Archiv für November 2008
Mann und Frau – Zeruya Shalev
Verlag: BtV
ISBN: 978-3833302695
Seiten: 399
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: € 10,90
ET: 01.2005
Udis und Na’amas Ehe ist in eine Sackgasse geraten. Udi reagiert darauf mit den unterschiedlichsten körperlichen Symptomen: einmal ist er für zwei Tage gelähmt, ein anderes Mal für kurze Zeit blind. Kurzum: Mann und Frau sind schließlich vor allem damit beschäftigt, sich gegenseitig zu zermürben. Na’ama bringt ihren Mann zu einer jungen Heilerin, die erkennt, dass sich die ganze Familie einem kathartischen Prozess unterziehen muss. Das Ergebnis: Udi zieht zu der Ärztin, Na’ama beginnt eine intensive Affäre mit einem Architekten. Und doch finden am Ende Na’ama und Udi wieder zueinander, auf dem weiten Feld der ehelichen Zweisamkeit.
Meine Rezension
Wie viel Streit verträgt eine Ehe?
Na`ama und Udi sind seit knapp 25 Jahren verheiratet und haben eine kleine Tochter.
Doch schon lange ist die Ehe nicht mehr das, was sie sein sollte. Die beiden streiten nur noch und schieben die Schuld dem jeweils anderen zu. Sie fangen an, sich aus dem Weg zu gehen.
Bis es einen Morgen passiert: Udi wacht auf und kann seine Beine nicht mehr bewegen.
Na´ama und er fahren in ein Krankenhaus und sie versucht, sich ernstlich um Udi zu kümmern, der Beziehung wieder auf die Sprünge zu helfen.
Doch mit Udi´s plötzlicher Lähmung scheint noch mehr eingeschlafen zu sein…
Völlig fasziniert las ich erst kürzlich Shalev´s Liebesleben und war einfach nur beeindruckt.
Und im Grunde genommen ist dieser Roman sehr ähnlich: es geht in beiden Romanen um das Scheitern einer Beziehung. Hier diesmal das Scheitern einer Ehe.
Doch Mann und Frau konnte mich bei weitem nicht so begeistern wie der erste Teil der Trilogie.
Was ich bei Liebesleben faszinierend fand, konnte mich hier absolut nicht überzeugen.
Eine Handlung ist eigentlich nicht vorhanden. Es wird höchstens der Schauplatz hin und wieder mal abgeändert, um ein wenig Abwechslung hineinzubringen.
Es erfüllt lediglich den Zweck, dass Protagonistin Na´ama hin und wieder sich wo anders ihre Gedanken machen kann.
Und davon macht sie sich eine Menge.
In Liebesleben zeigt Shalev mit einer unglaublichen Genauigkeit ihr Talent die Gedanken eines Menschen bis ins hinterste Stübchen zu beschreiben.Ungläubig sitzt man vor dem Buch und verfolgt die Gedanken einer Fremdgeherin.
Doch in Mann und Frau wirkt das nicht mehr so faszinierend, denn was hier fehlt ist die Ausgewogenheit. Hier zieht sich ein Gedanke nach dem anderen durch das Buch und es passiert einfach nichts. Es fehlen die Atempausen, die Liebesleben einem gewährte.
Fast schlimmer ist es, dass Na´ama sich trotz ihrer reiflichen Überlegungen immer auf der Stelle tritt, sie macht keine Fortschritte.
Mann und Frau ist dennoch ein durchaus lesenswertes Buch, dass allerdings im Vergleich zu seinem Vorgänger schlecht abschneidet.
Es wird mir bei weitem nicht so im Gedächtnis bleiben wie Liebesleben.
Der Kuss des Einhorns – Tracy Chevalier
Verlag: List
ISBN: 978-3548605364
Seiten: 316
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: € 08,95
ET: 06.2005
Eine Serie von sechs kunstvollen Tapisserien. Das Rätsel ihrer Entstehung. Und die Geschichte eines Mannes, der durch seine Kunst die Liebe lernt.
