moment holprig wirkten und ich persönlich bin an diesen Stellen kurz aus dem Lesefluss gekommen.
Lucas Bahl beschreibt sehr umfangreich die damaligen Bräuche und den Glauben an verschiedene Götter und die Kämpfe zwischen den Stämmen. Man bekommt so einen sehr guten Eindruck, wie das Leben der Kelten vor so unglaublich langer Zeit gewesen sein könnte. Schade ist in diesem Zusammenhang nur, dass oft die Figuren selbst zu kurz kommen und bei mir so der Eindruck entstanden ist, dass die Geschichte nur als Rahmen erzählt wird, um vom Leben der Kelten zu berichten.
Aber dies schien mir generell ein Problem des Romans zu sein: Ich hätte gerne noch wesentlich länger bei Ilagana bleiben wollen, wollte mehr von ihr und ihrem Leben wissen. Daher hätte „Das Amulett der Keltenfürstin“ meiner Meinung nach noch mal locker 320 Seiten mehr haben dürfen.
Fazit: „Das Amulett der Keltenfürstin“ ist ein interessanter historischer Roman, der einen in eine untergegangene Welt und Kultur mitnimmt. Jedem Leser, der einen Ausflug die Welt der Kelten machen möchte, sei dieses Buch empfohlen!
Mein Dank gilt Lucas Bahl und dem Wittich Verlag für die Bereitstellung des Rezensionexemplars!
[Rezension] Die Tochter der Seidenweberin – Ursula Niehaus

Verlag: Knaur
ISBN: 978-3426663592
Seiten: 541
Ausgabe: Hardcover
Preis: € 16,99
ET: 03.2011
Die Fortsetzung des Bestsellers Die Seidenweberin
Köln zu Beginn des 16. Jahrhunderts: Nach dem Tod ihres geliebten Mannes hat die erfolgreiche Seidenweberin Fygen Lützenkirchen in Spanien ein neues Glück gefunden, und in Köln steht ein Generationenwechsel bevor, denn Fygens Tochter Lisbeth muss das Erbe ihrer Mutter antreten – ein Erbe, das ihr Neid und Missgunst so mancher Seidmacherin der Stadt einbringt. Doch Lisbeth gibt nicht auf …
Meine Rezension
Köln im Jahre 1499: Fygen Lützenkirchen ist mittlerweile eine erfolgreiche Geschäftsfrau und hat ihrer verheirateten Tochter Lisbeth ihre Seidenweberei überschrieben.
Während diese mit zu den wichtigsten Seidenmacherinnen ihrer Zunft wird, baut sich Fygen einen Ruf als Kauffrau auf. In dieser Position reist sie nach Spanien, um Lieferungen von Rohseide zu beaufsichtigen und ihre Tochter Lisbeth steht damit alleine den Intrigen und schmutzigen Geschäften der anderen Siedenweberinnen gegenüber…
„Die Tochter der Seidenweberin“ schließt zeitlich einige Jahre später an die Geschichte von „Die Seidenweberin“ an.
Lange hatte ich auf diese Fortsetzung gewartet, da mir damals sowohl „Die Seidenweberin“ als auch „Das Heiligenspiel“ der Autorin sehr gut gefallen haben – jedoch bleibe ich nach der Lektüre dieses Werkes etwas ratlos, aber vor allem leicht enttäuscht zurück. Für mich ist „Die Tochter der Seidenweberin“ leider der bis jetzt schwächste Roman der Autorin.
Die Geschichte des Romans ist relativ leicht und linear, aber daher an sich nicht weniger spannend. In einem leicht zu lesenden Schreibstil schickt Ursula Niehaus ihre Leser quer durch das Köln des 16. Jahrunderts.
Vor allem interessant sind dabei die Schilderungen rund um das Geschäft der Seidenweberei und der Stoffherstellung. Man merkt der Autorin an diesen Stellen an, wie sehr sie Stoffe und ihre Geschichte liebt, weswegen ich diese Passagen wirklich gerne gelesen habe.
