Archiv für November 2007
Das Mädchen mit dem Perlenohrring – Tracy Chevalier
Verlag: List |
ISBN: 978-3548600697
Seiten: 327
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: € 08,95
ET: 10.2001
Delft 1664.Als der Vater sein Augenlicht verliert, wird die junge Griet als Dienstmagd in den Haushalt des angesehenen Malers Johannes Vermeer gegeben. Die Schikanen von Vermeers eifersüchtiger Gattin ließen sich kaum ertragen, wäre da nicht die faszinierenden Bilder des Meisters. Schließlich beginnt Vermeer, sie heimlich zu malen. Doch als er Griet bittet, einen Perlenohrring anzulegen, beschwört er damit eine Katastrophe herauf.
Meine Rezension
Jan Vermeer van Delft ist ein niederländischer Künstler, der mit Catharina Bolnes verheiratet ist und mit ihr 15 Kinder hat. Und viele Kinder machene viel Dreck und somit braucht die Familie eine Dienstmagd die im Haushalt hilft.
Sie stellen die 14-jährige Griet ein, die den Job annehmen muss, denn der Vater kann die Familie nach einem Arbeitsunfall nicht mehr ernähren.
Im Haus der Vermeers findet Griet viele Gegner und noch weniger Freunde…
Das Mädchen mit dem Perlenohrring ist wohl Vermeers berühmtestes Bild, dass ein Mädchen zeigt von dem man bis heute nicht weiß wer es ist.
Tracy Chevalier gibt diesem Mädchen in ihrem Debutroman Das Mädchen mit dem Perlenohrring ein Gesicht, einen Namen und eine Identität.
Dabei schafft die Autorin in einer leisen Handlungen eine Atmosphäre, die in sich stimmig uns dicht ist und so den Leser an das Buch fesseln zu vermag. Und das, obwohl die eigentliche Geschichte sehr simple und ist und an sich keinerlei Spannung aufweißt.
Dennoch mag man das Buch nicht eher aus der Hand legen als bis man erfahren hat, wie es mit Griet weitergeht und was es nun mit diesem Bild auf sich hat…
Dieser historische Roman erzählt nur eine einfach Geschichte über ein einfaches Mädchen, nicht mehr und nicht weniger und ist dabei so einzigartig!
Eine absolutes Highlight dieses Jahr!
Die Glasmalerin – Eric Walz
Verlag: Blanvalet | Leseprobe (.pdf)
ISBN: 978-3442367184
Seiten: 432
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: € 12,00
ET: 09.2007
Mitten im hektischen Treiben des Trienter Konzils im Oktober 1551 verliebt sich die Ulmer Glasmalerin Antonia Bender völlig unstandesgemäß: ausgerechnet in den jungen Jesuiten Sandro. Eine unmögliche Liebe – denn Sandro ist nicht nur der Halbbruder von Antonias langjährigem Verehrer Matthias, dem mächtigen Abgesandten des württembergischen Herzogs, er soll auch einen Bischofsmörder aufspüren. Daher ist Antonia froh, in der Kurtisane Carlotta eine Freundin in der fremden Stadt gefunden zu haben. Was Antonia nicht weiß: Carlotta ist nur aus einem einzigen Grund nach Trient gekommen: Sie hat vor, den Sohn des Papstes zu töten …
Meine Rezension
Trient im Oktober 1551: in der italienischen Stadt treffen sich in diesem Monat wichtige Kardinäle und Prälaten, um über eine Kirchenreform – die u.a. die katholische und lutheranische Kirche wiedervereinigen soll – zu beraten.
In all diesem Trubel werden gleich 3 wichtige Kirchenträger ermordet. Die überlebenden Kardinäle werden unruhig und so beruft der Papst den Jesuiten Sandro Carissimi zum Visitiator und erteilt ihm die Aufgabe, den Mörder zu finden.
Doch schnell stellt sich ihm die Liebe in den Weg, als er der Glasmalerin Antonia Bender begegnet, die mit ihrem Vater die Fenster des Trienter Doms neu gestaltet….
Eric Walz beweist mit diesem Buch, dass er ein Autor ist, der süchtig macht!
Ein betörender Schreibstil und eine betörende Story ziehen den Leser in seinen Bann und sorgen so für schlaflose Nächte.