In ihrem neuen Roman erzählt Bestsellerautorin Tracy Chevalier eine faszinierende Geschichte voll sinnlicher Details um die Macht von Kunst, Schönheit und die geheime Kraft menschlichen Begehrens.
Meine Rezension
Paris im Jahre 1490: der Maler Nicolas des Innocents erhält den Auftrag des Hofbeamten Jean Le Viste fünf prächtige Tapesserien für seinen Saal zu gestalten. Ursprünglich wollte Le Viste die große Schlacht von Nancy auf den Teppichen sehen, doch durch eine List gelingt es seiner Frau, dass nicht die Schlachten die Tapesserien schmücken, sondern die Verführung eines Einhorns.
Und so macht sich Nicolas an die Arbeit und nutzt die Teppiche seine Gefühle für Le Vistes Tochter Claude zu verewigen.
Doch Claude wird in ein Kloster geschickt, um eine Verbindung mit Nicolas zu verhindern, denn Claude soll jemanden ihres Standes heiraten.
Und so vergehen zwei Jahre, zwei lange Jahre in denen auch alle fünf Tapesserien gefertigt werden.
Am Anfang kam ich nur sehr beschwerlich in das Buch hinein, weil ich es zum einen ständig mit Das Mädchen mit dem Perlenohrring der Autorin verglichen habe, aber auch weil mir die beiden Protagonisten Nicolas und Claude relativ unsympathisch waren.
Vor allem der Maler Nicolas schafft es, den Leser leicht zu vergraulen, denn der junge Maler denkt bei jeder sich bietenden Gelegenheit nur an Sex und nimmt – es wirkt zu mindestens so – wahllos jede Frau mit ins Bett. Und so ist es auch fast kein Wunder, dass er sich an Claude Le Viste – Tochter seines Auftraggebers – ebenfalls ran macht. Das Verhalten der 14 jährigen Claude, die sich auch sofort in Nicolas verliebt, trägt auch nicht gerade dazu bei, sie mehr zu mögen.
Doch an dieser Stelle ist der Klappentext etwas irre führend. Er suggeriert, dass es sich in dem Roman hauptsächlich um die unglückliche Liebe von Claude und Nicolas drehen wird. Doch die Liebesgeschichte ist nur ein Aspekt des Ganzen.
Während der Herstellung der Tapesserien verweilt Nicolas oft in Brüssel um die Arbeiten zu überprüfen und Claude kommt in der Zeit ins Kloster.
In Brüssel trifft Nicolas die Wirkerfamilie, die die Teppiche herstellen wird und das Leben mit dieser Familie wird zum Schwerpunkt der Geschichte.
Auch hier fühlt sich Nicolas wieder von den Frauen der Familie angezogen. Besonders die blinde Tochter Alienor hat es dem Maler angetan.
Meine Abneigung gegen Nicolas wurde im Verlauf der Geschichte immer weniger, auch, weil sie immer unwichtiger wurde.
Viel mehr drängten sich die Frauen in den Vordergrund mit ihren Wünschen, Sehnsüchten und Gefühlen. Und das sind nicht nur Claude und Alienor, sondern auch deren Mütter.
Nicolas verarbeitet seine Gefühle und seine Gedanken zu den Frauen in den Wandteppichen und so wird jede auf ihre Weise verewigt.
Es war das Leben dieser Frauen, das mich berührte. Obwohl alle in unterschiedlichen Ständen geboren wurden, sind alle miteinander durch die ihnen auferlegten Zwänge, unerfüllter Liebe und Wünschen miteinander verbunden.
Das Buch wird aus der Perspektive mehrerer Personen erzählt; jedes Kapitel aus der Perspektive eines anderen Charakters. Das ist gerade am Anfang sehr verwirrend, aber auch das legt sich mit der Zeit. So wird die Erzählperspektive zum interessanten Vermittler zwischen Leser und Geschichte.
Der Kuss des Einhorns ist eine schöne Geschichte über ein reales Kunstwerk, bei der man das Gefühl hat, das sie so tatsächlich hätte passieren können.