Die Geschichte wird vor allem von diesen Passagen zusammengehalten, da sie ihr einen roten Faden geben, der den Rest der Geschichte so nicht nur wie kleine Episoden dastehen lässt, die nichts miteinander zu tun zu haben scheinen. Es geschehen so viele und unterschiedliche Dinge, dass das Buch randvoll ist mit Ereignissen, so dass es einem nie langweilig zu werden droht. Leider stellt sich bei der temporeichen Geschichte auch eine Art „klinische Reinheit“ ein, denn große Gefühle beim Leser werden leider nicht geweckt. So wird man beispielsweise leider nicht von der Leidenschaft für Seide angesteckt und dass, obwohl beinah alle Figuren des Romans als Seidenmacher arbeiten.
Viele Charaktere der Geschichte sind historisch verbürgt. Zu diesen verliert die Autorin noch im Nachwort ein paar Worte, in denen sie unter anderem auch erklärt, welche Freiheiten sie sich in der Gestaltung der Geschichte genommen hat.
Es gibt vor allem zwei Gründe, wieso mir dieser Roman weniger gut gefallen hat:
Fygen unternimmt eine Reise nach Spanien. Die Schilderungen dieser Reise nehmen einen doch nicht unwesentlichen Teil des ersten Drittels des Romans ein. Die Reise und die Ereignisse dieser Reise sind ohne Ende beladen mit Klischees: So wird Fygen angegriffen auf dem Schiff, dass sie nach Spanien bringt und wird von einem natürlich blendend aussehenden Spanier beschützt und gerettet. Überflüssig zu erwähnen, dass genau dieser Spanier später noch eine besondere Rolle für Fygen spielen wird.
Nach den Schilderungen dieser Reise geht es unbeirrt mit Lisbeth weiter. Dieser Teil ist zwar weniger mit Klischees gespickt, jedoch gibt es auch hier einfach zu oft Dinge, die man als versierter Leser bereits voraus ahnt. Ebenso geht alles permanent positiv aus – egal für wen, egal für was. Ich fand dies schon ein wenig störend, da es für mich stark an der potenziellen Glaubwürdigkeit der Geschichte gekratzt hat.
Obwohl „Die Tochter der Seidenweberin“ für mich leider nicht der beste Roman der Autorin ist, ist er doch ein durchaus spannender und flüssig zu lesender Roman, der meiner Meinung nach einige Schwächen hat. Ich hoffe, dass der nächste Roman von Ursula Niehaus wieder deutlich stärker ist.
[Rezension] Der Besucher – Sarah Waters

Verlag: Lübbe
ISBN: 978-3431038309
Seiten: 571
Ausgabe: Hardcover
Preis: € 19,99
ET: 05.2011
Hundreds Hall, ein majestätisches Anwesen im ländlichen England. Hier wohnt die verwitwete Mrs. Ayres mit ihren erwachsenen Kindern Caroline und Roderick. Als der Landarzt Dr. Faraday wegen eines Notfalls herbeigerufen wird, ist er wie gebannt von der geheimnisvollen Atmosphäre des Hauses. Schon bald erfährt er, dass in Hundreds Hall merkwürdige Dinge geschehen: Möbelstücke, die ein Eigenleben führen, kryptische Zeichen, die plötzlich an den Wänden auftauchen, bedrohliche Geräusche, die unerklärbar scheinen.
Dr. Faraday begegnet der wachsenden Panik der Familie zunächst mit Ruhe und Beschwichtigung. Doch das Schicksal der Ayres nimmt unaufhaltsam seinen Lauf – und ist enger mit seinem eigenen verwoben, als er ahnt …
Meine Rezension
Der zweite Weltkrieg ist noch nicht lange vorüber, als Dr. Faraday das Herrenhaus Hundreds Hall betritt, weil man ihn wegen eines Notfalls gerufen hat.
Das alte Herrenhaus, dass der Arzt bereits aus Kindertagen kennt, hat leider einiges von seinem alten Glanz verloren. Überall lauert der Verfall.
