Archiv für Mai 2009

Die Sternjägerin – Eric Walz

Verlag: Blanvalet | Leseprobe (.pdf)
ISBN: 978-3442371334
Seiten:
416
Ausgabe:
Taschenbuch
Preis:
€ 08,95
ET:
01.2009
Um sich ihren Herzenswunsch zu erfüllen – der Erforschung der Sterne –, heiratet die junge Elisabeth Koopmann 1663 den bekannten Danziger Astronomen Johannes Hevelius. Doch zugleich ist sie nicht bereit, die Beziehung zu ihrem Geliebten Marek endgültig aufzugeben. Die verbotene Liebe droht ihre Familie zu zerstören, während ihr wissenschaftlicher Erfolg böswillige Neider hervorruft. Doch ihr Mut und ihre innere Stärke lassen Elisabeth nicht aufgeben – bis sie als Zeichnerin der ersten genauen Mondkarten in die Geschichte eingeht!

Meine Rezension

Elisabeth hat eine Leidenschaft: die Sterne. Doch diese Leidenschaft kann sie in ihrem trostlosen Elternhaus, dass ihre Tante Hemma regiert, nicht frei ausleben.
So frönt Elisabeth heimlich ihrer Leidenschaft und hofft, auf einer Gesellschaft eines Tages dem Danziger Stadtrat Hevelius zu begegnen: dieser hat eine große Sternenwarte auf dem Dach stehen und erforscht mit dessen Hilfe seit Jahren den Himmel.
Ihr Glück scheint vollkommen, als der große Tag auch tatsächlich eintritt: auf einer Gesellschaft lernt Elisabeth zumindestens schon mal Hevelius´ Ehefrau Katharina kennen und den jungen Marek.
Marek wird an diesem Abend zu ihrer zweiten Leidenschaft, doch auch diese kann sie nicht ohne weiteres ausleben.
Elisabeths Lage wird komplizierter als sie sich für Marek oder für Hevelius entscheiden muss…

Die Sternjägerin erschien bereits 2006 bei Blanvalet.
In diesem Roman greift der aus dem Taunus stammende Autor Eric Walz das Leben der historischen Figur der Elisabeth Hevelius auf und verarbeitet deren Biographie in einem gefühlvollen Roman.

Die beiden Hauptfiguren aus dem Roman lebten wirklich: Elisabeth Hevelius und ihr Mann Johannes. Auch in Wirklichkeit arbeiteten beide als Astronomen.
Der Roman gibt dem Leser – neben der Einflechtung historischer Fakten – ein Bild, wie das Leben der beiden wohl ausgesehen haben mochte.
Beide Figuren sind lebendig gezeichnet und haben ihre Konturen: man kann sich das Ehepaar bildlich vorstellen. Beide handeln stets stringent, es gibt keine Widersprüche, wodurch die Figuren alle glaubwürdig sind.
Neben den beiden Sympathieträgern – Hevelius und Elisabeth – hat es der Autor nicht verpasst mit Elisabeths Tante Hemma, und letzten Endes auch mit deren Schwester Lil, zwei Bösewichte in die Geschichte zu zaubern und somit für Abwechslung zu sorgen.

Die Handlung selbst ist ebenfalls in sich logisch aufgebaut, wenn auch an ein paar Stellen durchschaubar. Allerdings ist und bleibt es durchwegs spannend.
Man möchte zum einen immer wissen wie es mit Elisabeth weitergeht, was ihre Forschungen machen, aber auch wie sich ihre Beziehung zu Marek entwickelt.

Eric Walz schafft es mit einem bildhaften Schreibstil die Szenen zum Leben zu erwecken und kreiert eine wundervolle Atmosphäre, die Die Sternjägerin zu einem echten Wohlfühlroman machen mit dem man schöne Lesestunden verbringen kann.

