Archiv für Februar 2008

Homo Faber – Max Frisch

Verlag: Suhrkamp
ISBN: 978-3518368541
Seiten:
208
Ausgabe:
Taschenbuch
Preis:
€ 08,00
ET:
03.1977
Der Zusatztitel “Ein Bericht” des wohl bekanntesten, 1957 erschienenen Romans von Max Frisch ist symptomatisch: Er charakterisiert den Ich-Erzähler als rationalitätsgläubigen Menschen. Und er bezeichnet die Form seiner sachlichen Erinnerung. Walter Fabers Leben bestimmt ein technologisch-mathematisches Weltbild. Durch eine Reihe von ‘Zufällen’ wird die Identität des Ingenieurs erschüttert: Zuerst lernt er den Bruder seines Jugendfreundes kennen. Joachim hatte Hanna, damals Fabers Freundin, geheiratet. Dann trifft Faber auf einer Schiffspassage die junge Sabeth. Er begleitet sie auf ihrer Reise durch Südfrankreich und Italien bis nach Griechenland. Er will das junge Mädchen heiraten. Geschickt gelingt es ihm immer wieder, seinen Verdacht wegzuwischen. Doch Sabeth ist seine Tochter. Zum Inzest kommt am Ende auch noch, dass er den tödlichen Unfall Sabeths nicht verhindern konnte.

Meine Rezension

Er ist Ingenieur, wohnt in New York, reist ständig um die Welt, um seine Turbinen installieren zu lassen.
Als Walter Faber Mitte der 1950er in ein Flugzeug steigt, ahnt er noch nicht, dass ihn seine Vergangenheit einholen wird und sich sein Leben für immer verändert.
Faber soll erneut für die UNESCO nach Südamerika reisen und trifft im Flugzeug Herbert, den Bruder seines Jugendfreundes Joachim.
Wochen später trifft er auf einem Schiff Elisabeth: 21 Jahre jung, hübsch und Faber verliebt sich in sie. Von Anfang an erinnert Elisabeth , oder Sabeth, wie er sie liebevoll nennt, an seine Exfreundin Johanna. Was anfänglich eine Vermutung, ist schon bald Gewissheit: Elisabeth ist Fabers Tochter, die eigentlich nicht hätte da sein sollen….

Vor 1 ½ Jahren habe ich Frischs Drama Andorra gelesen, dass ich sehr gut fand. Dementsprechend neugierig war ich auf ein weiteres Wiedersehen mit Frisch.
Doch was soll ich sagen?!
Unterm Strich bin ich ein wenig enttäuscht.
Frisch erzählt die (wahrscheinlich) letzten Monate eines Rationalisten, eines Menschen, der Probleme hat, sich mit seinem naturwissenschaftlich geprägten Leben, in dieser Welt zurecht zufinden.
Frisch schildert dieses Problem zwar durch seine Art zu erzählen sehr gut, aber dennoch bleibt bis zu einem gewissen Grade die Frage nach dem Warum zurück.
Warum erzählt Frisch dieses Geschichte? Warum erzählt er sie so, wie er sie erzählt?
Sicher, nicht immer muss eine Geschichte so klar strukturiert sein, dass der Leser auf alles eine ganz klar und eindeutige Antwort erhält. Dennoch bleibt bei Homo Faber ein hilfloses Gefühl zurück.
Da nützt es auch recht wenig, dass Faber Parallelen zu Ödipus aufweist.

Die Erzählung zeigt, dass Frisch großes Potenzial hat. Dieses nutzt er aber hier nicht. Sein Stück Andorra gibt wesentlich mehr her, als Homo Faber.