Der Arztbesuch an diesem Sonntag soll nicht Dr. Faradays letzter Besuch auf Hundreds sein, denn schon bald geht er nicht nur als neuer Hausarzt der Familie Ayres dort ein und aus, sondern auch als Freund der Familie. Und als solcher wächst Dr. Faradays Besorgnis von Tag zu Tag, denn mit jedem verstreichenden Tag scheint nicht nur das Haus zu verfallen, sondern auch die Gesundheit aller Familienmitglieder. Wobei Dr. Faraday nicht sicher zu sagen weiß, ob alle Ayres dem Wahnsinn anheim fallen, oder ob nicht doch eine geheimnisvolle Macht auf Hundreds lebt…
Es ist bereits 3 Jahre her, dass ich von Sarah Waters „Die Frauen von London“ gelesen habe und wirklich begeistert von dem Roman war. Daher habe ich mich auch schon richtig auf ihren neuesten Roman „Der Besucher“ gefreut.
Doch meine anfänglichen Erwartungen und Freude wurden erst einmal gedämpft und wichen einer leisen Enttäuschung.
Der Roman beginnt beschaulich und ruhig. Man bekommt so die Gelegenheit sich ein eigenes Bild aller Protagonisten und ihrer Lebenswelt zu machen. Doch danach könnte es mir der Handlung ja endlich voran gehen….Denkt man. Doch bis ungefähr Seite 130 tut sich nicht viel in dieser Hinsicht und die Handlung plätschert so vor sich hin.
Erst wenn man sich durch die ersten 130 gelesen hat, nimmt die Handlung endlich an Fahrt auf: Denn auf Hundreds Hall geschehen nun merkwürdige Dinge: Flecken tauchen an Wänden auf, man hört Klopfgeräusche hinter der Wand, Möbel bewegen sich wie von selbst…
Und ab hier wird es interessant. Man wartet als Leser nur darauf, was nun als nächstes in dem Herrenhaus passiert und was die Gründe für die merkwürdigen Vorfälle sein könnten. Man beobachtet die Familie, die die Vorfälle immer ernster nimmt und Dr. Faraday, der für alles immer eine „natürliche“ Erklärung hat. Man stellt sich immer wieder die Frage: Spukt in Hundreds Hall ein Geist oder bilden sich die Ayres alles nur ein?
Was mich an dem Roman sehr beeindruckt hat, war, dass die Autorin nicht nur sehr präzise und lebendig das verfallene Haus schildert und den Personenkreis, der dort ein und ausgeht, sondern gleichzeitig einen sehr guten Eindruck vom ländlichen Leben im Nachkriegsengland vermittelt. Die Autorin ist eine hervorragende Beobachterin und schafft es diese Beobachtungen zu den Beobachtungen des Lesers zu machen; es ist fast so, als sei mal selbst bei jedem Schritt der Familie Ayres auf Hundreds Hall dabei.
Einziges Manko des Romans sind meiner Meinung nach der lange Anlauf der Handlung und das Ende, welches ich unbefriedigend fand. Während die Handlung genug Platz hat, wirkt das Ende so, als wäre der Autorin plötzlich aufgefallen, dass sie nur noch 2 Seiten schreiben darf. Es wirkt gehetzt und nicht komplett. Das ist schade, weil es den guten Eindruck des Romans schmälert.
Insgesamt ist „Der Besucher“ ein solider Roman, der einen sehr gut unterhält. Insgesamt hatte ich mir jedoch mehr erwartet und hoffe auf den nächsten Roman der Autorin.
[Rezension] Die Sündenburg – Eric Walz

Verlag: Blanvalet
ISBN: 978-3442376964
Seiten: 448
Ausgabe: Paperback
Preis: €12, 00
ET: 06.2011
Anno Domini 912, am Oberrhein. Der alte Graf Agapet wird in der Burgpfalz hinterrücks ermordet. Kurz darauf heiratet seine Witwe, Gräfin Claire, erneut. Claires Tochter Elicia will den Tod ihres Vaters nicht ungesühnt lassen und stellt Ermittlungen an. Hatte ihre Mutter schon seit Längerem eine Liebesaffäre? Hat sie ihren Gatten ermorden lassen, ihn womöglich selbst getötet? Von Tag zu Tag werden Elicia ihre Mutter und ihr neuer Stiefvater immer verdächtiger…
Meine Rezension
912. Deutschland. Oberrhein.
Graf Agapet wird in seinem Bad ermordet, kurz nachdem er aus dem Krieg zurückkehrt. Seine Frau Claire heiratet gerade mal zwei Tage später einen anderen Mann und für die Tochter Elicia steht fest: Die Mutter und ihr Liebhaber haben den geliebten Vater heimtückisch ermordet, um den Weg für den Liebhaber freizumachen.