Eric Walz hat mit Die Glasmalerin einen Roman geschrieben, der auf Grund seines Titels erstmal einen Roman vermuten lässt, der dem all bekannten „-in“-Schmema enspricht, wie es unter den Autoren historischer Roma weitverbreitet ist: eine Frau in Männerhosen, in einem frauenfeindlichen Mittelalter. Aber genau hier erliegt der Leser einem Irrtum: Die Glasmalerin ist Antonia Bender, doch diese spielt bei weitem nicht die erste Geige in diesem Roman, aber um sie herum tummeln sich alle Charaktere.
Und so kann ein Leser mit einer Abneigung gegen diese „-in“ – Roman – wie ich einer bin – diesen Roman genießen und erlebt eine Talfahrt der Gefühle:
Mit Spannung verfolgt man die Ermittlungen Sandros der fieberhaft den Mörder sucht und immer wieder falschen Fährten erliegt. Eric Walz legt immer wieder Fährten, die sich nicht als wahr erweisen und der Leser steht selber vor einer Wand, denn er erlag ebenso wie Sandro dem Trugschluss den Täter ebenfalls zu kennen…
Eric Walz lässt in seinem Roman viele verschiedene Figuren auftreten, deren Rolle nicht von vorneherein klar ist. Es sind Charaktere, die der Autor mit viel Liebe gezeichnet hat und die einem lebendig vor dem Auge tanzen.
Mit Die Glasmalerin hat Eric Walz einen historischen Krimi geschaffen, der nur so vor Leben sprüht und als eine Art Einstiegsdroge gelten kann: denn danach muss man ganz dringend noch mehr von Eric Walz lesen oder man wartet gespannt – wenn man schon seine anderen Romane kennt – das endlich ein neuer Roman des Autors erscheint.
Eine absolute Leseempfehlung!
Die Wiederkehr – Wolfgang Hohlbein
Die Chronik der Unsterblichen 05
Verlag: Ullstein
ISBN: 978-3548258096
Seiten: 382
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: € 08.95
ET: 03.2004
Schauplatz Wien, 16. Jahrhundert: Im fünften Teil der Chronik der Unsterblichen Die Wiederkehr führt die Suche nach dem Grund und dem Ursprung der Vampyre den unsterblichen Andrej Delany und seinen treuen Begleiter Abu Dun nach Wien. Dort hoffen sie den Medicus Franz Breiteneck zu finden, der Gerüchten zufolge einige von Delanys dringendsten Fragen beantworten kann. Doch Breiteneck hält sich versteckt und während die unsterblichen Freunde ihn suchen, geraten sie zwischen die Fronten der angreifenden Türken und die Verteidiger Wiens. Mit jedem Tag spitzt sich die Lage in der eingeschlossenen Stadt weiter zu und als die beiden Breiteneck endlich finden, taucht ein unbekannter Vampyr auf und zwingt Delany sein Leben für die Rettung Wiens aufs Spiel zu setzen. Doch der Vampyr ist kein Fremder und Delany sieht sich mit seiner tot geglaubten Vergangenheit und einer beinah unlösbaren Aufgabe konfrontiert.
Meine Rezension
Der Schwertkämpfer Andrej und sein Freund, der Araber, Abun Dun sind nun seit mehr als einem halben Jahrhundert unterwegs auf der Suche nach Antworten. Antworten auf die Frage wer oder was sie sind.
Ihr Suche führt sie nach Wien. Dort sind sie auf der Suche nach dem Medicus Breiteneck, der die Antworten auf all ihre Fragen zu kennen scheint.
Doch ihre Suche gerät ins Wanken, als die Türken Wien belagern und sich ein anderer Vampyr in der Stadt auf zuhalten scheint. Doch noch ahnen Andrej und Abu Dun nicht, wer hinter dem anderen Vampyr steckt……
Auch im fünften Band der Chronik der Unsterblichen wirft der Autor Wolfgang Hohlbein den Leser wieder mitten ins Geschehen. Andrej und Abu Dun stehen auf den Stadtmauern Wiens und versuchen die Soldaten in ihrem Kampf gegen die Türken zu unterstützen.
