Archiv für Januar 2009
Hexenmilch – Kari Köster-Lösche
Verlag: List
ISBN: 978-3548606132
Seiten: 178
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: € 06,95
ET: 02.2006
In einem Dorf im Nordfriesland des 16. Jahrhunderts lebt Mutter Griebsch, eine Hebamme, die auch der Herstellung von Heilsalben kundig ist. Ihre Fähigkeiten machen sie jedoch bald zum Opfer ihrer Zeit. Denn die anderen Dorfbewohner sprechen ihr magische Kräfte zu und beschuldigen sie der Hexerei…
Meine Rezension
Mutter Griebsch ist eine bekannte und beliebte Hebamme auf einer Insel in Nordfriesland. Doch sie ist auch in der Herstellung von Heilsalben bewandert. Schon alleine dies ist im 16.Jahrhundert durchaus gefährlich.
Doch was dennoch niemand ahnt und am allerwenigsten die Hebamme: einige Dorfbewohner spinnen Intrigen und Lügen, um ihr eigenes Verhalten zu verschleiern. Die leidtragene ist Mutter Griebsch: sie wird der Hexerei angeklagt.
Der Roman Hexenmilch der Autorin Kari Köster-Lösche ist gerade mal 180 Seiten stark.
Wenn man sich auf den Schwerpunkt der Geschichte konzentriert – den Hexenprozess – dass hat die Autorin ein ausgezeichnetes Buch abegeliefert.
Auf den 180 Seiten zeigt sie Autorin sehr deutlich wie schnell ein unschuldiger Mensch angeschuldigt wurde und konnte in der damaligen Zeit und wie die Verhöre und Urtreile gefällt wurden: die Frauen wurden gequält und verurteilt.
Diese fadenscheinigen und großen Rettungen der Angeklagten stieß mir in anderen Romane immer wieder auf. Hier scheinen wir eine sehr reale Darstellung der damaligen Gegebenheiten zu haben.
Sauer aufgestoßen sind mit dahingegen die anderen Aspekte um den Schwerpunkt.
Die Autorin zeigt viele verschiedene Menschen und ihre Schicksale, allerdings verfolgt sie diese meiner Meinung nach nicht mehr konsequent genug, nachdem der Hexenprozess ins Rollen kam.
Doch dafür setzt sie sich vorher fast zu intensiv mit diesen auseinander, um sie nachher unbeantwortet zu lassen.
Es fehlt einfach etwas, etwas wichtiges.
Kari Köster-Lösche hat mir schon in ihren Hansenkrimis gezeigt, dass sie schreiben kann und das merkt man auch dem Roman Hexenmilch an. Dennoch ist die Autorin eher eine „Langstreckenschreiberin“.
Dieser Roman ist nicht abgrundtief schlecht, aber auch nicht ihr bester.
Wer noch keinen Roman der Autorin kennt, sollte vielleicht zuerst zu einem anderen Roman der Autorin greifen.
Das Heiligenspiel – Ursula Niehaus
Verlag: Droemer Knaur
ISBN: 978-3426662571
Seiten: 576
Ausgabe: Gebundene Ausgabe
Preis: € 16,95
ET: 12.2008
Augsburg im ausgehenden Mittelalter: Die junge Anna entspricht nicht gerade dem Schönheitsideal ihrer Zeit, aber mit Klugheit und Witz schlägt sie sich tapfer durchs Leben. Als sie das Opfer einer Intrige wird, wird sie aus ihrer geliebten Heimatstadt verjagt …
Bei Oda, einem alten Kräuterweib, das mitten im Wald lebt, findet sie Aufnahme und lernt bei ihr alles über die heilende Kraft der Natur. Nur Oda ist es zu verdanken, dass Anna schließlich nach Augsburg zurückkehren darf. Doch bald droht neues Unheil, denn durch einen unglücklichen Zufall kommt das Gerücht auf, Anna sei eine Hungerheilige und ernähre sich allein von der geweihten Hostie. Mehrfach versucht Anna den Irrtum richtigzustellen, doch der Glaube ihrer Mitbürger, die ihre klugen Ratschläge und ihre Heilkunst zu schätzen wissen, ist stärker. Bald pilgern die Menschen von weit her zu ihr, von der sie sich Genesung und Trost erhoffen. Doch auch eine vermeintliche Heilige ist nicht gefeit gegen die Liebe: Der reiche Kaufmann Anton Welser ist nicht nur von Annas ungewöhnlicher Klugheit fasziniert.