Doch auch Elicia scheint ein Motiv zu haben, ebenso wie ihr Mann Baldur, die Leibeigene Bilhildis und die Ungarin Kara, die Agapet als Trophäe aus der Schlacht mitgebracht hat.
Alles scheint kompliziert und verworren, als der Schultheiß Malvin die Ermittlungen aufnimmt und schon bald weiß er nicht mehr, wem er glauben kann und wem nicht…
„Die Sündenburg“ ist der neue historische Krimi von Eric Walz, der den vorangegangen Romanen in nichts nachsteht.
In dem gewohnten lockeren und dennoch bodenständigen Sprachstil, erzählt der Autor wieder einmal von einem Verbrechen, dass lange vor unserer Zeit geschehen ist. Das Besondere ist diesmal die Erzählperspektive: Kannte man z.B. aus „Die Giftmeisterin“ nur eine Ich-Erzählerin, so erzählen in „Die Sündenburg“ gleich fünf Menschen von den Tagen nach dem Mord. Zu Beginn mag dies erst gewöhnungsbedürftig sein, doch schnell lernt man die Vorzüge dieser Erzählperspektive schätzen.Denn diesmal erzählen alle beteiligten die Geschehnisse aus ihrer Perspektive, man lernt sie kennen und erhält somit ein ungefiltertes Bild der/des Erzählenden.
Die Figuren selbst erzählen in ihren Abschnitten ehrlich und unverblümt und lassen den Leser so an ihrem Leben teilhaben. Man hat wirklich das Gefühl, diese Charaktere kennenzulernen.
Die Handlung selbst hält sich nicht mit Unnötigem auf, sondern strebt schnell dem Höhepunkt – der Aufdeckung des Mörders – entgegen. So fliegen die Seiten nur so dahin und man sieht sich schneller als einem lieb ist mit dem Ende des Romans konfrontiert.
Der Dreh und Angelpunkt der Handlung ist in jedem Fall der Mord am Grafen Agapet. Jedoch geht es in diesem Roman auch um Familie, Liebe, Schicksal und Vergebung, die die Handlung abrunden. Dabei sind diese Themen nicht nur Nebenschauplätze, die nur angekratzt werden. Eric Walz arbeitet diese Themen wundervoll aus, sodass man Ende nicht das Gefühl hat, dass ein Aspekt unfertig geblieben ist.
„Die Sündenburg“ ist ein spannender, kurzweiliger Roman, der mir viel Freude bereitet hat. Mit diesem Roman werden nicht nur Krimifans ihre mörderische Freude haben.
Ich warte bereits jetzt sehnsüchtig auf den nächsten Roman von Eric Walz!
Eingereicht für die Challenge “Der Geschichte auf der Spur” für die Station: Frühmittelalter (05. – 10. Jahrhundert)
[Rezension] Unter der Asche – Tom Finnek

Verlag: Bastei Lübbe
ISBN: 978-3431037821
Seiten: 645
Ausgabe: Hardcover
Preis: € 22, 95
ET: 09.2009
Es ist eine Stadt voller Menschen, die in den Schatten leben. Der Straßenjunge Geoff, der in einem Taubenschlag haust. Seine schöne Schwester Jezebel, die in einer verrufenen Kneipe Bier ausschenkt. Der Künstler James Hollar, der ein Bild von ihr malt. Der Gauner Ray Webster, der vom Dieb zum Dichter wird. Menschen besessen von Kunst, von Religion, von Hass oder dem schieren Hunger nach Leben. Ein Mord an der Themse, ein seltsamer Eremit auf einem Friedhof, ein Grabstein, der eine alte Geschichte von Schuld und Sühne erzählt. Aus diesem Gemisch entspringt der Funke, der ganz London in Brand setzen wird.
Meine Rezension
All the world’s a stage,
And all the men and women merely players
~ William Shakespeare – As you like it ~
Und auch die Protagonisten aus Tom Finnek’s Roman „Unter der Asche“ dürften sich nicht nur einmal wie Spieler in einem Theater vorgekommen sein – auch der Leser wird in eine eigene Welt entführt und ist wie im Theater ganz nah dabei.