Nach dem Lesen des Romans klappt man das Buch zufrieden zu und betrachtet die Sterne mit einem anderen Auge…

Die Kalligraphin – Kirsten Schützhofer

Verlag: Diana Verlag
ISBN: 978-3453352698
Seiten:
656
Ausgabe:
Taschenbuch
Preis:
€ 09,95
ET:
11.2008
1689: Als Sklavin gelangt die junge Habar aus ihrer Heimat Ungarn auf das Gut Schwarzbach in Sachsen. Dort wird das exotisch aussehende Mädchen bestaunt, aber auch wegen seiner Fremdartigkeit und seines muslimischen Glaubens angefeindet. Kraft schöpft sie aus der Kunst der Kalligraphie, die ihr Vater sie gelehrt hat. Als sie jedoch gezwungen wird, diese besondere Fähigkeit zur Fälschung von Dokumenten einzusetzen, gerät Habar in höchste Gefahr

Meine Rezension

Budin -Ofen 1686: Habar und Ibrahim sind noch Kinder, als sie ins für sie ferne Sachsen gelangen.
Die beidene Geschwister sind die Kriegsbeute von Georg von Hartleben, der die beiden stolz seiner Frau vorführt.
Doch Georg hat ein ganz anderes Problem: als sein Bruder Alexander starb, sollte er dessen Gut erben und verwalten. Doch es gibt keine Notiz, keine Vefügung darüber. Georg steht kurz vor einem Nervenzusammenbruch, als er bemerkt, das Habar geschickt weiß mit der Feder umzugehen…
Und hier fängt Habars eigentliches Schicksal erst an: nachdem sie Georg half, wird sie schon bald auf das Gut Schwarzbach verkauft und ist auf sich allein gestellt.
Ihre Versuche Freunde zu finden oder sogar eines Tages wieder nach Budin zurück zukehren sind immer wieder zum Scheitern verurteilt….

Die Kalligraphin ist mittlerweile der dritte Roman von Kirsten Schützhofer. In ihm erzählt sie ein Stück Geschichte, dass relativ unbekannt ist: das Schicksal der Beutetürken, die im Rahmen der deutsch-türkischen Kriege, als Sklaven und Aushängestücke nach Deutschland gebracht wurden.

Gefühlvoll und mit Nachdruck erzählt die Autorin auf über 600 Seiten, wir ein solches Schicksal als Beutetürke ausgesehen haben könnte.
Dabei steht vor allem das Leben der jungen Habar im Vordergrund, die von einem zum nächsten ‘Besitzer’ rumgereicht wird und dabei versucht sich treu zu bleiben und ihren Weg und Platz im Leben zu finden.

Das Leben und diesen Weg beschreibt die Autorin sehr bildreich und lebendig: die Figuren wirken durchweg lebending und farbenfroh. Man sieht sie beinah direkt vor den eigenen Augenen und begleitet sie auf ihrem Weg.
Insgesamt hat Schützhofer ein mehr als interessantes Personenreportoire geschaffen mit vielen unterschiedlichen Charakteren, die alle von ihren Wünschen getrieben werden. Dabei hat es die Autorin nicht versäumt allen ihre Ecken und Kanten zu geben und lässt alle ihrer naturgemäß handeln, was immer wieder die Frage aufwirft, was als nächstes passieren wird.
Nichts ist vorhersehbar und so birgt der ein oder andere Protagonist so manche Überraschung.

Der Roman lässt sich viel Zeit mit seiner Handlung und erzählt über fast 30 Jahre ein fanatstisches Familienepos in dem es um Verlust, Selbstzerstörung und Schuld geht, aber auch in dem die Liebe seinen Platz findet.

Mir fiel es schwer, dass Buch aus der Hand zu legen, denn immerzu wollte ich wissen, wie es Habar geht, was ihr und ihren Bekannten als nächstes passiert, die leise Hoffnung, dass alle finden was sie suchen…
Die Kalligraphin ist ein trotz der Thematik farbenfroher Roman, dem ich lediglich anlasten kann, dass er das mir so verhasste „….-in“-Titelschema erfüllt.
Kirsten Schützhofer hat mit diesem Roman die Messlatte für ihre beiden Vorgängerromane, die beide noch auf meinem SuB schlummern, sehr hochgelegt!

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