Und wiedereinmal läuft das Buch in dem für Hohlbein und diese Reihe gewohnten Schema ab. Und wiedereinmal scheint der Leser genau zu wissen, wie es weiter geht. Und erneut sieht sich der Leser im Irrtum.
Es ist zwar nicht so, dass eine dramatische Wende ist, die die ganze Geschichte in einem anderen Licht erscheinen lässt, aber dennoch gibt es kleine Überraschungen.
Dieser Band strotzt nicht vor Novitäten, aber dennoch hält man ein Buch in der Hand, dass einem ein paar Lesestunden beschert, in denen man abschalten kann, sich ab und an ein Lächeln nicht verkneifen kann und von dem man sich berieseln lassen kann.
Nicht mehr aber auch nicht weniger.
Wandlungen einer Ehe – Sandor Marai
Verlag: Piper
ISBN: 978-3492241670
Seiten: 464
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: € 09,95
ET: 07.2007
Lüge und Leidenschaft, Sehnsucht und Vergänglichkeit – das neue Meisterwerk von Sándor Márai: ein Herr, eine Dame, ein Dienstmädchen. Das ist das Personal dieses großen Romans um Liebe und Betrug, um wahre und ersehnte Gefühle, um Aufrichtigkeit und Befangenheit in gesellschaftlicher Konvention. Zugleich ist es ein Abgesang auf die großbürgerliche mitteleuropäische Welt.
Meine Rezension
Ungarn nach dem Ersten Weltkrieg: Ilonka sitzt mit einer Freundin in einem Café in Budapest, als sie sieht wie ihr Exmann Peter in einer Konditorei kandierte Orangenschalen kauft. Sofort drängen sich ihr die Erinnerungen hoch: das sie Peter liebte, aber er sie nicht und dass es immer eine Frau gab, die zwischen ihnen stand. So fängt Ilonka an, ihrer Freundin alles zu erzählen.
Auch Peter sitzt eines Abends in einem Café mit einem Freund, der lange Zeit in Peru gelebt hat, als er seine zweite Exfrau Judit aus einer Konditorei kommen sieht. Auch er fängt an seinem Freund von seinem Leben und seinen gescheiterten Ehen zu erzählen.
Judit liegt nach dem Zweiten Weltkrieg mit ihrem Freund einem Schlagzeuger in einem Hotelbett in Rom, als er das Foto ihres Exmanns findet und sie auffordert von dieser Zeit zu erzählen.
Sandor Marai erzählt in seinem Roman Wandlungen einer Ehe von drei Menschen mit drei verschiedenen Schicksalen, die nur durch zwei Sachen miteinander verbunden sind: einer Ehe und einem Mann.
Marai lässt in diesem Buch alle drei zu Wort kommen und jeder darf sein Schicksal, seine Sichtweise auf die Dinge schildern.
Und schnell wird klar: nur weil Menschen ein gemeinsames Leben führen heißt das noch lange nicht, dass ihr Denken und ihr Handeln Parallelen aufweist. Es bedeutet genauso wenig, dass Gefühle und die Realität für beide das selbe bedeuten.
Ilonka wird von ihren Gefühlen und den Erinnerungen an ihr Leben mit Peter geleitet. Peter selbst scheint nicht so sehr über diese Zeit nach zu denken, sondern zeigt sich eher eingeengt von seinen Pflichten als Bürger, von einer herrschenden Moral und seiner Leidenschaft zu einer Frau, die er gar nicht lieben dürfte: dem Dienstmädchen Judit. Judit selbst beschäftigt sich mit anderen Gelüsten.
Diese unterschiedlichen Ansprüche und Erinnerungen an einen Abschnitt in einem gemeinsamen Leben unterstreicht Marai sehr schön auch mit seinem Schreibstil: von einer dichten Atmosphäre bei Ilonka, über eine karge, spartanische bei Peter bis hin zu einer lockeren, fröhlichen Atmosphäre bei Judit.
Doch in diesem Buch geht es nicht „nur“ um Beziehungskisten, sondern auch um den Zusammenbruch der europäischen Ordnung im Zweiten Weltkrieg und um die Rollen von Gesellschaftsklassen.
Dieses Buch steckt voller Melancholie, Ironie und Lebensweisheiten und ist es durchaus wert gelesen zu werden!