London im Jahr 1666: Kurz vor dem legendären Feuer, dass die Stadt verschlingen wird, erlebt der junge Geoffrey Ingram und seine Familie das Abenteuer ihres Lebens: Liebe, Enttäuschungen, Lügen und mehr als eine Wahrheit…und manchmal wissen alle nicht, wo ihnen der Kopf steht.
Mit sehr großer Freude habe ich endlich Tom Finnek’s Roman „Unter der Asche“ gelesen, nachdem ich ihn mir bereits im Januar 2010 gekauft habe. Und dieser wunderbare Roman kam grade zur rechten Zeit, da ich drauf und dran war in einer Lesekrise zu versinken.
Direkt zu Beginn begegnet man dem jungen Geoffrey Ingram – dieser erzählt dem Leser ungeblümt, ehrlich und frisch von der Leber weg von seinem Leben. Obwohl der junge Ingram erzählt wie im der Mund gewachsen ist und dies manchmal ein wenig ‘schnoddrig’ daher kommt, macht sein Erzählstil gerade diesen Erzählstrang zu einem echten Highlight des Romans.
Neben Geoffrey gibt es noch weitere Erzählstränge, die alle einem Protagonisten gewidmet sind. Neben der durchaus spannenden Handlung, sind es aber auch die Figuren, die einem als Leser wirklich ans Herz wachsen: Alle sind keine Adeligen oder sonst wie vom Glück verwöhnte Menschen, die plötzlich unter einer Katastrophe zu leiden haben. Nein, Finnek lässt ganz normale Bürger zu Wort kommen. Menschen, die einem damals zu Hauf auf der Straße begegnet wären. Es sind Figuren, die alle authentisch sind – keine Figur ist nur böse, oder nur gut, oder nur einfach tollpatschig oder glücklich. Alle haben ihr persönliches Schicksal zu tragen und zu erdulden – und sind dadurch absolut glaubwürdig und authentisch.
Besonders gelungen war meiner Meinung nach das Spiel mit der Wahrheit und der Lüge: Im Roman geht es u.a. auch darum Geheimnisse aufzudecken und der Autor zeigt glaubhaft und sehr detailliert, wie verschiedene Personen ein und dieselbe Begebenheit unterschiedlich auffassen und so eine Geschichte gleich mehrere Versionen bekommt.
Dieses Spiel mit Fakten läd den Leser ein, sich eine eigene Version der Ereignisse zu spinnen.
Im Roman spielt ein Theater eine nicht unwesentliche Rolle – und um in genau diesem Metier zu bleiben: Viele dank an den Autor für dieses Theaterstück und vielen Dank an die Figuren für ihr grandioses mitwirken!
Eine absolute Buchempfehlung!
[Rezension] Der Purpurhimmel – Laila El Omari

Verlag: Knaur
ISBN: 978-3426506745
Seiten: 711
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: € 9, 99
ET: 03.2011
1778: Das Leben der Offizierstochter Olivia Kilbourne ändert sich schlagartig, als ihr Vater nach Gibraltar versetzt wird. Ihre Eltern entzweien sich, ihre Geschwister scheinen etwas vor ihr zu verbergen, und der Offizier Sir John Retallick drängt sie in eine Ehe. Trotz der Unnahbarkeit, die ihn umgibt, verliebt sich Olivia in ihn. Als es zur Belagerung von Gibraltar kommt, spitzt sich ihr Schicksal jedoch dramatisch zu. Ein düsteres Geheimnis verbindet John und ihre Familie, und Olivia wird hineingezogen in ein Spiel um Vergeltung, Intrigen und Verrat.
Meine Rezension
Als Olivia Kilbourne mit ihrer Familie im Sommer 1778 in Richtung Gibraltar aufbricht, kommt ihr dies wie eine Strafe vor: Sie will eigentlich lieber in England bleiben, bei ihren Freundinnen, in ihrer Heimat und so ist sie ihrem neuen Leben alles andere als aufgeschlossen.
Die junge Frau ahnt noch nicht, dass die Halbinsel, die erst seit rund 70 Jahren zu Großbritannien gehört, ihr Leben komplett auf den Kopf stellen wird: Denn Sir John Retallick zwingt Olivia in eine Ehe und zieht sie so in einen Sumpf aus Hass, Rachsucht, Intrigen und Verrat.
