Archiv für Juni 2008

Der Steppenwolf – Hermann Hesse

Verlag: Suhrkamp
ISBN: 978-3518188125
Seiten:
312
Ausgabe:
Taschenbuch
Preis:
€ 08,00
ET:
09.1999
Hermann Hesse, am 2. Juli 1877 in Calw/Württemberg als Sohn eines baltendeutschen Missionars und der Tochter eines württembergischen Indologen geboren, 1946 ausgezeichnet mit dem Nobelpreis für Literatur, starb am 9. August 1962 in Montagnola bei Lugano.

Meine Rezension

Harry Haller mietet sich ein Mansardenzimmer und zieht dort ein. Während er der Vermieterin sehr sympatisch ist, ist der Sohn derselbigen eher skeptisch: er findet, dass es mit dem Mieter irgendetwas komisches auf sich hat.
Und in der Tat: Harry Haller ist ein Steppenwolf. Harry lebt lieber für sich und widmet sich seiner Musik und seinen Büchern. Er mag die Gesellschaft in der lebt nicht und würde gerne jeglichen Kontakt zu ihr abbrechen. Trotz seiner Abneigung merkt Haller aber auch, dass sein Verhalten so nicht tragbar ist.
Doch scheint er den Weg aus seiner Einsamkeit nicht selbst zu finden. Er braucht Hilfe, die er in einem kleinen Büchlein findet, dass sich Tractat vom Steppenwolf nennt. Allerdings hilft ihm nicht nur das Tractat wieder ins Leben, sondern auch die junge Hermine…

Ich bin sehr skeptisch an dieses Buch herangegangen. Hört man doch im Vorfeld: Für Hesse müsse man noch jung sein, denn sonst könnte man mit seinen Themen nichts mehr anfangen.
Kann man wirklich nicht?
Ich sage: Man kann!
Natürlich: Themen wie „Wer bin ich?“ und „Was ist mein Platz in der Gesellschaft?“ stellt man sich natürlich am intensivsten in der Jugend, man entdeckt erst jetzt, dass es noch eine Welt außerhalb des Kinderzimmers gibt.
Doch auch als Erwachsener stellt man sich durchaus noch diese Fragen und reflektiert und beantwortet diese anders, als vielleicht als Teenager.
Daher lautet mein Fazit dahingehend eher: schade, dass ich Hesse nicht schon vor Jahren gelesen habe, denn sein Steppenwolf gehört zu jenen Werken, die man immer wieder lesen kann und jedes Mal anderes darüber denkt.
Hesse versteht nicht nur auf eine spielerische Art mit ernsten Themen umzugehen, sondern ist auch wahrleich ein Meister des geschriebenen Wortes: er scheint sich jedes Wort ganz genau überlegt zu haben und baut dabei Endlos-Sätze, die 25 Zeilen und mehr lang sind.

Fazit: Hesse hat einen wirklich tollen Roman geschrieben, der inhaltlich und sprachlich überzeugt, auch wenn ich mit dem abstrakten Schluss meine Problemchen hatte.
Dennoch hat mir der Roman wirklich sehr gut gefallen und möchte auch noch mehr von Hesse lesen!

Die Purpurlinie – Wolfram Fleischhauer

Verlag: Knaur
ISBN: 978-3426625927
Seiten: 496
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: € 09,95
ET: 11.2003
»Gabrielle d’Estrées und eine ihrer Schwestern«: Generationen von Betrachtern hat dieses anonyme Gemälde fasziniert, auf dem eine Dame mit spitzen Fingern die Brustknospe einer anderen umfasst. Liegt in der seltsamen Pose der Schönen eine verschlüsselte Botschaft? Wolfram Fleischhauer hat aus der unheilvollen Entstehungsgeschichte jenes Porträts einen atemberaubend spannenden Kriminalroman gemacht, der sofort zum Erfolg wurde. Im Anhang dieser opulenten Taschenbuchausgabe ist erstmals nachzulesen, wie viel Wahrheit hinter der Fiktion tatsächlich steckt.

Meine Rezension

Ein Bild im Louvre, das dem Literaturwissenschaftler Andreas Michelis nicht aus dem Sinn geht: es zeigt wahrscheinlich die Mätresse Gabrielle d’Estrèes des einstigen Königs von Frankreich, Heinrich IV von Navarra. Bis heute gibt es nur Mutmaßungen wer die Dame neben der Herzogin ist und wer das Gemälde gemalt hat. Genauso wenig weiß man bis heute zu sagen, was die seltsamen Gesten der Edeldamen zu bedeuten haben.

Knapp vierhundert Jahre nach dem mysteriösen Tod der Mätresse übergibt der Bibliothekangestellte Koszinski Michelis ein fast hundert Jahre altes Manusskript eines seiner Vorfahren: in diesem wird versucht dem geheimnisvollen Bild und dem Tod der Herzogin auf die Spur zu kommen und das Rätsel zu lösen.

Ist Gabrielle d’Estrèes wirklich einem Mordkomplott zum Opfer gefallen oder sind die Gründe für das Bild ganz woanders zu suchen?

Die Purpurlinie ist der Debutroman des 1961 in Karlsruhe geborenen Autors Wolfram Fleischhauer.

In diesem erzählt er die Geschichte einer königlichen Mätresse des 16. Jahrhunderts und einem Bild, das bis heute sein Geheimnis zu hüten scheint.
Der Autor selbst bezeichnet sein Erstlingswerks als „romanhafte Bildinterpretation“. Das stimmt; ist aber nur die einer Hälfte des Buches: in der anderen beschreibt der Autor – der 5 Jahre Quellen zu dem Gemälde, Heinrich IV und seiner Mätresse studierte – das Gesellschaftsbild eines Staates, das vom Krieg zerfressen ist, dass sich nach Frieden sehnt und einem Mann der dies verwirklichen könnte: Heinrich IV. In schillernden Farben erzählt Fleischhauer die Geschichte der außergewöhnlichen Liebe Heinrichs zu seiner Geliebten und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund auch die Personen zu Wort kommen zu lassen, die Gabrielle d’ Esstrèes lieber Gestern als Morgen vom französischen Hof entfernt hätten.

Pluspunkte streicht Fleischhauer mit seinem Anhang ein: dort erklärt er genau, was Fakt ist und was seiner Fantasie entsprungen ist. Er stellt somit keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit seiner Thesen. Wirklich positiv! Gibt es doch den ein oder anderen Autor die behaupten in ihren Büchern nur Fakten verwoben zu haben…

Wolfram Fleischhauer erzählt in seinem Erstlingswerks eine Geschichte, die zum Rätseln einlädt und gespickt ist mit historisch verbürgten Fakten und Fiktion.

Ein Roman, der vorallem Kunst und Geschichts Liebhabern gefallen wird.

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