Archiv für April 2010
Das genähte Herz – Carole Martinez
Verlag: Piper
ISBN: 978-3492052009
Seiten: 429
Ausgabe: Hardcover
Preis: € 22,95
ET: 02.2009
Als die junge Frasquita das Nähkästchen erhält, das in ihrer Familie seit jeher von der Mutter an die Tochter vererbt wird, gelangt sie zugleich in den Besitz einer besonderen Gabe, die an Zauberei grenzt. Mit den leuchtenden Garnen näht sie wunderbare Dinge und macht Frauen zu Prinzessinnen. Sie bestickt Kleider, auf denen die Magie der Farben Blumen erblühen lässt. Doch die Menschen in dem abgeschiedenen andalusischen Dorf stecken voller Misstrauen und Neid, was Frasquita bei ihrer Hochzeit mit dem wortkargen Schmied José nur allzu sehr zu spüren bekommt. Es folgen stille, einsame Jahre, bis Frasquita irgendwann erkennt, dass sie der Enge ihres Dorfes entfliehen muss. Und so setzt sie eines Tages ihre Kinder in einen Handkarren und bricht auf zu einer weiten Reise durch den trockenen Süden Spaniens in Richtung Meer.
Meine Rezension
Frasquita lebt in einem kleinen, abgeschiedenen andalusischen Dorf. Von ihrer Mutter erhält sie ein Nähkästchen und damit eine unglaubliche Gabe: von nun an näht sie mit leuchtenden Farben und einem ungeheuren Geschick die schönsten Kleider.
Doch die Dorfbewohner sind misstrauisch und gönnen der jungen Frau ihr Talent nicht.
Frasquita verblüht beinah in dem kleinen Dorf, als sie plötzlich beschließt eben jenes zu verlassen…
Fast ein Jahr verharrte Das genähte Herz von Carole Martinez auf meinem Wunschzettel, bevor ich es dieses Jahr endlich in meinem Osterkörbchen liegen hatte.
Und was soll ich sagen? Mir fehlen einfach immer noch die Worte, um dieses Buch adäquat zu beschreiben.
Die Geschichte beginnt mit Soledad. Sie widmet sich einer Aufgabe: die Geschichte ihrer Mutter Frasquita Carascos und den Geschwistern zu erzählen. Und diese beginnt in der Jugend Frasquitas, ihrem Leben bei den Eltern und wie sie zu ihrer Gabe kommt.
Bereits der Einstieg, also der Prolog der sich mit Soledad beschäftigt, fesselt einen regelrecht an das Buch. Die Autorin versteht es, einen honigsüßen Kleber aus Worten auszulegen und man ist sich bereits im Prolog sicher, dass man eine besondere Geschichte in der Hand hält. Der Einstieg in die Geschichte fällt so sehr leicht und man hat sehr schnell einige Seiten gelesen und befindet sich, ehe man es merkt, mitten in der Geschichte.
Die Sprache selbst lässt sich mit der Gabe Frasquitas vergleichen: ebenso geschickt wie überwältigend reiht Martinez die Worte aneinander wie eine Stickerei. Sie ist präzise, kraftvoll, mythisch und poetisch. Jeder einzelne Satz fließt nur so dahin und geht ohne große Brüche in den nächsten über. Das unterstützt natürlich einen angenehmen Lesefluss.
Die Atmosphäre des Romans ist unglaublich dicht: man fühlt beinah die Hitze und Trockenheit Spaniens auf der eigenen Haut, beinah reißen einem selbst die Lippen ein. Man fühlt die Blicke derjenigen auf sich, die noch in einer alten Ordnung gefangen sind und sich gegen alles Neue sperren.
Die Geschichte selbst wimmelt nur so vor Überraschungen. Denn das was die Autorin hier präsentiert ist ein Märchen, in dem es fast an Zauberei grenzende Vorfälle geben kann.
Auffallend sind vor allem die Charaktere: die Autorin schafft es diese so zeichnen, dass sie einem ans Herz wachsen, aber das man sie gleichzeitig mit einer gewissen Distanz betrachtet.