„Der Purpurhimmel“ ist der erste Roman, den ich von Laila El Omari gelesen habe, aber es wird definitiv nicht mein Letzter sein
Von Anfang an hat mich die Sprache der Autorin in den Bann gezogen: Bereits die ersten Worte sind klangvoll, kräftig und dennoch sanft. So fällt nicht nur der Einstieg in den Roman besonders leicht, denn die Seiten fliegen nur so dahin. Auch der Verlauf der restlichen 700 Seiten wird so regelmäßig wie Wellen, die in einem gemäßigten Rhythmus gegen die Felsen Gibraltars schlagen.
Neben der Sprachgewalt besticht der Roman durch seine Figuren.
Man lernt in erster Linie Olivia Kilbourne kennen, die Dreh und Angelpunkt der Geschichte ist. Zu Beginn ist sie noch schüchtern, naiv und unbeholfen. Doch mit jeder Seite und jeder neuen Erfahrung merkt man, wie sich Olivia verändert, wie sie erwachsen und auch reifer wird.
Beinah ebenso interessant wie Olivia sind ihre Geschwister Stanley und Ruby, sowie ihr späterer Ehemann John Retallick. Diese drei Figuren bleiben jedoch fast bis zum Schluss Figuren mit Konturen, die darauf warten ausgefüllt zu werden. Man weiß in erster Linie nur, dass diese drei eine gemeinsame Vergangenheit verbindet und das dieses Band auch noch in Gibraltar besteht. Doch was genau das Geheimnis der drei ist, erfährt man nur in Bruchstücken während man der Handlung auf der Insel folgt. Ergänzt wird diese immer wieder durch Rückblenden, die nach und nach das Bild vervollständigen.
Der Fokus liegt während des gesamten Buches auf den Protagonisten, aber die Autorin flechtet auf eine unaufdringliche Art auch historisches Geschehen mit ein: So erleben die Protagonisten die Blockade durch Spanien zum Endes des 18.Jahrhunderts. Die Autorin gewährt dabei Einblicke in das Leben der Bevölkerung, die unter der Blockade leiden musste, erklärt, wie das Militär arbeitete, um die Insel zu verteidigen und wie man versucht hat, die Spanier zu bezwingen.
Als Leser hat man so die Gelegenheit tief in die Kargheit der Insel und in das Leben auf der Insel einzutauchen. Ich habe mich zu jeder Zeit den Protagonisten nah gefühlt und war wirklich tot traurig, als ich das Buch beenden hatte.
Ich wäre gerne länger auf Gibraltar geblieben und habe nur ungern das Schiff Richtung Realität bestiegen.
Eingereicht für die Challenge “Der Geschichte auf der Spur” für die Station: Kolonialisierung
Die fernen Stunden – Kate Morton

Verlag: Diana Verlag | Leseprobe (.pdf)
ISBN: 978-3453290945
Seiten: 716
Ausgabe: Hardcover
Preis: € 21, 99
ET: 12.2010
Es beginnt mit einem verloren geglaubten Brief. Ein halbes Jahrhundert hat er darauf gewartet, gelesen zu werden. Die Suche nach dem Absender führt die junge Edie nach Milderhurst Castle, wo seit Jahrzehnten die exzentrischen Blythe-Schwestern leben. Als Edie das verfallene Schloss betritt, beginnt sie zu ahnen, dass hinter den alten Mauern der Schlüssel zur rätselhaften Vergangenheit ihrer Mutter liegt.
London 1939: Als die ersten Bomben auf die Stadt fallen, befindet sich die zwölfjährige Meredith mit einer Gruppe evakuierter Kinder auf dem Weg nach Kent, wo sie Zuflucht bei einer fremden Familie findet. Staunend und eingeschüchtert zieht sie auf das herrschaftliche Milderhurt Castle, wo die siebzehnjährige Juniper mit ihren Zwillingsschwestern und ihrem Vater, dem bekannten Schriftsteller Raymond Blythe, lebt. Sie taucht ein in eine Welt der Geschichten und der Fantasie — bis etwas geschieht, das das Leben des Mädchens für immer verändert. Nie ist sie nach Milderhurst zurückgekehrt, doch das Auftauchen eines lange verschollenen Postsacks führt ihre Tochter Edie auf die Spur einer geheimnisvollen Vergangenheit. Innerhalb der düsteren Gemäuer kommt mehr ans Licht, als Edie sich je hätte vorstellen können. Damals geriet auch die Welt der jungen Juniper Blythe aus den Angeln, doch vielleicht ist es noch nicht zu spät, Vergangenheit und Gegenwart miteinander zu versöhnen.