Meine Rezension
Augsburg im späten Mittelalter: Anna ist erst knapp sechszehn Jahre alt und entspricht nicht dem Schönheitsideal ihrer Zeit. Und trotzdem zieht sie mit viel Charme und Witz die Menschen in ihren Bann.
Doch als Anna Opfer einer Intrige wird, muss sie ihre geliebte Heimatstadt verlassen. Durch einen Zufall kommt sie bei der alten, heilkundigen Oda unter, die einsam im Wald wohnt. Oda weißt Anna in die Geheimnisse der Kräuterkunst ein und Anna fühlt sich zum ersten Mal in ihrem Leben geborgen. Trotzdem quält sie starkes Heimweh; so sehr sogar, dass sie schwer krank wird.
Oda sorgt in ihrem Kummer um Anna dafür, dass Anna nach Augsburg zurück kehren kann.
Dort kommt sie bei den Seelschwestern unter und führt ein sorgloses Leben, bis es passiert: Anna kann tagelang nichts Essen und erbricht alles was sie zu sich nimmt. Nur die Heilige Hostie kann sie bei sich behalten und so wird Anna bald als Hungerheilige verehrt…
Was keiner ahnt: bald kann Anna wieder Essen, doch da kann sie das Gerücht um ihre Heiligkeit nicht mehr aufklären.
Für Anna beginnt ein Leben voller Entbehrungen, Lügen und Angst….
Das Heiligenspiel ist der zweite Roman von Ursula Niehaus.
Indem erzählt sie die Geschichte der historischen Person Anna Laminit. Sie verpackt das Leben der vermeintlichen Heiligen in einen Roman und erzählt von den Sorgen, Nöten und den Wünschen einer Frau, die eigentlich nie etwas anderes wollte, als ein normales Leben zu führen.
Die Autorin hält sich bei ihrer Erzählung im Großen und Ganzen an die historischen Fakten, wie sie im Nachwort darlegt. Selbst alle Personen, die Anna im Buch begegnen, sind ihr auch in Wahrheit begegnet.
Ursula Niehaus erzählt die Geschichte von Anna auf eine wirklich spannende Weise, so dass man das Gefühl hat immer wissen wollen zu müssen wie es mit Anna weiter geht.
Dabei passiert Anna ein Unglück nach dem anderen und zwischen durch denkt man auch, dass es langsam genug ist und man wünscht Anna endlich ein ruhiges, glückliches Leben. Doch Anna kommt nicht zu Ruhe und im Endeffekt muss ich sagen, dass es passte: jedes Unglück ist zwar fast eines zu viel, aber es passte in die Logik der Geschichte.
Eigentlich ist Anna eine Figur, die von vielen für ihre Zwecke ausgenutzt wird und die bald auch Feinde hat.
Zwar hatte ich an einigen Stellen das Gefühl, dass es ein paar Längen gab, allerdings kann es auch gut sein, dass ich mir diese einbildete, weil ich schneller wissen wollte wie es weitergeht..
Insgesamt ist auch der zweite Roman von Ursula Niehaus ein tolles Leseerlebnis gewesen, und ich hoffe, dass bald ein neues Buch von ihr erscheint.