Der Sünde Sold – Inge Löhnig
Verlag: Ullstein
ISBN: 978-3548268644
Seiten: 432
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: € 08,95
ET: 10.2008
Mariaseeon, im Süden Münchens: Nach tagelanger Suche findet man den fünfjährigen Jakob nackt, gefesselt und verstört auf einem Holzstoß im Wald. Wenig später wird seine Erzieherin zu Tode gemartert. Eine biblische Opferszene, ein Mord nach Art der Inquisition – unter den Dorfbewohnern geht die Angst um. Einer von ihnen ist ein sadistischer Mörder und Kommissar Konstantin Dühnfort muss ihn finden, bevor er wieder zuschlägt.
Meine Rezension
Der Sünde Sold ist der Tod. So steht es auch schon in der Bibel geschrieben.
Kommissar Dühnfort steht vor einem Rätsel: der fünfjährige Jakob ist spurlos verschwunden. Und keiner weiß, was mit ihm passiert sein könnte.
Das Ermittlungsteam um Dühnfort tappt im Dunkeln und kann nur hoffen, Jakob noch lebend zu finden. Und tatsächlich: durch einen glücklichen Zufall findet die gerade erst ins Dorf gezogene Agnes den Jungen gefesselt im Wald und kann ihn so zu seiner Mutter zurück bringen.
Doch eine Spur des Täters fehlt immer noch und Dühnfort ermittelt auf Hochtouren.
Doch dann passiert es: Jakobs Erzieherin verschwindet….
Ein Kriminalroman. Skeptisch stand ich diesem Buch als absoluter Krimimuffel gegenüber. In der Vergangenheit machte ich beim Lesen eines Krimis immer und immer wieder die Erfahrung, dass man bereits nach 20 Seiten den Täter kennt, einen unsympathischen und egomanen Ermittler ertragen muss und das Buch nicht von einem ausgefeilten Plot getragen wird, sonder von Effekthascherei durch Mord und Totschlag frei nach dem Motto „Je oller, je toller“.
Allerdings werde ich ihn letzter Zeit immer wieder eines besseren belehrt: unter anderem auch von Inge Löhnig und ihrem ersten Dühnfort Roman Der Sünde Sold.
Der Sünde Sold erzählt eine ausgefeilte Geschichte eines Täters, der die Welt verbessern will und dem jedes Mittel dabei recht ist. Nicht zuletzt auch, weil er selbst nicht erfahren hat wie es ist geliebt zu werden.
Der Täter bleibt auch unbekannt bis zum Schluss.
Gut, hier sei vielleicht die Einschränkung gemacht, dass die Autorin sehr wohl im Vorfeld wohl ein paar Hinweise auf den Täter gestreut hat, allerdings muss ich gestehen: dass ich sie als solche nicht erkannt habe oder einfach drüber weg gelesen habe, weil ich im Eifer des Gefechts einfach nur wissen wollte, wie die Geschichte endet. Und trotzdem: die Hinweise sind nicht zu offensichtlich, sodass bis zum Schluss der Überraschungseffekt gewahrt bleibt.
Die Geschichte selbst wird gleich aus drei Perspektiven erzählt: einmal aus der Sicht Dühnfort´s, aus Agnes` Sicht und aus der Sicht des Täter´s.
So gewinnt man einen guten Überblick über die verschiedenen Ereignisse, aber man erfährt auch sehr viel über die Protagonisten. Man erfährt vieles über ihre Vergangenheit, ihre Wünsche und Sehnsüchte. So schafft es die Autorin, dass eine menschliche Komponente den Roman mit Leben füllt und das Verbrechen und seine Grausamkeit nicht alles überschattet.
Der Sünde Sold ist der Debutroman der aus München stammenden Autorin Inge Löhnig und bietet alles was man sich von einem guten Krimi wünscht: ein Verbrechen, Ermittlerspaß und menschliche Charaktere, die dafür sorgen, dass das Verbrechen ein Gegengewicht erhält.