Wieder erschafft Kate Morton eine Welt voller Zauber und Geheimnisse, die einen bis zur letzten Seite fesselt.
Meine Rezension
Manchmal nimmt das Leben merkwürdige Wendungen: 50 Jahre nach Ende des 2.Weltkrieges findet eine Tochter einen Sack alter Briefe auf dem Dachboden ihres verstorbenen Vaters. Dieser hat damals nach einer durch zechten Nacht die Briefe nicht ausgeliefert und so gelangen die Empfänger erst ein halbes Jahrhundert später in den Besitz ihrer Einladungen, Geburtstagskarten und Liebesbriefe.
Auch Edie Burchills Mutter ist Empfänger eines solches Briefes und mit dem Brief lernt Edie ihre Mutter erst kennen. Und mit ihr die Blytheschwestern, die immer noch auf Schoß Milderhurst leben….
Als ich die letzte Seite dieses 700 seitigen Schmökers aus der Hand gelegt hatte, hatte ich immer noch eine Gänsehaut. Kate Morton erzählt die Geschichte einer Familie, die in ihrer eigenen Welt lebt auf eine spannende, mysteriöse und schaurig schönen Weise.
Der Roman beginnt mit einem Brief, der 50 Jahre verschollen war. Mit diesem Brief tritt Edie Burchill eine Reise in die Vergangenheit ihrer Mutter, aber auch in die Vergangenheit einer interessanten und verschrobenen Familie an.
Diese Familie besteht zum Zeitpunkt, als Edie diese auf ihrem Schloss besucht, aus den drei Schwestern Blythe: Percy, Saffy und June. Alle drei sind nun betagte Damen und durch und durch verschroben und exzentrisch. Es ist nicht leicht mit ihnen auch nur eine normale Unterhaltung zu führen und man fragt sich wie Edie, warum die Drei so sind wie sie sind und was sie erlebt haben, dass sie sich auf ihrem Schloss verkriechen und sich in der Welt kaum blicken lassen.
Gemeinsam mit Edie geht man auf Spurensuche und taucht ein in eine andere Welt: ins England der vierziger Jahre.
Die Autorin schafft es mit ihrem Schreibstil die Tage des zweiten Weltkrieges wieder auferstehen zu lassen und man meint beinah, dass man neben den Schwestern steht und die deutschen Bomber, die England bedrohen selbst hören kann. Kate Morton nimmt ihre Leser so mit auf eine Zeitreise und gewährt Einblicke in die Geheimnisse einer Familie.
Diese Geheimnisse legt die Autorin erst zum Schluss offen, sodass man als Leser selbst wie Edie rätseln kann und darf.
Bei all der Geheimniskrämerei kommen aber die Gefühle nicht zu kurz: Man liest von Wünschen, Träumen, Sehnsüchten und Hoffnungen. So werden vor allem die Schwestern lebendig und man hat am Ende des Romans ein wenig das Gefühl, sie zu kennen, mit ihnen ein Stück ihres Lebens zusammen gegangen zu sein.
Als ich das Buch zugeklappt habe, hatte ich sogar ein paar Tränen in den Augen. Nicht nur, dass die Geschichte etwas tragisches hat, ich musste mich auch von lieb gewonnen Figuren verabschieden und in meine eigene kleine Welt zurückkehren, die mir mit einem Mal etwas trostlos vorkam ohne die Geschwister Blythe.
Fazit: „Die fernen Stunden“ ist ein faszinierender Schmöker, der zum träumen einlädt und einen in eine anderen Welt entführt. Leser, die gerne Familiengeschichten lesen und verschrobenen Charakteren etwas abgewinnen können, werden das Buch lieben!