Ich bin restlos begeistert von dem Buch und würde es am liebsten jedem einfach in die Hand drücken, der wirklich gute Literatur lesen will.
Andererseits muss ich eingestehen, dass dieses Buch vielleicht doch ein wenig speziell ist. Man muss sich öffnen für dieses Buch und es an sich heran lassen.
Dennoch hoffe ich, dass es viele Leser finden wird, die ähnlich begeistert sein werden wie ich.
Das genähte Herz hat am Thron meines All-Time-Favourites gerüttelt an den lange, lange kein anderes Buch herranreichen konnte und stellt sich jetzt neben Patrick Süskinds „Parfum“ auf den Thron.
Der schwarze Papst – Eric Walz
Verlag: Blanvalet | Leseprobe
ISBN: 978-3-442-37269-0
Seiten: 438
Ausgabe: Broschiert
Preis: € 12.00
ET: 09.2009
Rom 1552. Warum stirbt ein Schüler während der Eröffnung des Collegium Germanicum, der deutschen Schule der Jesuiten, durch Gift? Und wer hat Carlotta aus dem Fenster gestürzt? Der junge Jesuit Sandro Carissimi ermittelt mit der Unterstützung der lebenslustigen Glasmalerin Antonia Bender, die er wie Carlotta in Triest kennen gelernt hat. Die Nachforschungen sind heikel, führen sie doch in die allerheiligsten Gemächer des Vatikans, wo den Mächtigen mehr an den Geheimnissen der Kirche, als an den Geboten Gottes liegt ..
Meine Rezension
Rom, im Jahre des Herrn 1552: die Jesuiten wollen ein Kolleg eröffnen, das Collegium Germanicum. Dies wird natürlich gefeiert, doch es kommt zu einem Zwischenfall: einer der Schüler erleidet einen Krampfanfall und stirbt. Sandro Carissimi, Visitator des Papstes, ist dabei und weiß sofort: hier ist ein Verbrechen geschehen, das dringend aufgeklärt werden muss.
Der schwarze Papst ist der dritte und letzte Band um die Glasmalerin Antonia Bender und dem Jesuiten Sandro Carissimi.
Diesmal steht im Gegensatz zu den anderen Romanen der Kriminalfall sehr im Vordergrund. Natürlich, wir lesen hier einen historischen Kriminalroman, aber für mich war es dann doch zwischenzeitlich ein wenig zu viel, denn ich wollte eher noch mehr über Sandro und Antonia erfahren, die mir in den Vorgängerbänden so sehr ans Herz gewachsen sind. Vor allem Antonia kommt ein wenig zu kurz, während man Sandro weiterhin bei seinen Ermittlungen erleben darf.
Diese Verlagerung auf den Kriminalfall ist schade, da man gerade in den Vorgängerbänden viel mehr mit den Charakteren an sich zu tun hatte.
Der Fall selbst ist wie auch schon in den Vorgängern sehr gut durchdacht und bot für mich doch zum Schluss eine Überraschung, denn mit diesem Täter hätte ich nie gerechnet. Bis zum Schluss hatte ich viele Verdächtige, die alle ein Motiv gehabt hätten. Eric Walz legt somit viele verschiedene Spuren, die man als Leser eifrig verfolgt.
Der Schluss des Romans gefällt mir, obwohl es mir wirklich schwer fällt zu akzeptieren, dass dies der letzte Band ist, denn er ist relativ offen gehalten und so kann man entweder darauf hoffen, dass der Autor doch noch einen Band schreibt oder man spinnt sich die Zukunft der Charaktere selbst nach eigenen Vorstellungen weiter.
Unterm Strich bin ich mit Der schwarze Papst sehr zufrieden und finde, dass es ein würdiger Abschluss der Glasmalerin-Trilogie ist. Der Roman hat mich von seiner ersten bis zu seiner letzten Seite in seinen Bann gezogen und ich musste in jeder freien Minute lesen.
Wieder nur sehr zu empfehlen!