Der Sünde Sold ist ein Kriminalroman den selbst ich – als eher versierte nicht Leserin des Genres – bedenkenlos empfehlen kann, denn er lebt nicht nur vom Verbrechen.
Gespannt warte ich auf Dühnfort´s zweiten Fall!
Liebesleben – Zeruya Shalev
Verlag: BtV
ISBN: 978-3833300820
Seiten: 376
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: € 09,90
ET: 08.2003
Die Begegnung mit Arie, einem alten Freund ihres Vaters, wirft das Leben der Ich-Erzählerin Ja’ara aus der Bahn. Vom ersten Moment an verfällt sie der erotischen Anziehungskraft des ebenso rätselhaften wie tyrannischen Egozentrikers. Ja’ara erlebt eine bedingungslose, obsessive und demütigende Liebesbeziehung, die sie dazu bringt, auf alles zu verzichten, was ihr Leben bisher ausgemacht hat: ihre Ehe, ihre Karriere, ihre Vorstellungen von Treue und Anstand.
Meine Rezension
Ja´ara scheint mit ihrem Leben ganz zufrieden zu sein, bis zu einem schicksalhaften Nachmittag in der Wohnung ihrer Eltern an dem sie den Jugendfreund ihres Vater trifft: Arie.
Und diese Begegnung wirft ihr ganzes Leben durcheinander.
Sie fängt an ihren Job und ihren Mann zu vernachlässigen und setzt beides aufs Spiel nur um Arie zu treffen.
Und tatsächlich: beide beginnen eine Affäre; wenn auch eine ungewöhnliche Affäre.
Ja´ara scheint abhängig von Arie zu sein und tut alles, um ihn zu gefallen. Und Arie scheint davon abhängig zu sein, das jemand von ihm abhängig ist.
Und so beginnt Ja´ara einer Illusion hinterher zu rennen.
Liebesleben ist der 1. Teil von Shalev´s Trilogie über die moderne Liebe.
Und ich muss direkt vorweg schicken: es ist ein Buch, dass mich gefesselt hat, aber hauptsächlich auf Grund des Erzählstils und Schreibstils, denn die Handlung weist doch ein paar Schwachstellen auf.
Shalev erzählt die Geschichte einer außergewöhnlichen Affäre, allerdings scheint diese fest zustecken.
Arie und Ja´ara führen eine Beziehung, die ich in keinster Weise nachvollziehen kann: ich habe wirklich Probleme einer Frau wie Ja´ara Verständnis oder selbst Mitleid entgegen zu bringen, die für einen egoistischen, selbstgefälligen Mann ihr ganzes Leben, alles was sie sich aufgebaut hat, riskiert. Erst recht, wenn man bedenkt, dass sie weiß, dass sie das was sie tut besser nicht tun sollte und sie eigentlich weiß, was als Konsequenz auf sie warten wird und sie diese Konsequenz eigentlich nicht möchte und im Grunde nicht wird ertragen können.
Das ist aber nicht mein eigentlicher Kritikpunkt: es gibt solche Beziehungen nun mal und nur weil ich sie mir nicht vorstellen kann, oder vielleicht auch will, muss das Buch nicht schlecht sein.
Aber: man liest 369 Seiten und die Beziehung dreht sich immer und immer wieder nur im Kreis. Es findet keine Entwicklung statt. Die letzten 10 Seiten zeigen dann eine Entwicklung, die aber dann nicht tiefgründig genug ist und einfach zu spät kommt.
Auch die Charaktere bleiben einem fern und eher unsympathisch. Allerdings ist das vollkommen in Ordnung, denn eigentlich dienen sie nur dazu eines zu zeigen: es ist unmöglich eine glücklich Beziehung zu jemanden einzugehen und auch sein Leben zu leben, wenn man nicht weiß wer man ist.
Ein, wie ich finde, wirklich tolles Buch, dass allerdings hauptsächlich von seinem Erzählstil lebt und weniger von der Geschichte