Die Farbe Blau – Jörg Kastner

Verlag: Knaur
ISBN: 978-3426633489
Seiten:
416
Ausgabe:
Taschenbuch
Preis:
€ 08,95
ET:
08.2006
Amsterdam 1669. Es ist die Epoche Rembrandts. In der Stadt herrscht große Aufregung, denn zwei angesehene Bürger haben bestialische Morde begangen. Und beide Male war ein Gemälde im Spiel – ein harmloses Familienbild, wie von Rembrandts Hand, wäre es nicht von einem intensiven Blau dominiert. Als das ›Todesbild‹ auf rätselhafte Weise verschwindet, schwört sich Cornelis Suythof, ein junger Maler und großer Bewunderer des Meisters, dem Rätsel auf die Spur zu kommen – war doch einer der vermeintlichen Mörder sein bester Freund …

Meine Rezension

Amsterdam 1669. Der erfolglose Maler Cornelis Suythof schwört, den unschuldigen Freund Ossel Jeuken zu rächen. Denn, davon ist Cornelis überzeugt, ist sein Freund an dem Mord seiner Freundin nicht schuld. Vielmehr das geheimnissvolle Todesbild, dass mit einem ungewöhnlichen Blau gemalt wurde. Wie er zu dieser Vermutung kommt? Ossel schmuggelte dieses Bild bereits in die Zelle des Blaufärber Gysbert Melchers, dem das Bild gehörte, und der im Wahn seine Familie tötete.Doch eines Nachmittags liegt Melcher tot in seiner Zelle des Rasphius. Irgendetwas scheint an diesem Bild zu sein, dass die Menschen, die es umgeben, in den Wahn treibt.
Als das Bild nach dem Mord aus Ossels Wohnung verschwindet verstärkt sich Cornelis Vermutung, dass mit diesem Bild etwas nicht stimmt…
So fängt Cornelis an nach diesem Bild zu suchen, um seinen Freund zu rächen und von der Schuld des Mordes rein zuwaschen. Er verfolgt die einzige Spur die er hat: Cornelis war kurzzeitig Schüler des Malers Rembrandt und bewundert dessen Arbeiten bis heute. Er kennt Rembrandts Bilder und weiß bestens Bescheid über Motive und Maltechniken des Malers. Um so verwunderter ist Cornelis daher, dass ihn das Todesbild so sehr an Rembrandt erinnert. Alles stimmt, doch benutzt Rembrandt nie Blau….
Es ist Cornelis einziger Hinweis und so begibt er sich erneut als Schüler in das Haus des berühmten Malers. Cornelis ahnt noch nicht, in was für einen dunklen Kreis aus Lügen und Intrigen er geraten ist und nicht nur einmal scheint es, als ob Cornelis sein Leben lassen muss.

Jörg Kastners Roman Die Farbe Blau ist kein rein historischer Roman, sondern ein historischer Roman der Thriller/Krimi-Elemente mit einbindet.
Der Autor erzählt eine Geschichte, die vor Klischees fast nur so überläuft: wir haben eine Hauptfigur, die im Leben eigentlich eher erfolglos und unscheinbar ist. Aber: merkwürdige Umstände ziehen ihn in eine Geschichte, die am Anfang unsere arme Hauptfigur zu verlingen droht. Immer wieder tappt er in eine Falle nach der anderen, und doch entkommt er immer wieder der Gefahr, wenn auch nur knapp. Und: er findet die Liebe seines Lebens, die er natürlich beschützen muss, da sie als Druckmittel gegen ihn verwendet wird.

Klingt langweilig? Klingt, als ob man es schon x-mal in anderen Büchern gelesen hätte?
Ja, vielleicht. Aber dennoch ist Die Farbe Blau ein echter Pageturner!
Jörg Kastner hat mit Cornelis Suythhof einen sympathischen, klischeebesetzen Charakter geschaffen, den man auf seinen Ermittlungen einfach gerne begleitet und mit ihm fiebert. Denn wenn eins gibt was Kastner kann, dann ist es Fährten legen. Aber es sind nur kleine Häppchen, die einen nichts verraten; sie wirken immer mysteriöser und scheinen kein einheitlichen Bild zuergeben. Erst kurz vor Ende erfährt man, wie alles zusammenhängt.
Jörg Kasnter ist ein Roman gelungen in dem es um Verschwörungen und Intrigen geht, die nicht nach Dan Brown Schema verlaufen.
Die Farbe Blau ist ein Roman der einen wunderbar unterhält und den man einfach nicht aus der Hand legen kann, bis man weiß, wie es aufhört!

Jörg Kastner ist eine Autorenentdeckung in diesem Jahr!

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