Der Gesandte des Papstes – Christoph Lode
Verlag: Page & Turner | Leseprobe (.pdf)
ISBN: 978-3442203260
Seiten: 480
Ausgabe: Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag
Preis: € 19,95
ET: 02.2008
Oberlothringen, im Jahre 1303. Der junge Ritter Raoul von Bazerat führt ein sorgloses, ausschweifendes Leben, bis er erfährt, dass er todkrank ist. Er entschließt sich zu einer Pilgerfahrt nach Rom, wo er um Vergebung für seine Sünden bitten will. Dort angekommen, rettet er Kardinal Morra, einem Vertrauten des Papstes, das Leben.
Morra verspricht Raoul daraufhin einen umfassenden Sündenablass, vorausgesetzt, er reist nach Palästina und überbringt dort einem Agenten des Heiligen Stuhls ein altes, vergessen geglaubtes Manuskript, die Lebensgeschichte des heiligen Antonius; das Schriftstück soll zu dessen Stab führen, dem magische Kräfte nachgesagt werden. Raoul willigt sofort ein und begibt sich auf die Reise. Schon bald findet er sich im Zentrum von Intrigen und Machtkämpfen wieder und wird von päpstlichen Handlangern und den Söldnern von Sultan an-Nasir verfolgt. Denn der Sultan fürchtet, der Papst wolle mithilfe des Antoniusstabes einen neuen Kreuzzug entfesseln. Auf seiner Flucht durch Vorderasien schließt sich Raoul der geheimnisvollen Ägypterin Jada an – und sie ist die Einzige, die ihm die Wahrheit über den wundersamen Stab offenbaren kann …
Meine Rezension
Der Gesandte des Papstes ist der Debutroman des aus Hochspeyer stammenden Autors Christoph Lode.
Der Roman erzählt die Geschichte eines kranken Ritters, der vom Schürzenjäger in seiner Not zum Suchenden wird. Der Ritter Raoul reist nach Rom; er will eine Pilgerfahrt unternehmen, um so Buße zu tun und wieder zu sich zu finden. Durch einen Zufall trifft er auf Kardinal Morra, der ihn bittet seinen Schreiber Gaspare Matteo zu begleiten, der ein wichtiges Schriftstück überbringen soll.
Und so beginnt Raoul´s Reise nach Jerusalem, Trapezunt, Konstantinopel und Ägypten mit dem Ziel den Stab des Heiligen Antonius zu finden und dem Papst zu überreichen.
Doch sind Raoul und der Schreiber nicht die Einzigen die nach dem Stab suchen…
Der fast 500 Seiten starke Roman ist ein echter Page Turner und man möchte es nicht eher aus der Hand legen bis man erfahren hat, wie das Abenteuer ausgeht.
Dabei verbindet Christoph Lode exotisches Terrain mit einen spritzigen, detailierten und dynamischen Schreibstil.
Wie so oft geht es auch in dieser Geschichte um den Kampf zwischen Gut und Böse und anfangs scheinen die Fronten klar verteilt.
Doch mit jeder gelesenen Seite wird klar, dass auf beiden Fronten nicht rein gute oder rein böse Chraktere zu finden sind.
Christoph Lode hat in seinem Roma Charaktere geschaffen.die ihre Ecken und Kanten haben und somit fast alle durchweg sympathisch sind. Sie sind aus dem Leben gegriffen.
Weiterer Pluspunkt ist der Schauplatz der Geschichte: Jerusalem, Ägypten, Konstantinopel.
Viele Romane des Genres spielen typischerweise in London, Frankreich oder den Niederlanden. Da ist es eine tolle Erfrischung auch einmal in den Nahen Osten zu entfliehen und einer Reliquie zu suchen.
Stellenweise fehlen mir immernoch die Worte, dieses Buch zu beschreiben und zu sagen was mich alles begeistert hat und das, obwohl ich es vor knapp 2 Wochen beendet habe und somit alle Eindrücke Zeit hatten nachzuwirken.
Der Gesandte des Papstes war und ist für mich ein fullminates Abenteuer, von dem ich jede einzelne Seite verschlungen habe.
Christoph Lode hat sich somit in mein Leserherz geschrieben und wird auch in Zukunft ungefragt wieder und wieder in meinem Regal landen.


